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Natur und Kultur in ehemaligen Kolonien bis heute besonders bedroht

Keystone-SDA
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Österreich,

Das Java-Nashorn, der europäische Nerz, aber auch die irische Sprache und mehr: Weltweit sind nicht nur rund eine Million Tierarten, sondern fast die Hälfte aller Sprachen vom Aussterben bedroht.

Java-Nashorn
Ein vom indonesischen Umweltministerium am 8. September 2015 veröffentlichtes Standbild aus einem Video zeigt ein Java-Nashorn und ein neu entdecktes Jungtier. - keystone

Ein internationales Team unter Leitung der Uni Wien hat nun untersucht, ob es hier einen Zusammenhang gibt. Die im Fachjournal «People and Nature» veröffentlichten Ergebnisse deuten darauf hin: Der europäische Kolonialismus war Treiber für die Bedrohung von beidem – Natur und Kultur.

In der Studie identifizierte das Team Brennpunkte von gefährdeten Sprachen und Arten – der sogenannten biokulturellen Vielfalt. Die sprachliche Diversität diene in der Forschung dabei oft als Indikator für die kulturelle Diversität und ihr Verlust untergrabe kulturelle Identitäten sowie indigenes und lokales Wissen. Besonders bedroht ist die Vielfalt von Arten und Sprachen demnach auf Inseln in Ozeanien und Ostasien wie Neuseeland, Japan oder Taiwan. Die Gefährdung der Artenvielfalt allein ist auf andere (sub-)tropische Inselstaaten wie Madagaskar, Haiti und Mauritius, die Sprachgefährdung eher auf Amerika, das südliche Afrika und Australien konzentriert.

Die Forschenden suchten nach aktuellen und historischen Faktoren, die mit dem Diversitätsverlust zusammenhängen. Zu den aktuellen Bedrohungen für Sprachen zählt demnach vor allem die Urbanisierung, zu jenen für die biologische Vielfalt vor allem die Umgestaltung von Ökosystemen für landwirtschaftliche Zwecke. Der einzige gemeinsame Treiber beider Aspekte: die historische Besatzung durch europäische Kolonialmächte. Ehemalige Kolonien weisen in puncto biokultureller Vielfalt die höchste Gefährdung auf. «Der Effekt ist dann umso ausgeprägter, je länger ein bestimmtes Land unter kolonialer Besetzung stand», wird Biodiversitätsforscher und Studienleiter Bernd Lenzner in einer Mitteilung der Universität Wien zitiert.

Denn ehemalige Kolonien waren besonders oft von der Ausbreitung invasiver Arten, eingeschleppter Krankheiten sowie gewaltsamen Konflikten mit lokalen Gemeinschaften betroffen. Gerade Inseln sind laut der Studie für den Verlust von Arten und Sprachen besonders anfällig, weil die Folgen der Kolonialisierung dort in der Regel auf kleinere – und deswegen anfälligere – Artenpopulationen und Sprachgemeinschaften getroffen sind.

Die Ergebnisse zeigen auch in Bezug auf die aktuell zunehmende Globalisierung, wie wichtig es ist, die Konsequenzen menschlichen Handelns über längere Zeiträume zu verstehen, so die Forschenden. «Die Auswirkungen des kolonialen Erbes prägen nach wie vor sowohl Natur- als auch Kulturlandschaften und beeinflussen die Diversitätsmuster, die wir heute beobachten», sagte Lenzner.

«Diese Erkenntnisse sind im Kontext der fortschreitenden Globalisierung von grosser Relevanz, wo ähnliche – oder sogar noch intensivere – grossräumige Eingriffe in Kultur- und Umweltsysteme langfristige Folgen haben können, die noch nicht vollständig absehbar sind», ergänzte Seniorautor und Sprachwissenschafter Hannes Fellner.

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