IAEA-Chef will an die UN-Spitze - ohne erhobenen Zeigefinger
Mit nüchterner Diplomatie statt mit erhobenem Zeigefinger will der oberste UN-Atomwächter, Rafael Grossi, zum UN-Generalsekretär aufsteigen. «Meiner Meinung nach ist der Generalsekretär kein Laien-Papst oder Richter. Der Generalsekretär ist da, um Probleme zu lösen», sagte Grossi in einem Pressegespräch in Wien zu seiner Kandidatur für das höchste Amt der Vereinten Nationen.

Der 65-jährige Argentinier ist einer der bekanntesten Persönlichkeiten unter den Bewerberinnen und Bewerbern. Der aktuelle Generalsekretär António Guterres ist dafür bekannt, mutmassliche Verstösse gegen internationale Regeln offen anzusprechen. Damit eckt er unter anderem immer wieder bei Israel an.
Als Spitzenvertreter der Vereinten Nationen müsse man mit Spitzenpolitikern im Gespräch bleiben, betonte Grossi gegenüber internationalen Medienvertretern. Wenn man jemanden als Verbrecher bezeichne, reisse der Dialog ab, ohne dass irgendein Problem gelöst sei. «Ich stelle mir eher einen Generalsekretär vor, der anpackt, als jemanden, der den Zeigefinger erhebt oder mit dem Finger zeigt», sagte er.
Grossi nannte seine Vermittlerrolle zwischen Russland und der Ukraine als Beispiel für seine Herangehensweise. Als IAEA-Chef hat er mehrfach begrenzte Waffenruhen im Frontgebiet um das Atomkraftwerk Saporischschja ausgehandelt, damit dort Reparaturen zur Vermeidung eines Atomunfalls durchgeführt werden können. Dabei hat es Grossi vermieden, Russland als Besatzer des ukrainischen AKW zu verurteilen.
Insgesamt bewerben sich fünf Kandidatinnen und Kandidaten für das Amt des Generalsekretärs. Neben Grossi sind dies die frühere chilenische Präsidentin und UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet; die ehemalige ecuadorianische Aussenministerin María Fernanda Espinosa; die frühere Vizepräsidentin von Costa Rica, Rebeca Grynspan sowie der senegalesische Ex-Präsident Macky Sall. Wer Guterres nachfolgt, soll bis zum Herbst feststehen.










