Kurkuma-Forschung – Warum die Evidenz bröckelt
Die Kurkuma-Forschung zeigt ein widersprüchliches Bild: Fragwürdige Studien treffen auf geringe Bioverfügbarkeit und mögliche Risiken.

Kurkuma ist längst mehr als ein Gewürz und wird als natürlicher Entzündungshemmer beworben. Besonders Curcumin steht dabei im Mittelpunkt zahlreicher Gesundheitsversprechen rund um Gelenke, Entzündungen und schwere Erkrankungen.
Die «ARD alpha» beschreibt die lange Tradition der Pflanze als Gewürz und Heilpflanze. Goldene Milch hat Kurkuma auch hierzulande populär gemacht.
Kurkuma-Shots und konzentrierte Kapseln machten Curcumin zudem zu einem beliebten Nahrungsergänzungsmittel. Die wissenschaftliche Grundlage für manche Versprechen ist allerdings deutlich weniger eindeutig, wie die «Frankfurter Rundschau» berichtet.
Zweifel an frühen Studien
Eine wichtige Rolle beim Curcumin-Boom spielte der Biochemiker Bharat Aggarwal vom MD Anderson Cancer Center. Seine Forschungsgruppe veröffentlichte zahlreiche Arbeiten, die Curcumin unter anderem entzündungs- und krebshemmende Eigenschaften zuschrieben.
Inzwischen wurden mindestens 30 wissenschaftliche Arbeiten Aggarwals zurückgezogen. Die «ad-hoc-news» schreibt von Untersuchungen, nach denen frühe Studien teilweise manipulierte oder problematische Daten enthalten haben sollen.
Das stellt nicht automatisch die gesamte Curcumin-Forschung infrage. Es erschwert jedoch die Bewertung früher Ergebnisse, die den wissenschaftlichen und öffentlichen Hype mitgeprägt haben.
Curcumin erreicht den Körper nur begrenzt
Ein weiteres Problem ist die geringe Bioverfügbarkeit von Curcumin. Der menschliche Körper nimmt den Stoff nach oraler Einnahme nur in begrenztem Umfang auf.
Eine Studie des Amsterdam UMC mit 47 Personen zeigte demnach niedrige Curcumin-Konzentrationen im Blut. Auch eine Untersuchung aus dem Jahr 2025 mit neun Männern fand bei hochdosierten Präparaten keine erwarteten klinisch relevanten Konzentrationen.
Bei Arthrose gibt es Hinweise auf eine mögliche Schmerzlinderung durch Curcumin. Die «Frankfurter Rundschau» verweist allerdings auf kleine Teilnehmerzahlen und eine dadurch eingeschränkte Aussagekraft der bisherigen Untersuchungen.
Keine Belege bei Krebs und Alzheimer – Risiken im Fokus
Für Krebs oder Alzheimer fehlt dagegen ein wissenschaftlicher Nachweis für einen therapeutischen Nutzen. Ergebnisse aus Zellkulturen und Tierversuchen sind nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragbar.
Auch mögliche Nebenwirkungen beschäftigen die Forschung. Die «ARD alpha» berichtet über zehn Fälle möglicher Curcumin-bedingter Leberschäden, darunter schwere Verläufe mit Spitalbehandlungen und einen Todesfall.

Eine Marktanalyse der Medizinischen Hochschule Hannover untersuchte 125 Kurkuma-Präparate. Laut der «ad-hoc-news» enthielten 76 Prozent der Produkte Piperin, das die Aufnahme von Curcumin verbessern soll.
Hohe Curcumin-Dosierungen sorgen für Kritik
Laut der Analyse enthielten 44 Prozent der untersuchten Präparate mehr als 210 Milligramm Curcumin pro Tag. Damit lagen zahlreiche Produkte im untersuchten Markt in einem höheren Dosierungsbereich.
Die «Frankfurter Rundschau» verweist auf eine akzeptable tägliche Aufnahme von drei Milligramm je Kilogramm Körpergewicht. Dieser Wert dient als Orientierung für die tägliche Aufnahme und ist nicht mit einer therapeutischen Dosierung gleichzusetzen.
Kurkuma als Gewürz ist zudem von hochkonzentrierten Nahrungsergänzungsmitteln zu unterscheiden. Für medizinische Versprechen gegen schwere Erkrankungen reichen die bisherigen Erkenntnisse der «ARD alpha» zufolge nicht aus.












