Fachleute des IPBES und IPCC diskutierten über Massnahmen, die dem Klima- sowie dem Artenschutz zugutekommen. Klar ist: Ein Wandel ist nötig.
Intergovernmental Platform on Biodiversity and Ecosystem Services
Eine Biene in einer Wiesenblume. - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Artenschutz soll zusammen mit dem Klimaschutz geschehen können.
  • Es brauche einen tiefgreifenden Wandel in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.
  • Das sagt ein am Donnerstag veröffentlichter Bericht von Experten des IPBES und des IPCC.

Die schlechten Nachrichten reissen nicht ab: Die menschengemachte Klimaerwärmung sorgt für Hitzewellen in den Ozeanen und an Land, Überschwemmungen, Dürren und schmelzende Gletscher. Die Auswirkungen sind bereits heute zu spüren. Zugleich werden Lebensräume zerstört, Korallen bleichen, Insekten geht die Nahrung aus und zahlreiche Pflanzen- und Tierarten verschwinden.

Die zwei wohl drängendsten Probleme des Anthropozäns, des Menschen-Zeitalters, werden oft noch gesondert betrachtet: Der Weltklimarat (IPCC) bildet die wichtigste Grundlage dafür, wie man den Klimawandel mildern und anpassen kann. Der Weltbiodiversitätsrat Intergovernmental Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES) leistet wissenschaftliche Politikberatung zur biologischen Vielfalt und Ökosystemleistungen.

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Der anthropogene Klimawandel lässt die Erdtemperaturen steigen und führt zu mehr Hitzetoten. - keystone

Fachleute des IPCC und IPBES diskutierten deshalb erstmals gemeinsam über Massnahmen, die sowohl dem Klima als auch dem Artenschutz zugutekommen. Es braucht demnach einen tiefgreifenden Wandel in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft, weiter wie bisher ist keine Option.

Noch nicht zu spät?

Die gute Nachricht: «Der Trend lässt sich noch umkehren», sagte der Pflanzenökologe und Biodiversitätsforscher Markus Fischer von der Universität Bern. Er war Mitglied des 12-köpfigen wissenschaftlichen Gremiums, unter dessen Lenkung der Bericht erstellt wurde.

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Der anthropogene Klimawandel entnimmt Grönland das Eis. - keystone

Das wichtigste sei, die Kosten umweltschädlichen Verhaltens einzurechnen. Umweltschädliche Subventionen gehörten abgeschafft, es benötige Anreize, damit die Produktion von Lebensmittel und Gütern biodiversitätsfreundlich und klimaschonend erfolge. Die Autoren verlangen zudem, dass 30 bis 50 Prozent der Meeres- und Landflächen weltweit unter Naturschutz gestellt werden.

Moore und Grünflächen wiederherstellen

Als Beispiel für schlechte Einflüsse von Klimaschutz auf die Artenvielfalt nennt Fischer den Anbau von Energiepflanzen. Biotreibstoffe helfen zwar, von den Fossilen wegzukommen, können aber unter Umständen einen riesigen Biodiversitätsverlust verursachen. Auch die Aufforstung von Wäldern mit Monokulturen schadet der Artenvielfalt.

Zudem kann der Abbau von Rohstoffen für die Elektromobilität schädliche Folgen für die Umwelt haben. Zu den vom Klima- und Artenschutz geforderten Massnahmen gehört etwa die Wiederherstellung von Mooren. Auch die Schaffung von Grünflächen in Städten ist Teil davon.

«Wandel möglichst gerecht herbeiführen»

Die grösste Wissenslücke sieht Fischer auf der sozialwissenschaftlichen Ebene. «Wir müssen Lösungen ausarbeiten, um den Wandel möglichst gerecht herbeizuführen», sagte er. Einzelne Staaten, gesellschaftliche Gruppen und Branchen, die schon heute besonders leiden, sollen nicht zu den Verlierern gehören. Dafür müssten Länder miteinander und nicht gegeneinander arbeiten.

Und es brauche einen Wertewandel in der Gesellschaft. «Wir müssen wieder lernen, im Einklang mit der Natur zu leben», so der Berner Forscher.

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