KI-Programm übersetzt erstmals alle rätoromanischen Sprachvarianten
Ein neues KI-Programm der Universität Bern kann die fünf Sprachvarianten des Rätoromanischen übersetzen. Bis anhin war dies nur bei Rumantsch Grischun möglich.

Das Wichtigste in Kürze
- Für KI-Programme ist Rätoromanisch mit seinen fünf Sprachvarianten anspruchsvoll.
- Eine neue KI der Universität Zürich kann nun alle Varianten übersetzen.
- Nur von Menschen angefertigte Übersetzungen sind noch genauer.
Rätoromanisch gilt für die Künstliche Intelligenz als besonders anspruchsvoll.
Nun haben Forschende der Universität Zürich ein Übersetzungsmodell entwickelt. Dieses kann Texte vom Deutschen in die verschiedenen Sprachvarianten des Rätoromanischen übersetzen.
Das «Alas» genannte Modell sei das erste, das die rätoromanischen Sprachvarianten unterstütze, teilte die Universität Zürich (UZH) am Dienstag mit.
Bisherige KI-Systeme hatten Mühe mit Varianten
Rätoromanisch hat fünf regionale Sprachvarianten: Sursilvan, Sutsilvan, Surmiran, Puter und Vallader.
Zusätzlich gibt es mit Rumantsch Grischun eine überregionale Schriftsprache. Offizielle Texte liegen häufig in Rumantsch Grischun vor.
Im Alltag und in der Schule werden hingegen meist die lokalen Sprachvarianten verwendet. Für KI-Systeme ist diese Vielfalt eine besondere Herausforderung.
KI-Programme wie ChatGPT beherrschen die Schriftsprache Rumantsch Grischun bereits zu einem gewissen Grad. Allerdings hatten sie bei den regionalen Varianten bisher grosse Mühe.
Neue KI produziert «deutlich bessere Übersetzungen»
Auf Initiative des Dachverbands der rätoromanischen Sprachvereine, entwickelte die Universität Zürich nun ein KI-Modell, das mit diesen Varianten umgehen kann. «Alas» wurde dafür gezielt auf die rätoromanischen Sprachvarianten trainiert.

Zu den Trainingsdaten gehörten unter anderem Beiträge des rätoromanischen Radios und Fernsehens RTR. Aber auch Zeitungsartikel, literarische Texte, Schulbücher sowie Dokumente von Gemeinden und dem Kanton Graubünden.
In einem Blindvergleich mit Muttersprachlerinnen und Muttersprachlern wurden die Ergebnisse überprüft. «Der Blindvergleich hat uns bestätigt, dass ‹Alas› deutlich bessere Übersetzungen produziert als bestehende KI-Assistenten.»
100'000 Menschen sprechen Rätoromanisch
Die Übersetzungen seien inhaltlich genauer. Nur von Menschen angefertigte Übersetzungen schnitten noch besser ab, erklärt die Universität Zürich.
Das Übersetzungsprogramm «Alas» steht der Öffentlichkeit gratis auf einer Webseite zur Verfügung. Das zugrundeliegende KI-Modell ist zudem als Open-Source-Software zugänglich.
Fachleute können es damit prüfen und weiterentwickeln. Rätoromanisch wird von rund 100'000 Menschen in verschiedenen Varianten gesprochen.








