Der letzte Flügel beim James-Webb-Weltraumteleskop wurde erfolgreich ausgeklappt. Das Teleskop soll die Frühzeit des Universums erforschen.
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Sieht fast wie bei Star Wars aus – Das James-Webb-Weltraumteleskop mit ausgefahrenem Sonnenschutz und Spiegel. - Nasa's James Webb Space Telescope/flickr

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine wichtige Etappe in der Mission zur Erkundung der Frühzeit des Alls ist vollendet.
  • Das Weltraumteleskop James Webb hat seinen letzten Flügel ausgeklappt.

Vier Tage nach dem riesigen Sonnenschild gelang es der US-Raumfahrtbehörde Nasa am Samstag, den letzten Flügel des Hauptspiegels auszuklappen. So konnte der komplizierte Entfaltungsprozess erfolgreich abgeschlossen werden.

Der Leiter der wissenschaftlichen Missionen der Nasa, Thomas Zurbuchen, sprach von einem «fantastischen Meilenstein». Das James-Webb-Weltraumteleskop, der Nachfolger des legendären Hubble-Teleskops ist damit weitgehend bereit für seine ungewöhnliche Forschungsmission.

Das James-Webb-Teleskop soll die Frühzeit des Universums vor 13 Milliarden Jahren erforschen. Dieser Zeitpunkt liegt nur wenige hundert Millionen Jahre nach dem Urknall. Astronomen versprechen sich Rückschlüsse auf die Bildung der ersten Sterne und Galaxien.

James-Webb-Weltraumteleskop übertrifft Vorgänger

Das bislang leistungsstärkste Teleskop übertrifft seinen Vorgänger Hubble an Grösse und Komplexität bei Weitem. Es blickt weiter in den Weltraum als Hubble und damit auch weiter zurück in die Vergangenheit. Dabei konzentriert sich Webb auf die Infrarot-Strahlung.

Das James-Webb-Weltraumteleskop könne noch aus der Distanz des Mondes die «Wärmespur einer Hummel» erkennen. So beschrieb Projekt-Mitbegründer John Mather einmal die beispiellose Empfindlichkeit der Sonde. So könne man das schwache Glühen erkennen, das die allerersten Galaxien und Sterne vor Milliarden von Jahren ausstrahlten.

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Künstlerische Darstellung des «James-Webb»-Weltraumteleskops beim Start in der Ariane-5-Rakete. - dpa

Eine Ariane-5-Rakete hatte das Webb-Teleskop am ersten Weihnachtstag vom Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guayana aus ins All gebracht. Weil es zu gross für die Rakete war, hatte es vor dem Start zusammengefaltet werden müssen. Das Entfalten im Weltraum war dann ein komplexer und riskanter Vorgang, der den Nasa-Verantwortlichen im Vorfeld viele Sorgen bereitet hatte.

Zurbuchen zeigte sich am Samstag entsprechend «überwältigt» und «erleichtert». «Wir haben ein voll funktionierendes Teleskop in der Umlaufbahn», sagte er. Auch die letzte Spiegelplatte konnte noch erfolgreich verankert werden.

Betrieb soll im Juni aufgenommen werden

Das James-Webb-Weltraumteleskop soll in rund zwei Wochen seine endgültige Umlaufbahn erreichen. Diese liegt in mehr als anderthalb Millionen Kilometer Entfernung von der Erde, beim sogenannten zweiten Lagrange-Punkt (L2). Voraussichtlich im Juni wird es dann offiziell in Betrieb genommen. Bis dahin muss es sich laut Nasa «auf eine stabile Betriebstemperatur einstellen, die Spiegel ausrichten und die wissenschaftlichen Instrumente kalibrieren.»

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Der Entstehungsweg des James-Webb-Weltraumteleskop war lang und steinig. Foto: Uncredited/NASA/AP/dpa - dpa-infocom GmbH

Die Entfaltung der Sonde «war wahrscheinlich der risikoreichste Teil der Mission», sagte Nasa-Projektleiter Bill Ochs. «Das bedeutet aber nicht, dass alle Risiken ausgeräumt sind.»

Das Teleskop wurde nach einem ehemaligen Direktor der US-Raumfahrtbehörde benannte. Es wurde gemeinsam von der Nasa, der europäischen Weltraumorganisation ESA und der kanadischen Weltraumagentur CSA entwickelt. Auch das Max-Planck-Institut für Astronomie, die Universität Köln sowie mehrere deutsche Unternehmen beteiligten sich.

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