Hochwassergefahr in den Alpen nimmt laut Studie künftig zu
Der Klimawandel erhöht die Gefahr extremer Hochwasser im Alpenraum. Das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung hat neue Prognosen.

Das Wichtigste in Kürze
- Extreme Hochwasser werden in den Alpen laut einer Studie zunehmend gefährlicher.
- Das 100-jährliche Hochwasser könnte zudem alle 45 bis 80 Jahre passieren.
- Grund für die Zunahme sind klimawandelbedingte, intensivere Starkniederschläge.
Die Gefahr von extremen Hochwassern im Alpenraum wird laut einer neuen Studie künftig zunehmen. Zu diesem Schluss kommt das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF auf Basis von neuen Simulationen mit stündlichen Messdaten.
Das 100-jährliche Hochwasser (HQ100) werde in den Alpen fünf bis fünfzehn Prozent intensiver, so das WSL-Institut am Donnerstag. Ein solches Ereignis könne künftig zudem häufiger auftreten, nämlich alle 45 bis 80 Jahre.
Intensität nimmt zu
Moderate Hochwasser, wie etwa das zweijährliche, zeigten in den Bergen nach wie vor einen Rückgang. «Extreme Ereignisse verändern sich stärker als moderate Hochwasser», wird der Studienautor Paul Astagneau in der Mitteilung zitiert.
Als Grund für die Zunahme der Extremereignisse nannten die Forschenden die klimawandelbedingten, intensiveren Starkniederschläge. Diese überkompensierten die abnehmende Schneeschmelze. Pro Grad Erwärmung nehme die Intensität stündlicher Starkregen um rund sieben Prozent zu.

Bisherige Prognosen gingen von stabilen oder abnehmenden Hochwassern aus. Sie basierten jedoch auf täglichen Daten, welche kurze, heftige Niederschläge nicht ausreichend abbildeten. Für die neue Studie simulierte ein Hydrologe die Ereignisse mit stündlichen Daten von 384 Flüssen im Alpenraum in der Schweiz und Österreich.
In der Schweiz ist das HQ100 der zentrale Massstab für den Hochwasserschutz und die Raumplanung. Auf Basis von historischen Daten, Geländemodellen und Niederschlagsmengen erstellen die Kantone mit dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) sogenannte Gefahrenkarten.
Korrektur nach oben
Der Begriff «Jahrhunderthochwasser» verliert durch den Klimawandel aktuell an Verlässlichkeit. Wenn die Atmosphäre wärmer wird, kann sie mehr Feuchtigkeit aufnehmen, was zu extremerem Starkregen führt.
Ein Wasserstand, der vor 50 Jahren statistisch noch als «100-jährlich» galt, tritt heute an vielen Gewässern deutlich häufiger auf. Deshalb müssen Behörden diese Statistiken und Gefahrenkarten regelmässig nach oben korrigieren.












