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Grosse Gewinne oder geschönte Zahlen? Neue Studie zum AKW-Bau

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Bern,

Einer Studie zufolge würde ein neues Atomkraftwerk der Schweizer Wirtschaft jährlich 1,6 Milliarden Franken einbringen und rund 3000 Arbeitsplätze schaffen. Die Analyse zeigt jedoch auch: Ohne staatliche Starthilfe geht es nicht.

AKW Leibstadt
Einer Studie zufolge würde ein neues Atomkraftwerk der Schweizer Wirtschaft jährlich 1,6 Milliarden Franken einbringen und rund 3000 Arbeitsplätze schaffen. - keystone

Ein solches Kraftwerk soll die drohende Winterstromlücke verkleinern, wie eine am Sonntag veröffentlichte Analyse des Wirtschaftsforschungsinstituts Bak Economics im Auftrag von Economiesuisse zeigt. Das Szenario basiert auf einem neuen Kernkraftwerks des Typs EPR. Die Inbetriebnahme würde im Jahr 2050 erfolgen.

Während der Bauphase vermöge eine inländische Wertschöpfung von 7,4 Milliarden Franken rund 51 Prozent der gesamten Baukosten zu decken. Ab der Inbetriebnahme 2050 kämen dann jährlich 1,2 Milliarden Franken hinzu. Pro Jahr entstünden 240 Millionen Franken durch tiefere Stromkosten für Haushalte und Unternehmen. Die direkten Steuern für Bund, Kantone und Gemeinden beliefen sich auf 95 Millionen Franken.

Weitere Nutzen lägen in einer stabileren Stromversorgung sowie Klima- und Umweltnutzen von rund 1,2 Milliarden Franken jährlich. Die Studie wies aber auch auf bestehende Kosten- und Verzögerungsrisiken hin, wie sie bei ähnlichen Projekten in Europa aufgetreten seien. Ausserdem wäre das Projekt der Studie zufolge auf staatliche Förderung angewiesen.

Zu diesem Schluss kommen in ihrer Analyse von Ende Juni auch die ETH Zürich und das Paul Scherrer Institut (PSI): Unter den heutigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien neue Atomkraftwerke nicht wettbewerbsfähig – es sei denn, der Staat würde einen Teil der Kosten und Risiken mittragen.

Eine zentrale Rolle spielen dabei die Baukosten. Wirtschaftlich wäre ein Neubau laut den Modellrechnungen nur, wenn die Baukosten höchstens 8000 Franken pro Kilowatt installierter Leistung betrügen. Jüngste Projekte in Europa und den USA lagen jedoch bei rund 12'000 Franken pro Kilowatt.

Das Bündnis «Nein zu neuen AKW» kritisierte am Sonntag, dass in der Studie Milliardenkosten verschwiegen würden. Woher das Geld kommen solle, bleibe dabei unklar. Dem Bündnis zufolge müssten die Subventionen auf die Stromkonsumenten umgelegt werden, was zu höheren statt tieferen Preisen führe. Zudem basiere die Studie auf zu optimistischen Annahmen, etwa bei der Auslastung.

Auch die Risiken eines Störfalls und die gedeckelte Haftung der Betreiber, eine Form versteckter Subventionen, würden ausgeklammert. Laut Stefan Müller-Altermatt beruht die Studie auf geschönten Annahmen. «Wer so rechnet, liefert keine seriöse Untersuchung», hiess es seitens des Mitte-Nationalrats.

In Zusammenarbeit mit der ETH und dem PSI erschien im März auch der «Axpo Energy Report», der zu einem ähnlichen Schluss kam. Der Staat müsste «politische, regulatorische und finanzielle Risiken» vollständig übernehmen, sagt auch der Energiekonzern Axpo. Wichtig sei, dass – wie heute im Gesetz vorgesehen – die bestehenden Kernkraftwerke möglichst lange betrieben werden können.

Seitens der Schweizer Energieunternehmen wurde die geplante Aufhebung des Bauverbots für Atomkraftwerke zwar begrüsst – sowohl für die Axpo als auch für andere Energiekonzerne wie die BKW und Alpiq stellt sich die Frage eines Neubaus momentan aber nicht.

In der Schweiz ist der Bau eines neuen Atomkraftwerks derzeit verboten, soll laut Bundesrat und Parlament aber wieder möglich werden. Ende Juni wurde von einem breiten Bündnis von Gegnern das Referendum gegen den Entscheid lanciert.

Die SP, die Grünen, die GLP sowie Vertreterinnen und Vertreter der Mitte-Partei, der Schweizerischen Energie-Stiftung und von Greenpeace Schweiz bekämpfen den von SVP, FDP und mehreren Mitte-Mitgliedern verabschiedeten Gegenvorschlag zur Volksinitiative «Jederzeit Strom für alle (Blackout stoppen)».

Der Solothurner Mitte-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt sieht im AKW-Neubau ein Risiko in jeder Hinsicht: «Ein Risiko für den eingeschlagenen Weg der Energiestrategie. Ein gewaltiges finanzielles Risiko für den Staat und ein effektives Risiko in Bezug auf die Verwundbarkeit unseres Landes.»

Laut der Luzerner Mitte-Nationalrätin Priska Wismer-Felder rechneten Expertinnen und Experten mit mindestens 25 Milliarden Franken für ein Atomkraftwerk. Dieses Geld fehlt Grünen-Präsidentin Lisa Mazzone zufolge dann beim Ausbau der Erneuerbaren.

Doch nicht nur bei der Finanzierung, auch bei der Entsorgung des Atommülls scheint noch keine Lösung gefunden. Die letzte Standortsuche habe über zwanzig Jahre gedauert und sei bis heute nicht abgeschlossen, so Mazzone.

Vor fast 10 Jahren stimmte die Bevölkerung gegen einen Neubau, indem sie das revidierte Energiegesetz 2017 mit 58 Prozent der Stimmen annahm. Im Februar 2027 wird die Stimmbevölkerung voraussichtlich darüber entscheiden, ob das Verbot abgeschafft wird.

Kommentare

User #4933 (nicht angemeldet)

Trotz des starken Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstums sowie der zunehmenden Elektrifizierung von Verkehr und Wärme blieb der Gesamtverbrauch in der Dekade dank besserer Energieeffizienz relativ flach. Von 2016 – 2020 bewegte sich der Stromverbrauch konstant zwischen rund 56 und 57 TWh. Von 2022 – 2023 sank der Verbrauch witterungs- und sparbedingt um 1,9 % bzw. 1,7 % auf etwa 56 TWh. 2024 lag der Endverbrauch lag bei rund 57,5 TWh. 2025 stieg der Stromverbrauch laut der definitiven Elektrizitätsbilanz des Bundesrates leicht um ca. 0,8 % auf 58,0 TWh an.

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