Gift hilft gefährlichen Bakterien bei der Abwehr von Immunzellen
Forschende der Universität Freiburg haben einen Mechanismus entdeckt, mit dem gefährliche Bakterien die menschliche Immunabwehr schwächen. Sie nutzen das Gift Cyanwasserstoff als Schutzschild. Diese Entdeckung könnte neue Therapieansätze gegen resistente Keime ermöglichen.

Das Bakterium Pseudomonas aeruginosa nutze Cyanwasserstoff, um die angeborene Immunantwort zu schwächen, teilte die Universität Freiburg am Donnerstag mit. Die Ergebnisse der Studie wurden im «Journal of Infectious Diseases» veröffentlicht.
Pseudomonas aeruginosa ist ein häufiger Erreger von Spitalinfektionen, insbesondere bei immungeschwächten Patientinnen und Patienten. Das Bakterium ist bekannt für die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen. Zukünftige Therapien könnten daher bestehende Antibiotika ergänzen, indem sie die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers stärken.
Ein Forschungsteam unter der Leitung von Csaba Szabó und Patrice Nordmann zeigte, dass das von Pseudomonas aeruginosa produzierte Gift den Bakterien half, Angriffe von Immunzellen zu überleben. Als die Forschenden die Cyanidproduktion genetisch ausschalteten, wurden die Bakterien deutlich anfälliger für die Zerstörung durch Fresszellen, sogenannte Makrophagen.
In weiteren Versuchen verstärkten Verbindungen, die Cyanid neutralisieren, die Fähigkeit der Immunzellen zur Beseitigung der Bakterien. Dazu gehörten auch Derivate von Vitamin B12. In Tiermodellen führte dies zu einer deutlich geringeren Bakterienlast im infizierten Gewebe.
«Blausäure ist nicht nur ein toxisches Nebenprodukt des bakteriellen Stoffwechsels, sondern ein echter Virulenzfaktor, der Bakterien hilft, Immunangriffen zu widerstehen», liess sich Szabó in der Mitteilung zitieren. Die gezielte Hemmung oder Neutralisierung von Cyanid könne eine völlig neue Strategie sein, um das Immunsystem zu unterstützen.
Künftige Therapien, die auf der Bindung von Cyanid basieren, könnten die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers stärken und die Beseitigung der Bakterien verbessern, schreiben die Forschenden. Sie könnten bestehende Antibiotika ergänzen und zur Bekämpfung von Infektionen beitragen, die zunehmend schwer zu behandeln seien.














