Kinder, die zu früh geboren wurden, haben als Heranwachsende Probleme, ihr Verhalten optimal an Situationen anzupassen.
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Ein Neugeborenes auf der Frühchenstation. (Symbolbild) - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Genfer Studie hat neue Erkenntnisse zu Frühchen ausgearbeitet.
  • Zu früh geborene Kinder haben mehr Probleme, sich in der Jugend optimal anzupassen.
  • Eine getestete Meditationspraxis half den Jugendlichen, sich besser zu konzentrieren.

Eine Genfer Studie hat nun gezeigt, dass Achtsamkeitsübungen diesen Jugendlichen helfen - und anderen auch. Mehrere Studien haben bereits gezeigt, dass sehr früh geborene Kinder als Jugendliche ein höheres Risiko haben, kognitive und sozio-emotionale Probleme zu entwickeln, die bis ins Erwachsenenalter andauern können.

Achtsamkeits-Übung hilft Früchchen

Um ihnen bei der Bewältigung dieser Schwierigkeiten zu helfen, haben Forscher des Unispitals Genf und der Universität Genf eine Intervention auf der Grundlage von Achtsamkeit entwickelt. Achtsamkeit besteht darin, sich auf den gegenwärtigen Moment zu konzentrieren, auf körperliche Empfindungen, auf die Atmung, auf das Gewicht des eigenen Körpers und auf die eigenen Gefühle und Gedanken, ohne diese zu bewerten.

Eine hohe motorische Geschicklichkeit, beispielsweise gute Ballfertigkeit, hilft frühgeborenen Kindern später im Teenageralter ihre Impulskontrolle gleich gut zu kontrollieren wie termingerecht geborene Kinder. (Themenbild)
Eine hohe motorische Geschicklichkeit, beispielsweise gute Ballfertigkeit, hilft frühgeborenen Kindern später im Teenageralter ihre Impulskontrolle gleich gut zu kontrollieren wie termingerecht geborene Kinder. (Themenbild) - sda - KEYSTONE/EPA/MARCOS DELGADO

Die achtsamkeitsbasierten Interventionen fanden in einer Gruppe unter Anleitung statt, acht Wochen lang, zwei Mal wöchentlich, je eineinhalb Stunden. Dazu kam die Aufforderung, individuell zu Hause zu üben, Eltern wurden als Beobachter hinzugezogen. In die Studie aufgenommen wurden Heranwachsende zwischen 10 und 14 Jahren, die vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren worden waren. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift «Scientific Reports» veröffentlicht.

Die Wissenschaftler fanden schnell heraus, dass Achtsamkeit die Regulierung der kognitiven, sozialen und emotionalen Funktionen verbessert, also die Fähigkeit unseres Gehirns, mit unserer Umwelt zu interagieren. Dank dieser Übung verbesserten die Jugendlichen ihre exekutiven Funktionen, das heisst die mentalen Prozesse, die es uns ermöglichen, unser Verhalten zu kontrollieren, um ein Ziel zu erreichen.

Dadurch fiel es den Jugendlichen leichter, sich zu konzentrieren, ihr Verhalten und ihre Emotionen im Alltag zu steuern und zu regulieren. «Die Meditationspraxis kann zwar ein nützliches Hilfsmittel sein, muss aber von gut ausgebildeten Lehrern begleitet werden», geben die Forscher freilich zu bedenken.

Studie geht weiter

«Durch ihre Teilnahme an dieser Studie haben unsere Freiwilligen dazu beigetragen zu zeigen, dass Achtsamkeit vielen jungen Menschen helfen kann, sich besser zu fühlen, sich neu zu orientieren und sich der Welt zu stellen, unabhängig davon, ob sie als Frühchen geboren wurden oder nicht», erklären Dr. Hà-Vinh Leuchter vom Unispital und Dr. Vanessa Siffredi von der Uni Genf.

Derzeit untersuchen die Forscher an den mittlerweile 14- bis 18-jährigen Studienteilnehmern die Langzeitfolgen der achtsamkeitsbasierten Intervention auf ihre alltägliche Aufmerksamkeit und ihre Reaktion auf Stress. Und um ihre klinischen Daten mit neurobiologischen Messungen zu untermauern, studieren sie mittels Magnetresonanz (MRI) die Auswirkung der Achtsamkeit auf das Gehirn.

*Fachpublikationslink https://doi.org/10.1038/s41598-021-98608-2

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