Mit ihren Ausscheidungen stossen Kühe viel Treibhausgasemissionen aus. Um dies zu verhindern, sollen die Tiere lernen, an einem bestimmten Ort zu urinieren.
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Eine trainierte Kuh uriniert. - RESEARCH INSTITUTE FOR FARM ANIMAL BIOLOGY/AFP

Das Wichtigste in Kürze

  • Forschende haben Kühen während eines Projekts gelernt, wo sie urinieren sollen.
  • Ziel der Aktion ist die Verringerung von Treibhausgasemissionen.
  • Der klimaschädliche Urin kann so aufgefangen und behandelt werden.

Im Rahmen eines Forschungsprogramms zur Verringerung von Treibhausgasemissionen haben Forschende Kühen beigebracht, in einem dafür vorgesehenen Bereich zu urinieren. Die Möglichkeit, den Urin aufzufangen, könnte die Umweltbelastung durch Rinderhaltung erheblich reduzieren. Das erklärte das Team in einem Artikel des Fachmagazins «Current Biology».

Die Forschenden trainierten demnach 16 Kälber mithilfe von Futterbelohnungen darauf, in einen Latrinenstall zu urinieren. Die Ergebnisse seien vergleichbar mit dem, was von einem dreijährigen Kind zu erwarten sei, erklärten sie.

Ursprünglich als Witz gedacht

Die Idee, Kühe zu trainieren, um ihren Urin aufzufangen, sei ursprünglich durch einen Witz entstanden, sagt der Tierverhaltensforscher Lindsay Matthews. «Die Reaktion der Leute ist natürlich ‹verrückte Wissenschaftler›», aber das mache durchaus Sinn.

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Kühe in einem Stall. - Keystone

Denn die Urinausscheidungen von Kühen sind in zweierlei Hinsicht problematisch: Sie setzen das Treibhausgas Distickstoffmonoxid, allgemein bekannt als Lachgas frei. Und sie enthalten grosse Mengen Nitrat, das sich im Boden und in Gewässern ablagert.

Douglas Elliffe von der Universität Auckland sagt: «Wenn wir zehn oder 20 Prozent der Urinausscheidungen auffangen, könnten wir den Ausstoss von Treibhausgasen und die Nitratauswaschung erheblich reduzieren.» Der aufgefangene Urin soll danach behandelt werden.

Konzept muss nun erweitert werden

Elliffe zufolge zeigen die Forschungsergebnisse, dass das Toilettentraining von Kühen grundsätzlich möglich ist. Die Herausforderung bestehe nun darin, das Konzept zu erweitern, um grosse Herden zu trainieren. Zudem soll es an Umgebungen wie Neuseeland angepasst werden, wo die Tiere meist draussen und nicht im Stall sind.

In Neuseeland verursacht die Landwirtschaft etwa die Hälfte der Treibhausgasemissionen, hauptsächlich in Form von Methan und Lachgas. Seit Jahren wird deshalb intensiv nach möglichen Lösungen geforscht. Andere Projekte sind die Zucht von Nutztieren mit geringem Methanausstoss oder die Verwendung alternativer Futtermittel. Gar Impfungen von Tieren, damit sie weniger schädliche Gase produzieren, sind zudem ein Thema.

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