Ethos bewertet viele Nachhaltigkeitsberichte weiterhin kritisch
Ethos beobachtet bei den Nachhaltigkeitsberichten börsenkotierter Schweizer Unternehmen Fortschritte, sieht aber weiterhin Verbesserungsbedarf.

Wie im Vorjahr hat die Stiftung die Berichte auf Transparenz, Datenqualität, externe Überprüfung sowie Klimaziele geprüft. In der am Dienstag veröffentlichten Studie wurden 137 Schweizer Firmen berücksichtigt, die aufgrund gesetzlicher Vorgaben zur Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichts verpflichtet sind.
Positiv wertet die Stiftung den Anstieg der wissenschaftlich validierten Klimaziele und extern geprüfter Nachhaltigkeitsberichte. «Das Gesetz verlangt keine solche Prüfung», sagte Ethos-Direktor Vincent Kaufmann an einer Medienkonferenz.
Mittlerweile lassen rund die Hälfte der Firmen ihre Berichte von einer externen Stelle absegnen. «Zumindest einige Indikatoren», ergänzt er. Nur 5 Prozent der Unternehmen haben ihren kompletten Nachhaltigkeitsbericht von extern überprüfen lassen.
Auch die Offenlegung von Treibhausgasemissionen – insbesondere bei Finanzinstituten – hat gemäss Ethos zugenommen. Zudem stieg der Anteil der Unternehmen, die über den Bericht an der Generalversammlung verbindlich abstimmen liessen. Er kletterte von 56 auf 67 Prozent.
Dennoch empfahl Ethos nur 40 Prozent der Berichte zur Annahme nach 46 Prozent im Vorjahr. Bei den Konzernen im Swiss Market Index (SMI) blieb das Bild unverändert: Nur 11 von 20 Berichten hat die Stiftung zur Annahme empfohlen. Hauptgründe für Ablehnungen seien mangelnde Transparenz, unzureichende Datenqualität und wenig ambitionierte Ziele.
Ethos sieht Frauenquote in Verwaltungsräten kritisch
So fehlen bei vielen Firmen etwa Angaben zu CO2-Emissionen aus dem Transport. Die Erfassung von Treibhausgasemissionen sei komplex, sagte Kaufmann. Doch auch bei vergleichsweise einfach zu erfassenden Daten sieht Ethos Lücken.
So weist weniger als ein Drittel der Unternehmen die freiwillige Fluktuation aus – die Zahl, wie viele Mitarbeitende ein Unternehmen auf eigenen Wunsch verlassen haben. «Ich sehe keinen Grund, warum Unternehmen solche Daten nicht publizieren.»
Die Zustimmung zu den Berichten an den Generalversammlungen sank im Schnitt auf 95 Prozent nach 97 Prozent im Vorjahr. «Aktionäre sind ein bisschen kritischer geworden», kommentiert der Ethos-Direktor. Die nach wie vor sehr hohe Zustimmung erklärt er sich unter anderem durch fehlende Routine. «Nur in der Schweiz und in Spanien müssen Aktionäre an der Generalversammlung über solche Berichte abstimmen.»
Insgesamt 22 Berichte erhielten weniger als 90 Prozent Zustimmung – deutlich mehr als im Vorjahr. Am schlechtesten schnitt die Versandapotheke DocMorris mit 69 Prozent ab, gefolgt von Kabelverarbeitungsmaschinen-Hersteller Komax und dem Versicherer Swiss Life (beide 83 Prozent).
Kritisch sieht Ethos zudem die Frauenquote in Verwaltungsräten: Nur 52 Prozent der untersuchten Firmen erreichten einen Anteil von mindestens 30 Prozent Frauen. Diese Quote müssen grosse Unternehmen ab kommendem Jahr erfüllen. In 25 der untersuchten Unternehmen sitzt derzeit sogar keine einzige Frau im Verwaltungsrat.














