Zu viel Unterricht fällt aus – Deutscher klagt
Ein Deutscher reicht eine Klage ein, weil 16 Prozent des Unterrichts ausfielen. Mit der Forderung der Neubewertung des Abiturs ist er bereits gescheitert.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein deutscher Abiturient klagt, weil zu viele Unterrichtsstunden ausgefallen sind.
- In einem Jahr fand bloss rund jede zweite Stunde eines Leistungskurses statt.
- Die Aufsichtsbehörde sagt, die verpflichteten 60 Prozent des Unterrichts seien durchgeführt worden.
Die allermeisten Schüler freuen sich, wenn eine Unterrichtsstunde ausfällt und sie deshalb mehr Freizeit haben. Nicht so der Deutsche Elija W. aus Landau in Rheinland-Pfalz, der im Sommer 2025 sein Abitur abschloss. Wegen zu vieler ausgefallener Stunden hat er nun eine Klage eingereicht.
Im Sommer 2022 begannen er und seine Eltern, die ausgefallenen Stunden akribisch zu erfassen, wie der «Spiegel» berichtet. Sie machten Screenshots der Pläne und erstellten eine Excel-Tabelle.
Das Resultat: In drei Jahren fielen 405 der 2478 Stunden aus – rund 16 Prozent.
In einigen Fächern war das Problem noch grösser, vor allem in den drei Leistungskursen, die im Abitur überproportional gewichtet werden. Im zweitletzten Schuljahr fiel in einem der Kurse fast jede zweite Stunde aus. Im letzten Jahr jede dritte.
Laut Elija führt der Ausfall zu sozialer Ungleichheit: Nicht mehr Leistung Fleiss oder Begabung entscheiden über das Abitur. Entscheidend sei, «wer zu Hause Hilfe bekommt, wer Nachhilfe bezahlen kann und wer familiären Rückhalt hat. So wird aus Unterrichtsausfall soziale Auslese».
Chancengleichheit beim Abitur verletzt?
Er selbst sei durchaus privilegiert, gibt der 20-Jährige zu. Er habe von den Eltern die Unterstützung erhalten, die er gebraucht habe. Dennoch hat er wegen seiner Abschlussnoten eine Klage eingereicht. Er sieht die Chancengleichheit beim Abitur verletzt.
Bereits zuvor wollte er mit einer Klage erreichen, dass die Prüfungsergebnisse neu bewertet werden. Das Verwaltungsgericht in Neustadt und das Oberverwaltungsgericht in Koblenz lehnten aber ab. Beim Abitur seien nur die Leistungen in der Prüfung relevant, wurde argumentiert.
Und bereits zuvor reichten Elija und seine Eltern eine Beschwerde bei der Schulaufsichtsbehörde von Rheinland-Pfalz ein. Diese dementierte nicht, dass viele Stunden ausgefallen waren, verweist aber darauf, dass die verpflichtenden 60 Prozent des Unterrichts stattgefunden hätten.
Dennoch kämpft Elija nun vor Gericht weiter. Gegenüber dem «Spiegel» sagt er, es gehe ihm darum, dass der Staat seinen Verpflichtungen für einen ordentlichen Unterricht nachkomme. Um sein eigenes Abitur gehe es nicht. Welche Noten er erhalten hat, ist nicht bekannt.
















