Basel-Stadt: Lehrer fallen aus - Kosten gehen in Millionen
Basler Lehrpersonen melden sich deutlich häufiger krank als noch vor fünf Jahren. Die Stellvertretungskosten sind massiv gestiegen.

Das Wichtigste in Kürze
- Krankheitsbedingte Absenzen an Basler Volksschulen stiegen seit 2020 um 27 Prozent.
- Die Stellvertretungskosten erreichten 2024 mit 7,8 Millionen Franken einen Höchststand.
- Die Ursachen für die zahlreichen Ausfälle sind nicht restlos geklärt
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: An den Volksschulen im Kanton Basel-Stadt sind die krankheitsbedingten Absenzen der Lehrpersonen seit 2020 um 27 Prozent gestiegen.
Und das hat seinen Preis – die Kosten für Stellvertretungen kletterten von 4,8 Millionen Franken im Jahr 2020 auf 7,8 Millionen im Jahr 2024. Das übersteigt das Budget deutlich.
Wie «Schweiz Aktuell» gestern berichtete, sind die Ursachen für die Ausfälle nicht restlos geklärt. Für Jean-Michel Héritier, Primarlehrer und Präsident der Freiwilligen Schulsynode Basel-Stadt, liegt das Problem jedoch auf der Hand. Die Gesellschaft übertrage den Lehrpersonen ständig neue Aufgaben und Pflichten.
«Eine Woche hat nur 28 Lektionen»
«Wir machen den Job gerne und mit viel Feuer, aber es hat halt auch Grenzen irgendwann», sagt er. Bei 28 Lektionen pro Woche sei es schlicht nicht möglich, allen Anforderungen gerecht zu werden.
Zugleich wehrt sich Héritier gegen den Vorwurf, Lehrpersonen würden zu schnell zuhause bleiben. Viele Kolleginnen und Kollegen schleppten sich noch mit hohem Fieber in die Schule – aus Pflichtgefühl gegenüber den Kindern und dem Team.
«Wenn es dann wirklich gar nicht mehr geht und sie gar nicht mehr auf die Beine kommen, erst dann bleiben sie daheim», so Héritier. Seine Diagnose: Wer chronisch überlastet sei, werde irgendwann krank – und das koste.
Lehrpersonenverband sieht strukturelles Problem
Dagmar Rösler, Präsidentin des Schweizer Lehrerinnen- und Lehrerverbandes, sieht in den steigenden Absenzen den Ausdruck einer tieferen Krise. «Das hat schon auch mit der Situation zu tun, wo sich die Volksschule drin befindet.«

Rösler erwähnt den Personalmangel, das Erhöhen der Pensen, den «hohen druck und die hohen Erwartungen». Die Schule stehe unter einer grossen Belastung – die Krankmeldungen seien ein Ausdruck davon.
Der Kanton steht vor einem Rätsel
Marc-Oliver Möller, Leiter Zentrale Dienste, Erziehungsdepartement Basel-Stadt, räumt in dem Beitrag ein, dass die Ursachen noch nicht vollständig geklärt seien.
Das Departement habe im vergangenen Jahr eine Arbeitsgruppe aus Geschäftsleitungsmitgliedern, Finanz- und Datenanalysten sowie Volksschulmitarbeitenden eingesetzt, um die Daten detailliert zu analysieren und den Gründen für den Anstieg auf den Grund zu gehen.
Jetzt soll ausserdem zusätzlich eine Umfrage unter den Lehrpersonen durchgeführt werden, um herauszufinden, warum die Absenzen so stark zugenommen haben.








