Neue Gurtenbahn-CEO Brönnimann: «Erreichen 2026 1 Mio. Passagiere»

Matthias Bärlocher
Matthias Bärlocher

Köniz,

Die neue Gurtenbahn-Chefin über das Gurtenbahn-Erfolgsrezept und den immer gleichen Spruch – der aber nichts mit ihr als Frau in einer Männerwelt zu tun hat.

Priska Brönnimann Gurtenbahn
Die neue Chefin der Gurtenbahn, Priska Brönnimann, spricht über ihre Gurtenerfahrungen und die kommenden Herausforderungen. - Daniel Zaugg

Das Wichtigste in Kürze

  • Die neue Chefin der Gurtenbahn, Priska Brönnimann, zieht eine erste Bilanz.
  • Sie verrät das Gurten-Erfolgsrezept und den einen Spruch, den sie als Inkognito-Passagier jedes Mal hört.
  • Dass die Gurtenbahn 2026 die 1-Millionen-Grenze sprengen wird, darauf legt sie sich jetzt schon fest.

Priska Brönnimann ist seit dem 1. Juli 2026 CEO der Gurtenbahn Bern AG. Davor war sie bereits als Leiterin des operativen Geschäfts für die Gurtenbahn tätig.

Im Gespräch mit dem BärnerBär erzählt sie, wie sie die ersten Wochen als Chefin erlebt hat, inklusive Gurtenfestival und Hitzesommer. Aber auch, wie sie die Gurtenbahn kennengelernt hat und wie es sich heute mit ihr fährt: als Mitarbeiterin oder auch als Inkognito-Passagierin.

Gurtenbahn Talstation Mani-Matter-Platz
Seit 2016 heisst die Fläche vor der Gurtenbahn-Talstation «Mani-Matter-Platz». - keystone

BärnerBär: Wir treffen uns an der Talstation, am Mani-Matter-Platz 1. Was hätte der «Verslischmid» wohl für ein Lied gemacht über die Gurtenbahn? Den Slogan «Hoch fahren, um runterzufahren» hätte er wohl noch inspirierend gefunden.

Priska Brönnimann: Das denke ich auch. Diese Wortspiele halt – wie auch unser Credo «rauf aus der Stadt» – wären wohl eine Steilvorlage gewesen für ihn.

BärnerBär: Wie oft sind Sie schon mit der Bahn gefahren?

Brönnimann: Ich arbeite seit 10 Jahren bei der Gurtenbahn und es kommt schon vor, dass ich täglich mehrere Male rauf und runter fahre. Aber ich bin sicher nicht die, die die meisten Fahrten vorweisen könnte. Wir haben Stammgäste und Mitarbeitende, die die Bahn noch viel öfter nutzen als ich.

Gurtenbahn
Viel Grün und Blick auf die Stadt Bern: Die Gurtenbahn fährt «rauf aus der Stadt». - Gurten Park im Grünen

BärnerBär: Für unsereins ist das ja immer ein sehr spezielles Erlebnis. Es rumpelt, die Aussicht ändert sich mit jedem Meter, man versucht, die eigene Aufregung mit faulen Sprüchen zu überspielen. Ist für Sie die Fahrt schon zur Selbstverständlichkeit geworden?

Brönnimann: Nein, das ist es überhaupt nicht. Je mehr ich in die Führungsverantwortung gekommen bin, desto mehr bin ich auch sensibilisiert worden: auf alle Geräusche, Gegebenheiten, Reparaturen, all die Situationen, die auftreten können.

Was ich mir immer vornehme: nicht am Natel zu sein. Die nicht durchgehend gute Natel-Verbindung unterstützt das bewusste Weglegen des Smartphones (schmunzelt).

Also: Wirklich auch rausschauen, um das zu sehen, was wir auch den Gästen zu vermarkten versuchen. Oder eben, die technischen Dinge: Mit der Zeit hört man dann jeden einzelnen Klick und merkt, ob das richtig klingt oder nicht.

Gehst du gerne auf den Gurten?

BärnerBär: Heisst das, mit einem Ohr bei der Bahn – mit dem anderen aber auch bei den Fahrgästen, wie diese die Fahrt «erfahren»?

Brönnimann: Unbedingt. Es gibt beide Situationen: Entweder bin ich als Mitarbeiterin angeschrieben, oft aber auch nicht. Das sind dann natürlich je nachdem andere Rückmeldungen.

Wenn ich angeschrieben bin, kann es sein, dass ich miteinbezogen werde, dass Fragen kommen. Wenn nicht, dann höre ich gerne zu, was diskutiert wird.

BärnerBär: Und wie oft hören Sie da den Spruch, vor allem, wenn noch Kinder dabei sind: «Passt auf, in der Mitte stossen dann die beiden Bähnli zusammen!»

Brönnimann: Immer! Obschon ich auch schon gemerkt habe, dass die Eltern auch nicht immer ganz durchblicken.

So hatten wir auch schon die Rückmeldung, ob wir denn nicht einen dritten Wagen einsetzen könnten. Oder die Mittelstation etwas verschieben, das wäre doch viel praktischer weiter unten. Aber es ist schon so: Jedes Kind beobachtet genau, wie die Seile laufen.

Gurtenbahn
Nein, in der Mitte der Gurtenbahnstrecke gibt es keinen Zusammenstoss: Dafür gibt es ja die Mittelstation mit Ausweich-Weiche. - Nau.ch

BärnerBär: Sie sind zwar schon fast ein Jahrzehnt bei der Gurtenbahn, seit dem 1. Juli aber auch als CEO. Wovon waren die ersten paar Wochen geprägt?

Brönnimann: Ich bin gleich mit dem Gurtenfestival gestartet, als Härtetest – viel steiler geht der Einstieg wohl nicht (lacht)! Aber ehrlicherweise muss ich sagen: Dadurch, dass ich davor schon die operative Leitung hatte, war der Unterschied nicht riesig.

Die Verantwortung wurde grösser, zum Teil darf ich mit Gremien zusammenarbeiten, die eine Stufe höher angesiedelt sind. Aber sonst habe ich vieles schon gekannt, vieles schon zuvor gemacht und erlebt.

BärnerBär: Gibt es überhaupt noch Neues zu entdecken nach zehn Jahren?

Brönnimann: Es gibt vor allem Neues zu entwickeln! Weiterentwickeln, optimieren – da fliessen dann eben die Gespräche und Beobachtungen aus dem Bähnli mit ein.

Zum Beispiel sehe ich da gerade Passagiere mit Rollkoffern, das könnte man besser mit einem Gepäckdepot lösen. So sind wir immer dran, mit konkreten Projekten das Angebot für alle Gäste zu optimieren.

Gurtenfestival 2026
Gurtenfestival 2026: Einmal oben auf dem Berg, verteilen sich die Menschenmassen auch bei Grossandrang. - Gurtenfestival/Manuel Lopez

BärnerBär: Und das Gurtenfestival? Alles wie immer?

Brönnimann: Tipptopp! Es ist gut gelaufen, aber wie immer mit neuen, anderen Herausforderungen.

BärnerBär: Zum Beispiel?

Brönnimann: Schräge Türen, bei einer neuen Bahn, und drängelnde Leute: Das ist eine Kombination, die schwierig ist. Gerade Türen kennt man, aber schräg und mit Ellbogen und Füssen: Das ist eine Herausforderung.

BärnerBär: Wie war denn das bei Ihnen, erinnern Sie sich noch an das erste Mal mit der Gurtenbahn?

Brönnimann: Ich bin nicht in der Stadt Bern aufgewachsen und erst im relativ «hohen Alter» zum ersten Mal mit der Gurtenbahn gefahren. Meine erste Erinnerung ist auch das Gurtenfestival, das ich mit rund 20 Jahren miterlebt habe.

Damals fand ich noch: Laufen ist imfall eine gute Option. Das hat sich dann schon stark geändert: Mittlerweile laufe ich nicht mehr, zumindest nicht am Festival. Höchstens mal für eine Streckenkontrolle und als sportliche Aktivität.

Gurtenbahn-CEO Priska Brönnimann
Gurtenbahn-CEO Priska Brönnimann im Gespräch mit dem BärnerBär. - Daniel Zaugg

BärnerBär: Sie haben das KV gemacht. Wie wäre das für KV-Stift Priska Brönnimann gewesen, wenn man ihr gesagt hätte: Mit dieser Lehre wirst du mal Chefin der Gurtenbahn?

Brönnimann: Das hatte ich überhaupt nicht auf dem Radar. Erstens das Technische: Ich hätte mir überlegt, dass man für diesen Job eher aus dem technischen Umfeld kommt. Und zweitens auch die Branche, die habe ich ehrlicherweise damals auch nicht in Betracht gezogen.

Aber was ich immer gern gemacht habe, ist: organisieren, planen, administrieren. Aber nicht mit einer Absicht, wohin das mal führen könnte.

BärnerBär: Wir treffen uns an einem regnerischen Vormittag. Der Sommer aber war geprägt von einer Hitzewelle nach der anderen. Hat sich das auf den Bahnbetrieb und die Bedürfnisse der Gäste ausgewirkt?

Brönnimann: Vor allem auf die Anlage. Wir haben bewusst entschieden, dass wir nicht klimatisieren – auch nicht heizen. Wir haben Dachfenster, die wir öffnen können, und eine Lüftung.

Und die Fahrt dauert ja nicht so lange. Es ist also zumutbar. Aber wir haben trotzdem darauf geschaut, dass wir häufiger fahren und dafür weniger Gäste gleichzeitig transportieren. Damit sie etwas Luft haben und der Komfort höher ist.

Bei der Anlage selbst mussten wir permanent überwachen, damit sie nicht überhitzte. Wir haben dann einen Ventilator angeschafft und entsprechende Massnahmen umgesetzt. Die Kombination von 24h-Betrieb während dem Gurtenfestival und dann noch die Hitze: Das hat die Elektronik strapaziert.

BärnerBär: Letztes Jahr hat es knapp nicht gereicht für eine Million Passagiere – diese Grenze wird 2026 aber geknackt?

Brönnimann: Ja.

BärnerBär: Definitive Ansage?

Brönnimann: Ja, definitive Ansage. Mein Gefühl sagt mir, wir erreichen das. Aber ja, es fehlt schon noch etwas. Es wird sehr auf das Wetter ankommen: Mit einem goldenen Herbst ist es etwas einfacher. Aber ich bin überzeugt, dass wir es schaffen können.

Aber das wird Mitte Dezember werden, bis es so weit ist. Und viel mehr als eine Million werden es wahrscheinlich nicht sein.

BärnerBär: Das fällt ja auf, bei der Gurtenbahn: Wenn nicht gerade ein Lockdown oder eine Umbau-Phase ansteht, sind die Passagierzahlen erstaunlich konstant. Woran liegt das?

Brönnimann: Das ist das Ergebnis der guten Zusammenarbeit innerhalb der Destination Gurten (Gurten – Park im Grünen und Highland Gurten). Wir versuchen, eine Grundauslastung mit Seminaren und Veranstaltungen hinzubekommen.

Das gibt Montag bis Freitag ein Grundrauschen mit Leuten, die auch bei schlechtem Wetter auf den Gurten kommen. Andererseits ist da das Gastro-Angebot, mit dem Brunch am Sonntagmorgen – das ist auch sehr beliebt. Daneben versuchen wir, gute Events zu organisieren, gute Partner mitzuziehen.

Oder dann gute Angebote zu schaffen, die zum Beispiel Schulen ansprechen. Sei es Gruppenreservationen für die Rodelbahn oder Maibummel. Diversifikation ist entscheidend: Möglichst viele Standbeine und wenig Klumpenrisiko.

BärnerBär: Overtourism war nie ein Thema, dass etwa ein Angebot so erfolgreich wird, dass andere darunter leiden?

Brönnimann: Nein. Qualität ist sicher ein wichtiger Faktor. Wir haben städtische oder regionale Touristen, die kommen und ziehen nicht den asiatischen Markt an.

Wir können 120 Personen pro Bahn transportieren: Das gibt allenfalls beim Einsteigen etwas ein Nadelöhr, aber ist das überhaupt kein Problem, das verteilt sich. Auch wenn mal 150 Personen gleichzeitig angekündigt sind, werden wir nicht nervös. Das haben wir oben aus der Kommandozentrale im Blick und fahren dann halt etwas öfter.

Gurtenbahn
Die Zentrale, von der aus die Gurtenbahn gesteuert wird, befindet sich in der Bergstation. - Gurtenbahn

BärnerBär: Träume und Wünsche zum noch perfekteren Gurtenbahn-Erlebnis: Gibt es die überhaupt?

Brönnimann: Das gibt es immer – und vielleicht muss auch mal etwas Altes gehen. Was mich im Moment stark beschäftigt, ist die Wintersituation. Wir haben Skis und Schlitten, die wir vermieten, und das möchten wir nicht aufgeben. Gleichzeitig ist ja klar, wohin die Entwicklung beim Winter geht.

Das ist eine der Herausforderungen. Wenn ich mit Frau Holle ins Gespräch kommen könnte, würde ich das sehr gerne machen.

BärnerBär: Frau Holle hätte vielleicht ein offenes Ohr, so von Frau zu Frau! Aber es scheint ja so zu sein, dass Sie als Frau in einer Männerwelt nicht die Ellbogen ausfahren müssen. Das scheint kein Thema zu sein?

Brönnimann: Das ist so. Das ist aber auch etwas, was ich mir gar nicht so bewusst war, dass das ein Thema sein könnte. Auch bezüglich der Akzeptanz bei den Mitarbeitenden oder den Branchenkollegen. Das ist 2026 wirklich kein Thema mehr.

BärnerBär: Aber dass Frauen und Männer anders «ticken», das merkt man auch bei der Gurtenbahn nach wie vor?

Brönnimann: Auf jeden Fall. Es ist bestimmt anders, aber es ist auch akzeptiert, dass es anders ist. Oder dass man andere Wege nimmt.

Ich sage jeweils etwas selbstironisch: Mir fehlt das Militär, denn ich kann nicht so gut funken (lacht). Das ist bei der Gurtenbahn halt wichtig, mit all den Sicherheitsthemen.

Aber das habe ich mir mittlerweile angeeignet und weiss auch, wie das geht. Solchen Dingen kann man ja auch etwas mit Humor begegnen.

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