Zehn Jahre nach Erdbeben: Amatrice gedenkt der Opfer
An jeden getöteten Bewohner von Amatrice erinnerte ein Glockenschlag: In der mittelitalienischen Gemeinde ist in der Nacht an die Erdbebenserie erinnert worden, bei der vor zehn Jahren in der Region insgesamt etwa 300 Menschen ums Leben kamen. Um 3.36 Uhr – dem Zeitpunkt des schlimmsten Bebens – gab es in Amatrice, wo 239 Menschen starben, zunächst eine Schweigeminute. Anschliessend läuteten für jedes Todesopfer dort die Glocken.

Das schwere Hauptbeben in der Nacht zum 24. August 2016 hatte eine Stärke von 6,2. Besonders schwer war Amatrice betroffen. Innerhalb weniger Sekunden wurde der historische Kern des Ortes – etwa zwei Autostunden von der Hauptstadt Rom entfernt – fast vollständig verwüstet.
In der Nachbargemeinde Accumoli kamen etwa zehn Menschen ums Leben, Dutzende weitere verloren in anderen Ortschaften in dem Gebiet in Mittelitalien ihr Leben. Insgesamt starben bei der Erdbebenserie etwa 300 Menschen. Mehrere Hundert wurden zudem verletzt, viele davon schwer. Tausende Menschen in der Gegend verloren ihr Zuhause sowie ihr Hab und Gut.
Nach den ersten Stössen bebte die Erde noch monatelang, bis die Gegend endlich zur Ruhe kam. Die Bilder der Zerstörung gingen damals um die Welt. Besonders ikonisch ist die Aufnahme eines Feuerwehrmanns, der zwischen eingestürzten Häusern einsam dem wolkenverhangenen Himmel entgegenläuft. «Amatrice gibt es nicht mehr», sagte der damalige Bürgermeister Sergio Pirozzi.
Auch ein Jahrzehnt später ist das Stadtbild noch immer geprägt von Baustellen und Ruinen, zahlreiche Menschen im Grenzgebiet der Regionen Latium, Umbrien und den Marken leben weiter in Notunterkünften. Mit dem Wiederaufbau geht es trotz staatlicher Milliardenhilfen nur schleppend voran. Nicht einmal 40 Prozent der beschädigten Gebäude sind nach offiziellen Angaben wiederhergestellt.
Eine Anwohnerin sagte dem Fernsehsender SkyTG24: «In Amatrice gibt es viele Baustellen, und es wird daran gearbeitet, den Ort wiederaufzubauen. Aber es ist noch viel zu tun.» Sie hoffe, dass eines Tages wieder viele Menschen in der Gemeinde leben werden. «Darüber würde ich mich sehr freuen», sagte sie.
Der Sonderbeauftragte der Regierung für den Wiederaufbau, Guido Castelli, will auch am zehnten Jahrestag der Erdbebenserie kein Datum für den Abschluss der Wiederaufbauarbeiten nennen. «Leider wurden in den ersten Jahren Fehler gemacht, für die wir noch immer bezahlen. Aber inzwischen gehen wir mit einem anderen Tempo voran», sagte er der Zeitung «La Repubblica».
Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sagte nach Angaben ihres Büros: «Wir werden die Nacht des 24. August 2016 niemals vergessen.» An diesem Tag des Erinnerns und Gedenkens stehe sie eng an der Seite der Angehörigen der Todesopfer. Beim Wiederaufbau des Ortes habe es Schwierigkeiten gegeben, so Meloni. «Viel wurde erreicht, aber ebenso viel bleibt noch zu tun.»
Meloni besuchte am Nachmittag die Gemeinde mit heute offiziell noch etwa 2.100 Einwohnern. Sie traf sich Medienberichten zufolge mit Opferangehörigen und wollte anschliessend an einer Gedenkzeremonie teilnehmen. Am Denkmal für die Opfer soll zudem ein Kranz niedergelegt werden. Am Abend ist eine Gedenkmesse geplant.














