Schülerin allergisch: 250 Kinder kriegen Nussverbot!

An einer Schule in Wimmis BE haben Nüsse in der Znünibox nichts verloren. Ansonsten steht das Leben eines Mädchens auf dem Spiel.

Wimmis
Seit dem neuen Schuljahr gilt auf dem ganzen Areal des Schulhauses Chrümig ein Nussverbot. - Gemeinde Wimmis

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Gemeinde Wimmis erlässt für eine Schulanlage mit 250 Schülern ein absolutes Nussverbot.
  • Eine junge Schülerin hat eine schwere Nuss- und Erdnussallergie.
  • Ein allergischer Schock kann zu Atemproblemen und Kreislaufbeschwerden führen. Im schlimmsten Fall sogar zum Tod.
  • Trotzdem ziehen manche das Verbot auf Social Media ins Lächerliche.

Wimmis im Berner Oberland. Über dem Dorf thront der markante Niesen wie eine grosse Pyramide.

Doch die Idylle ist getrübt: Eine Schülerin leidet an einer schweren Allergie – mit Folgen für alle ihre Gspänli.

Seit Beginn des neuen Schuljahres vergangene Woche gilt wegen der Allergikerin auf dem ganzen Areal des Schulhauses Chrümig ein Nussverbot.

Für die 250 Schülerinnen und Schüler der dritten bis zur neunten Klasse heisst das: Keine Nüssli knabbern – ganz egal, welche Sorte.

Znüniboxen mit Baumnüssen, Mandeln, Haselnüssen und Co. sind tabu. Genauso Riegel, Gebäck und Snacks mit Nussbestandteilen.

Ausnahmen gibt es nur für ausserschulische Tätigkeiten und Veranstaltungen.

Schülerin reagiert auch allergisch auf Erdnüsse

Bei der Allergikerin handelt es sich um eine jüngere Schülerin aus dem Zyklus 2, wie die Gemeinde gegenüber Nau.ch bestätigt. Also ein Mädchen aus dem dritten bis sechsten Schuljahr.

Nähere Informationen gibt die Gemeinde aus Datenschutzgründen nicht bekannt.

Erdnüsse
Erdnüsse sind botanisch gesehen keine Nüsse. Im konkreten Fall ist die Schülerin aber auch auf spanische Nüssli allergisch. - keystone

Auch Erdnüsse dürfen keine konsumiert werden. Die betroffene Schülerin hat neben einer Nussallergie nämlich auch eine Erdnussallergie.

Diese gehören eigentlich nicht zur gleichen botanischen Familie: Erdnüsse sind keine Nüsse, sondern Hülsenfrüchte. Nuss- und Erdnussallergien können entweder zusammen oder einzeln auftreten.

Findest du das Nussverbot an der Schule in Wimmis richtig?

Wie lange die Snacks in Wimmis Hausverbot haben, ist noch offen. Abklärungen dazu laufen noch.

Gemeindeverwalter Beat Schneider betont: «Ziel der Gemeinde ist, dass die Einschränkungen nur so lange gelten, wie das zwingend nötig sind.»

«Keine Kontrolle von Znüniboxen»

Die Schulleitung informierte die Eltern vor Beginn des Schuljahres schriftlich. Zusätzlich sensibilisierte sie alle Lehrpersonen und Schulkinder.

Weitere Massnahmen sind offenbar nicht nötig. «Eine Kontrolle von Znüniboxen findet nicht statt», stellt Schneider klar.

Auch in den sozialen Medien macht die Gemeinde Wimmis das Nussverbot publik. Und sorgt damit für Aufruhr.

Nussverbot sorgt für Aufruhr

Nicht alle zeigen Verständnis. Auf Facebook reagieren zehn User sogar mit einem Lach-Emoji.

Darunter Kommentare wie: «Das wegen einer Person ist zum Lachen.» Oder: «Es wird immer irrer.»

Andere Eltern kontern: «Eine Nussallergie kann man sich nicht auslesen und ist hochgefährlich.»

Oder noch drastischer: «Hier geht es um ein Menschenleben.»

Das Schweizer Allergiezentrum «Aha!» bestätigt bei Nau.ch, dass ein allergischer Schock nicht zu unterschätzen sei.

«Eine schwere Nuss- oder Erdnussallergie kann in seltenen Fällen lebensgefährlich sein», sagt Roxane Guillod, Leiterin Fachdienstleistungen bei «Aha!», zu Nau.ch.

In der Schweiz gebe es allerdings keine verlässlichen Daten, ob und wann ein Kind an einer Nussallergie gestorben ist.

Schwere Allergiker müssen sich Adrenalin spritzen

Allergikerinnen und Allergiker reagieren unterschiedlich, wenn sie in Kontakt mit Nüssen kommen.

«Die Reaktionen können von leichten Beschwerden wie Juckreiz, Hautausschlag bis hin zu schweren allergischen Reaktionen reichen», weiss Guillod.

«Bei einer schweren Allergie kann es zu Atemproblemen, Kreislaufbeschwerden oder einer Anaphylaxie kommen.» Das ist eine plötzlich auftretende, starke allergische Reaktion, die mehrere Organe betrifft und lebensbedrohlich sein kann.

Nuss
Eine Nussallergie endet im schlimmsten Fall tödlich. - keystone

Wichtig sei, dass Betroffene sich individuell abklären lassen und den Auslöser meiden.

Zudem rät das Allergiezentrum zu einem persönlichen Notfallplan. «Bei einer schweren Allergie gehört in der Regel auch ein Adrenalin-Autoinjektor zur Notfallausrüstung.»

Je nach Alter und Situation gebe es weitere Behandlungsmöglichkeiten. Darunter auch eine Immuntherapie, bei der der Körper langsam an den Allergieauslöser gewöhnt wird.

Kinder wachsen Nussallergie nur selten aus

Ob ein Nussverbot an einer Schule verhältnismässig sei, lasse sich nicht pauschal beantworten, so die Expertin. «Es hängt von der individuellen Situation des betroffenen Kindes und den konkreten Gegebenheiten der Schule ab.»

Zentral sei die Sicherheit der Schülerin. «Wichtig sind klare Absprachen zwischen den Eltern des betroffenen Kindes, der Schule und den betreuenden Fachpersonen.»

Sprich: «Worauf ist das Kind allergisch? Welche Situationen müssen vermieden werden? Und was passiert im Fall einer allergischen Reaktion?»

Zudem müssten alle Beteiligten wissen, wie sie im Notfall reagieren und wo die Medikamente sind.

Diese Fragen werden die Schule Chrümig in Wimmis wohl noch länger beschäftigen. Denn im Vergleich zu anderen Allergien verschwindet eine Nussallergie nur selten von selbst.

Aufruf

Hast du eine Nuss- oder Erdnussallergie und kannst bei Nau.ch von deinen Erfahrungen erzählen? Dann melde dich bitte unter [email protected]. Vielen Dank.

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Kommentare

User #3119 (nicht angemeldet)

Ein wenig Rücksicht schadet niemandem!

User #6333 (nicht angemeldet)

Was ist, wenn jetzt ein Schühler zuhause Nüsse ist, und dann in der Schuhle mit dem Mädchen rum macht?

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