Trockenheit schwächt Bäume: Borkenkäfer schlägt zu!

Stephan Felder
Stephan Felder

Region Zug,

Die Trockenheit schwächt die Fichten und macht sie anfällig für den Borkenkäfer. In Steinhausen ZG mussten 150 Bäume gefällt werden.

Borkenkäfer
Die Fichten sind aufgrund der Trockenheit geschwächt – und werden zur leichten Beute für den Borkenkäfer. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die anhaltende Trockenheit schwächt die Abwehrkräfte der Fichten.
  • In Steinhausen ZG mussten bereits 150 befallene Bäume gefällt werden.
  • Auch im Raum Brugg AG stellt der Borkenkäfer die Förster vor Probleme.

Die Trockenheit hinterlässt in den Schweizer Wäldern deutliche Spuren. Besonders Fichten leiden unter dem fehlenden Wasser. Dadurch können sie sich schlechter gegen den Borkenkäfer wehren.

Wie gravierend die Folgen sein können, zeigt sich derzeit in Steinhausen ZG. Dort mussten insgesamt 150 Fichten gefällt werden, nachdem sich der Schädling ausgebreitet hatte.

«Die Trockenheit hat die Bäume sehr stark gestresst. Dadurch wurden sie anfällig für den Borkenkäfer», erklärt Förster Markus Amhof gegenüber der SRF-«Tagesschau».

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Der Borkenkäfer zerstört in Steinhausen ZG 150 Fichten und die Arbeit von 30 Jahren. - SRF «Tagesschau»

Der Käfer habe einen Flächenschaden verursacht. «Es wurde die Arbeit von 30 Jahren zerstört», sagt Amhof.

Fichten können weniger Harz produzieren

Auch in anderen Regionen beschäftigt die Entwicklung die Förster. Raphael Amsler vom Forstbetrieb Brugg AG bestätigt gegenüber Nau.ch, dass der Borkenkäfer in seinem Revier eine Herausforderung darstellt.

Das Wetter spielt bei dessen Ausbreitung eine entscheidende Rolle. «Er profitiert von warmen Trockenperioden», erklärt Amsler.

Viele Bäume litten in diesem Jahr besonders stark unter der anhaltenden Trockenheit. Bei der Fichte schwächt der Wassermangel einen wichtigen Abwehrmechanismus.

Gehst du gerne in den Wald?

«Die Fichte kann dadurch weniger Abwehrstoffe wie beispielsweise Harz produzieren. Sie ist deshalb anfälliger für einen Befall», sagt der Förster.

Gesunde Fichten können anfliegende Borkenkäfer normalerweise mit Harz abwehren. Sind die Bäume geschwächt, gelingt ihnen das deutlich schlechter.

Die hohen Temperaturen helfen dem Borkenkäfer noch auf eine zweite Weise. «Je wärmer es ist, desto schneller vermehren sich die Borkenkäfer», erklärt Noah Manohar, Kreisförster von Olten-Gösgen, gegenüber Nau.ch.

Bei günstigen Bedingungen könnten sich innerhalb eines Jahres mehrere Generationen entwickeln. Dadurch drohe eine Massenvermehrung.

Sturm hat Bestände zusätzlich geschwächt

Dass der Borkenkäfer auch im Raum Brugg AG zur Herausforderung geworden ist, führt Amsler nicht allein auf die Trockenheit zurück.

«Meiner Einschätzung nach hängt dies auch mit dem Sturm zusammen, der im vergangenen Jahr über die Region Brugg gezogen ist.» Die Bestände seien durch den Sturm geschwächt worden und deshalb anfälliger für den Borkenkäfer.

Im Forstkreis Olten-Gösgen präsentiert sich die Situation noch deutlich entspannter. «In meinem Forstkreis wurde mir bisher erst vereinzelt Käferbefall gemeldet und der Befall war kleinflächig», sagt Förster Manohar. Bislang sei der Borkenkäfer dort deshalb noch kein Problem.

Befallene Bäume müssen rasch aus dem Wald

Hat sich der Borkenkäfer einmal in einer Fichte eingenistet, ist rasches Handeln gefragt. «Aus meiner Sicht ist die wirksamste Massnahme, befallene Bäume möglichst rasch zu fällen. Und innerhalb kurzer Zeit aus dem Wald abzuführen», erklärt der Förster.

So könne verhindert werden, dass sich der Schädling von den betroffenen Bäumen aus weiterverbreitet.

Entscheidend seien dabei die Überwachung gefährdeter Bestände und eine frühe Entdeckung, ergänzt Manohar. Befallene Bäume müssten gefällt und abgeführt werden, bevor die Jungkäfer ausfliegen.

Borkenkäfer
So sieht es aus, wenn der Borkenkäfer in der Rinde eines befallenen Baumes steckt. - keystone

Eine weitere Möglichkeit ist das Entrinden. «Borkenkäfer vermehren sich unter der Rinde», erklärt der Kreisförster. Werde diese nach dem Fällen entfernt, könne ein weiterer Befall in angrenzenden Beständen reduziert werden.

Mischwälder verhindern Totalausfälle

Langfristig setzt Amsler aus Brugg auf Wälder, in denen verschiedene Baumarten wachsen. Solche Mischbestände können zwar einen Befall nicht verhindern, seine Folgen aber begrenzen.

«Die übrigen Baumarten bleiben erhalten, sodass kein Totalausfall des Bestandes entsteht», sagt er. Nistet sich der Borkenkäfer in einem Waldstück ein, fallen die Schäden deshalb weniger stark ins Gewicht.

Auch Manohar sieht in der Baumartenwahl eine wichtige vorbeugende Massnahme. Der Buchdrucker, die wirtschaftlich bedeutendste Borkenkäferart der Schweiz, befalle fast ausschliesslich Fichten.

«Naturnahe Wälder mit vielen Laubbaumarten und einem geringen Fichtenanteil können weniger durch Borkenkäfer geschädigt werden», erklärt er.

Daneben helfe es, natürliche Feinde des Schädlings zu fördern und zu schonen. Dazu gehören laut Manohar Spechte, andere insektenfressende Waldvögel, räuberische Käfer und parasitische Wespen.

Die 150 gefällten Fichten in Steinhausen zeigen, was droht, wenn Trockenheit und Borkenkäfer zusammentreffen: Geschwächte Bestände können innerhalb kurzer Zeit grossflächig verloren gehen.

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Kommentare

User #1498 (nicht angemeldet)

Der Borkenkäfer wird auch Buchdrucker genannt, weil er ständig Buchstaben und ganze Texte in die Borke der Bäume frisst.

User #2934 (nicht angemeldet)

Ich habe ein paar Jahre hintereinander auch Brennholz aus dem Schwarzwald gekauft mit Borkenkäfer. Das war eine Sauerei, alles Zerfressen und Staub wo das Brennholz lagerte und an lauen Sommerabenden ein Konzert der im Brennholz hausenden Käfer. Grüezi vom Oberrhein.

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