Wladimir Putin: Sein Sprachrohr entschuldigt sich bei Influencerin
Wladimir Solowjow gilt als Putins lautester TV-Verteidiger. Jetzt entschuldigt er sich live on air bei Influencerin Victoria Bonja.
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Das Wichtigste in Kürze
- Eine russische Influencerin kritisierte in einem Clip den russischen Präsidenten scharf.
- Putins Sprachroh beleidigte Victoria Bonja daraufhin im Staats-TV mit harschen Worten.
- Nun entschuldigt er sich live on air bei der Russin – Meloni gegenüber bleibt er stur.
Es ist ein seltener Moment im russischen Staatsfernsehen. Vladimir Solowjow, das Sprachrohr von Wladimir Putin, knickt ein. «Ich muss mich entschuldigen. Sie haben völlig recht», sagt er zu Beginn seiner Sendung «Polnyj Kontakt» («Voller Kontakt»).
Adressatin: Influencerin Victoria Bonja, die er zuvor öffentlich als «abgehalfterte Schlampe» beleidigt hatte.
Solowjow doppelt nach: Er sei zu emotional gewesen. Unabhängig von der Motivation hinter seinen Worten hätte er live on air viel strenger mit sich sein müssen. Eine Selbstkritik, wie man sie im russischen Staats-TV kaum je hört.
«70 Prozent der Frauenfeinde sind Frauen»
Ganz ohne Spitze geht es trotzdem nicht. Dass man ihn als einen der grössten Frauenfeinde des Landes bezeichne, finde er «ziemlich seltsam», so Solowjow. In seinen Sendungen träten viele Frauen auf. Und überhaupt: «70 Prozent der Frauenfeinde sind Frauen.»
Bonja lässt sich nicht beirren. Sie fordert Solowjow auf, sich «im Namen des ganzen Landes» auch bei Italiens Premierministerin Giorgia Meloni zu entschuldigen. Solowjow hatte Meloni zuvor als «Hure» und «faschistische Kreatur» bezeichnet – Italien zitierte deshalb den russischen Botschafter ein.

Doch hier bleibt der Moderator hart. Italienische Politiker hätten Putin als «schlimmer als ein Tier» beschrieben. «Schulden sie Wladimir Putin eine Entschuldigung?», fragt er zurück. Bonja erwidert, sie habe solche Aussagen nicht gehört und könne dieses Argument nicht unterstützen.
Heikle Themen im Staats-TV
Während des Schlagabtauschs bringt Bonja Themen aufs Tapet, die im russischen Staatsfernsehen sonst kaum vorkommen: Die Ölkatastrophe nach Drohnenangriffen auf Raffinerien in Tuapse am Schwarzen Meer. Und die massenhafte Tötung von Vieh durch die Behörden in Sibirien.

Solowjow konterte mit einem Seitenhieb auf Bonjas Wohnort. Ob es in Monaco, wo sie lebe, Drohnenangriffe gegeben habe? «Wir hatten sie hier. Wir sind im Krieg.»
30 Millionen Aufrufe
Bonja war Mitte April mit einem Video-Appell an Putin viral gegangen. «Im Namen des Volkes» listete sie fünf Probleme auf, die kein Gouverneur ansprechen würde. Die Menschen hätten Angst vor dem Präsidenten.
Mehr als 30 Millionen Mal wurde der Clip inzwischen aufgerufen. Der Kreml liess ausrichten, an den genannten Themen werde gearbeitet. Bonja bedankte sich später unter Tränen bei Putin und seinem Sprecher Dmitri Peskow dafür, dass sie ihren Appell überhaupt zur Kenntnis genommen hätten.

Solowjows Beleidigungen folgten erst, nachdem das Video derart hohe Wellen geschlagen hatte. Dass er nun zurückkrebst, dürfte mit der enormen Reichweite Bonjas zu tun haben – die er trotz allem ins eigene Programm holte.















