Wladimir Putin

Wladimir Putin: Sein Sprachrohr entschuldigt sich bei Influencerin

Simon Binz
Simon Binz

Russland,

Wladimir Solowjow gilt als Putins lautester TV-Verteidiger. Jetzt entschuldigt er sich live on air bei Influencerin Victoria Bonja.

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Die russische Influencerin Victoria Bonja war bei Putins Sprachrohl Wladimir Solowjow zugeschaltet. - X@Siegfri41835106

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine russische Influencerin kritisierte in einem Clip den russischen Präsidenten scharf.
  • Putins Sprachroh beleidigte Victoria Bonja daraufhin im Staats-TV mit harschen Worten.
  • Nun entschuldigt er sich live on air bei der Russin – Meloni gegenüber bleibt er stur.

Es ist ein seltener Moment im russischen Staatsfernsehen. Vladimir Solowjow, das Sprachrohr von Wladimir Putin, knickt ein. «Ich muss mich entschuldigen. Sie haben völlig recht», sagt er zu Beginn seiner Sendung «Polnyj Kontakt» («Voller Kontakt»).

Adressatin: Influencerin Victoria Bonja, die er zuvor öffentlich als «abgehalfterte Schlampe» beleidigt hatte.

Was haltet ihr von Solowjows Live-Entschuldigung bei Victoria Bonja?

Solowjow doppelt nach: Er sei zu emotional gewesen. Unabhängig von der Motivation hinter seinen Worten hätte er live on air viel strenger mit sich sein müssen. Eine Selbstkritik, wie man sie im russischen Staats-TV kaum je hört.

«70 Prozent der Frauenfeinde sind Frauen»

Ganz ohne Spitze geht es trotzdem nicht. Dass man ihn als einen der grössten Frauenfeinde des Landes bezeichne, finde er «ziemlich seltsam», so Solowjow. In seinen Sendungen träten viele Frauen auf. Und überhaupt: «70 Prozent der Frauenfeinde sind Frauen.»

Bonja lässt sich nicht beirren. Sie fordert Solowjow auf, sich «im Namen des ganzen Landes» auch bei Italiens Premierministerin Giorgia Meloni zu entschuldigen. Solowjow hatte Meloni zuvor als «Hure» und «faschistische Kreatur» bezeichnet – Italien zitierte deshalb den russischen Botschafter ein.

Ukraine Krieg
Wladimir Solowjow (59) ist einer der wichtigsten Propagandisten von Putin im Ukraine-Krieg. - Screenshot Twitter

Doch hier bleibt der Moderator hart. Italienische Politiker hätten Putin als «schlimmer als ein Tier» beschrieben. «Schulden sie Wladimir Putin eine Entschuldigung?», fragt er zurück. Bonja erwidert, sie habe solche Aussagen nicht gehört und könne dieses Argument nicht unterstützen.

Heikle Themen im Staats-TV

Während des Schlagabtauschs bringt Bonja Themen aufs Tapet, die im russischen Staatsfernsehen sonst kaum vorkommen: Die Ölkatastrophe nach Drohnenangriffen auf Raffinerien in Tuapse am Schwarzen Meer. Und die massenhafte Tötung von Vieh durch die Behörden in Sibirien.

Wladimir Putin
Im Visier einer Lifestyle-Bloggerin: Wladimir Putin. - keystone

Solowjow konterte mit einem Seitenhieb auf Bonjas Wohnort. Ob es in Monaco, wo sie lebe, Drohnenangriffe gegeben habe? «Wir hatten sie hier. Wir sind im Krieg

30 Millionen Aufrufe

Bonja war Mitte April mit einem Video-Appell an Putin viral gegangen. «Im Namen des Volkes» listete sie fünf Probleme auf, die kein Gouverneur ansprechen würde. Die Menschen hätten Angst vor dem Präsidenten.

Mehr als 30 Millionen Mal wurde der Clip inzwischen aufgerufen. Der Kreml liess ausrichten, an den genannten Themen werde gearbeitet. Bonja bedankte sich später unter Tränen bei Putin und seinem Sprecher Dmitri Peskow dafür, dass sie ihren Appell überhaupt zur Kenntnis genommen hätten.

Wladimir PUtin
Die russische Lifestyle-Bloggerin Victoria Bonja zählte in ihrem Video Missstände in Russland auf – von der Flutkatastrophe bis zur Ölpest. - Screenshot/Instagram

Solowjows Beleidigungen folgten erst, nachdem das Video derart hohe Wellen geschlagen hatte. Dass er nun zurückkrebst, dürfte mit der enormen Reichweite Bonjas zu tun haben – die er trotz allem ins eigene Programm holte.

Kommentare

User #2985 (nicht angemeldet)

Die „Siegesparade“ in Moskau wird wegen Befürchtungen vor „terroristischen Aktivitäten“ ohne Panzer, Artillerie und Raketensysteme stattfinden. Wladimir Putin wird in diesem Jahr zum ersten Mal seit fast zwei Jahrzehnten auf Militärtechnik bei der Siegesparade verzichten, aus Sorge, sie könnte angegriffen werden.

User #1419 (nicht angemeldet)

Öl-Wirtschaft unter Dauerbeschuss: Putin klagt über die Schläge der Ukraine. Putins öffentliches Auftreten in dieser Woche und die Erwähnung der ukrainischen Angriffe auf Russlands Wirtschaft sind derweil bemerkenswert: Der Kreml spielt immer wieder die Wirksamkeit ukrainischer Drohnenangriffe herunter. Dass Putin nun selbst von möglichen Umweltfolgen spricht, räumt indirekt ein, was die Bilder aus Tuapse längst zeigen: die Effektivität der Drohnen-Strategie.

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