Widerstand gegen Obdachlosenheim in Gedenken an Crans-Opfer
Giovanni Tamburi (†16) starb beim Brand in Crans-Montana. Sein Vater will ihm zu Ehren ein Obdachlosenheim bauen – doch das Projekt droht zu scheitern.

Das Wichtigste in Kürze
- Giovanni Tamburi (†16) kam bei der Brandkatastrophe von Crans-Montana ums Leben.
- Nun plant sein Vater, zusammen mit der Stadt Bologna ein Obdachlosenheim zu errichten.
- Das Projekt zu Ehren von Tamburi sorgt für Debatten um Sicherheit und Zerfall im Quartier.
In Bologna sorgt ein Bauprojekt für hitzige Debatten. Geplant ist ein Dorf für Obdachlose, das nach Giovanni Tamburi benannt werden soll.
Der 16-Jährige aus Bologna (IT) starb beim Neujahrsunglück in Crans-Montana. Sein Vater Giuseppe Tamburi hatte die Idee zu diesem Projekt. Die Stadt Bologna unterstützt die Initiative ebenfalls.
Geplant ist der Bau in der Via Terracini im Stadtteil Lazzaretto. Dort soll eine Unterkunft für Menschen ohne Obdach entstehen. Die Kosten sollen zwischen der Familie Tamburi und der Gemeinde Bologna aufgeteilt werden.
Doch nicht alle sind einverstanden: Anwohner und Händler in der Gegend haben eine Petition gestartet. Laut dem italienischen Nachrichtenportal «Resto del Carlino» kamen bereits Hunderte von Unterschriften zusammen.
Angst um Sicherheit
Im Lazzaretto-Stadtteil häufen sich Berichte über Unruhe und Kriminalität. Diese haben das Sicherheitsgefühl vieler Menschen bereits beeinträchtigt. In dieser angespannten Stimmung trifft das neue Projekt nun auf besonders viel Skepsis – und auf politischen Zündstoff.
Besonders deutlich positionierte sich Matteo Di Benedetto, der Vorsitzende der rechtskonservativen Lega im Stadtrat. Er fordert einen sofortigen Stopp des Projekts und verlangt zuerst einen breiten Dialog mit der Bevölkerung. «Keine Entscheidungen mehr von oben», lautet seine klare Ansage.
Auch die Mitte-Rechts-Parteien erheben Einspruch. Sie verlangen, dass ein öffentlicher Diskussionsprozess eingeleitet wird. Erst danach solle mit dem Bau begonnen werden.
«Grosses Bedauern»
Auf der anderen Seite steht Giovannis Vater Giuseppe Tamburi, der das Projekt mit Nachdruck verteidigt – und emotional reagiert. Er empfinde «grosses Bedauern», sagte er. «Vielleicht haben die Bürger nicht verstanden, was wir erreichen wollen. Wenn sie das Dorf fertig sehen würden, würden sie sicher anders denken.»
Tamburi betont, dass es sich nicht um provisorische Notlösungen handle. Früher habe es am selben Standort Container gegeben, die immer wieder Probleme verursacht hätten.
Sein Konzept gehe bewusst in eine völlig andere Richtung. «Wir sprechen hier von einer Struktur mit sehr schönen, ausgestatteten Häusern», sagt er. Sein Projekt habe alles andere als mit Verfall zu tun.
Das Ziel sei demnach, nicht ein Problem zu schaffen. «Sondern denjenigen, die unter extrem prekären Umständen leben, eine stabile und menschliche Antwort zu bieten.
Zu Ehren von Giovanni
Besonders bewegend bleibt der Hintergrund des Projekts: Nach dem Tod von Giovanni erfuhr seine Familie, dass der Jugendliche im Verborgenen Obdachlose in Bologna unterstützt habe: Mit Essen, kleinen Hilfen, still und ohne Aufmerksamkeit. Sein Vater möchte diese stillen Gesten nun in ein dauerhaftes Projekt verwandeln.
Ob und wann gebaut wird, ist derzeit offen. Die Stadt Bologna hat sich bislang nicht zu den Forderungen nach einem Baustopp geäussert.

















