Trotz Corona geben die Länder weiterhin viel Geld aus für das Militär. Einige Staaten verwendeten Teile des Militärbudgets aber für die Pandemiebekämpfung.
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Die Staaten der Erde haben im vergangenen Jahr fast zwei Billionen Dollar in ihre Militärapparate gesteckt. - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Auch im Corona-Jahr sind die Militärausgaben weltweit gestiegen.
  • Insgesamt wurden fast zwei Billionen Dollar ausgegeben.
  • Spitzenreiter sind nach wie vor die USA, die über 700 Milliarden investierten.

Trotz globaler Corona-Krise und dem Wirtschaftseinbruch haben die Länder im abgelaufenen Jahr erneut mehr Geld in ihre Militärapparate gesteckt. Die weltweiten Militärausgaben stiegen im Jahr 2020 inflationsbereinigt um 2,6 Prozent auf schätzungsweise 1,981 Billionen Dollar (rund 1,65 Billionen Euro). Dies teilte das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri am Montag mit.

Das sei ein Höchststand seit Beginn vergleichbarer Schätzungen im Jahr 1988. Deutschland legte dabei prozentual so stark zu wie kein anderer Top-10-Staat.

Annegret Kramp-Karrenbauer
Die deutsche CDU-Vorsitzende und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. - dpa

«Wir können mit einiger Sicherheit sagen, dass die Pandemie keinen signifikanten Einfluss auf die globalen Militärausgaben 2020 hatte.» So Sipri-Forscher Diego Lopes da Silva. Nun müsse sich zeigen, ob die Länder dieses Ausgabenniveau auch im zweiten Pandemiejahr aufrechterhalten würden.

Seine Sipri-Kollegin Alexandra Marksteiner sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Es ist 2021, wir sind also nur ein Jahr vom Beginn der Pandemie entfernt. Es könnte eine Verzögerung geben, von der wir einfach noch nichts wissen.»

Zudem wies Sipri darauf hin, dass die jährlich veröffentlichten Schätzungen diesmal coronabedingt mit einer grösseren Unsicherheit behaftet seien als sonst. Den gesamten Einfluss der Pandemie werde man abschliessend erst in einigen Jahren sehen.

USA immer noch mit den höchsten Ausgaben

Im Vorjahr hatten die Friedensforscher wegen der Corona-Krise damit gerechnet, dass 2019 vorerst ein Höchststand erreicht worden sei. Tatsächlich hätten einige Länder wie Chile und Südkorea ihre für die Verteidigung vorgesehenen Mittel 2020 teilweise für die Pandemiebekämpfung verwendet. Andere wie Brasilien und Russland hätten erheblich weniger als ursprünglich geplant ins Militär gesteckt. An einem weiteren globalen Ausgabenanstieg änderte all das jedoch nichts – und auch nicht am unangefochtenen Spitzenreiter, den USA.

Im letzten Amtsjahr von Präsident Donald Trump steigerten die USA ihre Militärausgaben nochmals um 4,4 Prozent auf 778 Milliarden Dollar. Auf sieben Jahre mit kontinuierlich sinkenden US-Ausgaben folgten somit drei Jahre mit Zuwächsen. Diese jüngsten Anstiege liessen sich vor allem auf starke Investitionen in militärische Forschung und Entwicklung zurückführen. Zusätzlich seien langfristige Projekte wie die Modernisierung des Atomwaffenarsenals und grosse Militärbeschaffungen im Gange, sagte Marksteiner.

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Der ehemalige US-Präsident Donald Trump investierte gross ins Militär. - Keystone

Damit waren die USA für satte 39 Prozent aller Militärausgaben weltweit verantwortlich. Zum Vergleich: Die US-Ausgaben entsprachen denen der zwölf darauffolgenden Staaten zusammen.

China und Indien auf Rang zwei und drei

Auf die USA folgen die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Erde: Chinas Ausgaben wurden von Sipri nach dem 26. Jahresanstieg in Serie auf 252 Milliarden, die von Indien auf 72,9 Milliarden Dollar geschätzt. Dahinter landen Russland (61,7 Mrd Dollar), Grossbritannien (59,2 Mrd) und Saudi-Arabien (57,5 Mrd). Dann kommt auch schon Deutschland, das knapp vor Frankreich auf Rang sieben liegt.

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China steigert seine Militärausgaben in diesem Jahr um 7,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. - dpa-infocom GmbH

Angesichts von Nato- und US-Forderungen nach gesteigerten Verteidigungsausgaben legte die Bundesrepublik 2020 um 5,2 Prozent auf 52,8 Milliarden Dollar zu. Dies ist das höchsten Niveau seit 1993. Damit sind diese Ausgaben seit 2011 um 28 Prozent gestiegen, im weltweiten Durchschnitt waren es in diesem Zeitraum 9,3 Prozent.

«Wir beobachten diesen Trend zunehmender Militärausgaben in Deutschland seit einigen Jahren», sagte Marksteiner. «Nach unseren Daten hat Deutschland nach 2014 wieder damit begonnen, seine Ausgaben zu erhöhen. Die Grössenordnung variiert von Jahr zu Jahr, aber der Trend insgesamt bleibt gleich.»

Deutschland verpasst Nato-Ziel

Das Nato-Ziel, zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das Militär aufzuwenden, verpasst Deutschland wie andere Staaten des Bündnisses weiter klar: Die Nato sah die Bundesrepublik 2020 bei 1,56 Prozent, Sipri nun bei 1,4 Prozent. Generell erreichen diesmal laut Sipri zwölf statt wie zuvor neun Nato-Staaten ihr Zwei-Prozent-Ziel. Dies lasse sich aber vermutlich eher auf den coronabedingten wirtschaftlichen Abschwung als auch bewusste Entscheidungen zurückführen, beurteilte Lopes da Silva. Weltweit stieg der Anteil der Militärausgaben am BIP um 0,2 Prozentpunkte auf 2,4 Prozent.

Sipris jährlich veröffentlichter Bericht gilt als die umfassendste Datensammlung zu den Militärausgaben weltweit. Das Institut stützt sich dabei auf offizielle Regierungsangaben zum Verteidigungsbudget sowie weitere Quellen und Statistiken. Die Zahlen weichen deshalb traditionell von den Angaben der Nato und einzelner Länder ab.

Teils basieren die Daten auf bewilligten Budgets statt auf endgültigen Ausgaben des Jahres, das wird später dann angeglichen. Zu den Ausgaben werden auch Aufwände für Personal, Militärhilfen sowie militärische Forschung und Entwicklung gezählt.

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