Die russische Armee setzt im Ukraine-Krieg in Städten vermehrt Streumunition ein. Diese sorgten bereits für «zerfetzte» Glieder.
Ukraine Krieg Mykolajiw
Eine beschädigte Schule liegt in Trümmern nach einem russischen Angriff Mitte März am Rande von Mykolajiw, Freitag, 1. April 2022. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die russische Armee versucht weiter, wichtige ukrainische Städte einzunehmen.
  • Zivilisten und Ärzte in Mykolajiw berichten von den Auswirkungen der Streumunition.
  • Über 100 Nationen verbieten den Einsatz und die Herstellung von Streumunition.

Die russische Armee versucht im Ukraine-Krieg weiterhin, wichtige ukrainische Städte einzunehmen. Dabei schrecken die russischen Truppen auch nicht vor dem Einsatz von Streumunition zurück.

Eine dieser stark umkämpften Städte im Ukraine-Krieg ist die strategisch wichtige Hafenstadt Mykolajiw. Dort sollen russische Truppen zuletzt vermehrt Streumunition eingesetzt haben, wie die britische Zeitung «Independent» berichtet. Darauf würden einerseits die Einschlaglöcher hindeuten. Andererseits erzählten ukrainische Augenzeugen der Zeitung davon.

«Oberschenkel wurden zerfetzt»

So etwa auch der 41-jährige Dima, der sich im Ukraine-Krieg eigentlich der ukrainischen Armee anschliessen wollte. Bei ihm sei kürzlich sogenannte Submunition in der linken Hand explodiert, weil er gedacht habe, sie sei nicht mehr scharf. «Ich dachte, sie seien alle bereits explodiert. Ich lag falsch.»

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Eine beschädigte Schule nach einem russischen Angriff Mitte März am Rande von Mykolajiw am Freitag, 1. April 2022.
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Einsatzkräfte arbeiten am Dienstag, den 29. März 2022, nach einem tödlichen russischen Angriff am Sitz der Regionalregierung in Mykolajiw.
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Ein Mann läuft hinter einem Krater, der durch eine Bombe entstanden ist, und vor beschädigten Häusern durch nach einem russischen Bombenangriff am Rande von Mykolajiw am Freitag, 25, 2022.
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Ein Blick auf beschädigte Häuser nach einem russischen Bombenangriff am Stadtrand von Mykolajiw am Freitag, 1. April 2022.
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Rettungskräfte im Einsatz in einem beschädigten Gebäude der regionalen Staatsverwaltung in Mykolajiw am 29. März 2022.

Nun wird Dima auf einer Intensivstation in einem Spital in Mykolajiw behandelt. «Er hat den Grossteil seiner linken Hand verloren und seine Oberschenkel wurden zerfetzt», sagt der behandelnde Arzt dem «Independent».

«Wir wissen nicht, ob er jemals wieder wird laufen können. Er benötigt neue Haut an den Beinen und monatelange Behandlung, die wir ihm hier nicht bieten können.» Seine Abteilung sei voll mit Patienten, die von Streumunition getroffen worden seien.

Tödliche Landminen im Ukraine-Krieg

In 110 Ländern sind Herstellung, Lagerung und Einsatz von Streumunition verboten. Diese Staaten sehen deren Einsatz als Verstoss gegen das Völkerrecht an. Streumunition setzt Dutzende bis Hunderte Submunition frei, die eine Fläche eines Fussballfeldes bedecken kann. Diese kann Fleisch, Metall und Wände zerfetzen.

Hinzu kommt, dass die Submunition vielfach beim Aufprall gar nicht explodiert. So entstehen tödliche Landminen, welche die Zivilbevölkerung noch jahrelang bedrohen können. Nach Angaben von Human Rights Watch (HRW) gehören weder Russland noch die Ukraine zu diesen 110 Staaten. Demnach hätten beide Staaten solche Waffen auf Lager.

Macht Ihnen der Krieg in der Ukraine Angst?

HRW-Mitglied Richard Weir bezeichnet den Einsatz von Streumunition in bewohnten Gebieten als «abscheulich und rechtswidrig».

«Die Verantwortlichen dieser Angriffe sollten zur Rechenschaft gezogen werden.»

Laut dem Bürgermeister von Mykolajiw seien die Angriffe der Russen intensiver geworden: «Meiner Meinung nach wollen sie, dass wir Angst haben und aufgeben.» Laut dem «Independent» bestehe in Mykolajiw jederzeit die Angst, dass Streumunition einschlagen könnte. Dennoch würden die Bewohner täglich versuchen, ihr normales Leben fortzusetzen.

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