Russen, die sich im Ukraine-Krieg ergeben wollen, können sich bei einer Hotline melden. Seit September haben über 3500 verzweifelte Personen angerufen.
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Wollen russische Soldaten nicht mehr kämpfen, können sie bei einer ukrainischen Kapitulations-Hotline anrufen. - Keystone
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Das Wichtigste in Kürze

  • Über eine Hotline können sich Russen melden und sich der Ukraine ergeben.
  • Mehr als 3500 Anrufe sind bereits eingegangen.
  • Einige der Anrufer sind Ukrainer, die in den besetzten Gebieten mobilisiert werden.

Seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs rufen die Ukraine und Präsident Wolodymyr Selenskyj russische Soldaten auf, sich zu ergeben. Seit September existiert nun ein Programm mit dem Namen «Ich möchte leben». Russische Militärangehörige können sich dort via Telefonanruf oder über Chat-Apps melden, um sich zu ergeben. Anschliessend werden sie inhaftiert und so behandelt, wie es das Genfer Abkommen für Kriegsgefangene vorschreibt, verspricht Kiew.

Das Angebot wird rege benutzt, wie ein Bericht von BBC zeigt. Die britischen Journalisten statteten dem Hauptquartier für den Umgang mit Kriegsgefangenen, wo die Anrufe entgegengenommen werden, einen Besuch ab.

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Ein russischer Mann muss im Rahmen der Teilmobilmachung in den Ukraine-Krieg ziehen. - keystone

Täglich stehe sie mit russischen Soldaten oder deren Angehörigen in Kontakt, sagt eine Frau, die dort arbeitet. Um anonym zu bleiben, wird sie Switlana genannt. Die Anrufer seien oft teils verzweifelt, teils frustriert. Denn sie würden nicht ganz verstehen, wie die Hotline funktioniere, oder ob es eine Falle sei.

Die BBC berichtet von einem Chat eines Mannes aus Moskau: «Ich habe noch keinen Einberufungsbefehl erhalten, aber es gab Versuche, ihn mir zu übergeben. Haben Sie einen Rat für mich, was ich tun kann?» Er wolle keine Ukrainer töten, wolle am Leben bleiben und ukrainischer Staatsbürger werden. «Ich möchte, dass das alles so schnell wie möglich aufhört.»

Ukraine-Krieg: Über 3500 Anrufe bei Kapitulations-Hotline

Auch von Ukrainer erhält das Hauptquartier Anrufe, beispielsweise von der Krim. Sie erinnere sich an einen Mann, der zum Kampf gegen seine Familie und sein Land mobilisiert worden sei, so Switlana. Viele Personen riefen auch aus Neugierde an. Sie wollten wissen, wie sie vorgehen müssten, wenn sie sich ergeben wollten.

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Das Projekt «Ich möchte leben» richtet sich vor allem an Reservisten. - Keystone

Das Projekt richtet sich laut Leiter Witalij Matwijenko vor allem an Reservisten der russischen Teilmobilmachung im Ukraine-Krieg. Diese könnten nicht kämpfen und müssten bloss als Kanonenfutter herhalten. Indem sie sich ergeben, könnten sie überleben, verspricht die Ukraine.

3500 Soldaten und Angehörige haben sich gemäss offiziellen Angaben bereits gemeldet. Darunter befänden sich aber auch russische Soldaten, die bloss provozieren wollten.

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