Jetzt zapfen E-Autos auch die Sonne an: Weil Strom nirgends grüner und billiger ist als vom Himmel, bringt das Start-up Lightyear im Herbst das erste Solarauto in den Handel. Doch das hat seinen Preis.
Sonne für mehr Reichweite: Beim Lightyear Zero tragen Solarzellen zur Energieversorgung des E-Autos bei.
Sonne für mehr Reichweite: Beim Lightyear Zero tragen Solarzellen zur Energieversorgung des E-Autos bei. - Thomas Geiger/dpa-tmn

Mit dem ersten serienreifen Solarauto will Lightyear die Entwicklung des Elektroautos auf die nächste Stufe heben. Denn wenn das niederländische Start-up für mindestens 297 500 Euro noch vor dem Jahresende mit der Auslieferung des Lightyear Zero beginnt, kann es erstmals auch Sonnenstrom «tanken».

Dafür haben die Entwickler rund fünf Quadratmeter Solarzellen auf dem Dach und den Hauben des 5,10 Meter langen Viertürers installiert. Gespeichert wird der Strom in einem 60 kWh grossen Akku, den man freilich auch an der Steckdose laden kann.

Denn unter durchschnittlichen Bedingungen in Zentraleuropa kommt der Lightyear mit Sonnenstrom nach Berechnungen des Herstellers pro Tag nur etwa 50 Kilometer weit.

Viele Details sorgen für Effizienz

Um die Fahrstrecke unabhängig von der Energiequelle zu maximieren, hat Lightyear zugleich die Effizienz erhöht. Dafür wurden die Motoren, das Gewicht und die Aerodynamik optimiert.

Der Zero ist deshalb das erste Serienauto mit Radnaben-Motoren, wiegt mit knapp 1600 Kilo deutlich weniger als vergleichbare Elektroautos und ist mit einem Cw-Wert von 0,19 noch windschnittiger als der bisherige Rekordhalter Mercedes EQS, teilt Lightyear mit.

Einen weiteren Beitrag dazu leistet die freiwillige Beschränkung auf Fahrleistungen deutlich unterhalb des Klassenstandards. So kommen die vier Radnaben-Motoren nur auf rund 132 kW/180 PS. Für den Sprint von 0 auf 100 km/h braucht der Zero glatte zehn Sekunden. Und schon bei 160 km/h zieht die Elektronik die Reissleine.

Etwas Verzicht für niedrigen Verbrauch

Zudem zwingt der Zero zu einem gewissen Komfortverzicht: Grosse Bildschirmlandschaften gibt es im vegan ausgeschlagenen Innenraum des Zero genauso wenig wie eine Ambientebeleuchtung, Massagesitze oder ein aufwendiges Soundsystem.

Doch der Aufwand lohnt, sagt Firmenchef Lex Hoefsloot: Mit einem Verbrauch von 10,5 kWh auf 100 Kilometer sei der Zero das effizienteste Elektroauto am Markt und komme deshalb mit seiner Batterie selbst ohne zusätzlichen Sonnenstrom im WLTP-Zyklus auf eine Reichweite von 625 Kilometern.

Auf eins folgt zwei - und soll billiger werden

Natürlich wissen Hoefsloot und seine Mitstreiter, dass der Einfluss aufs Weltklima bei einem derart hohen Preis bescheiden ist. Zumal Lightyear maximal 946 Exemplare des Zero bauen will.

Doch soll der grosse Viertürer nur der Anfang sein: Schon 2024/25 wollen sie mit dem Lightyear Two ein elektrischer Crossover mit Solarzellen vorstellen, das dann nur noch etwa 30 000 Euro kosten und in sechsstelligen Stückzahlen produziert werden soll.

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