Nach dem Seilbahn-Unglück in Stresa (I) übt die Tante des kleinen Eitan scharfe Kritik an den Verantwortlichen: «Das war kein Unfall, das sind Mörder!»
Stresa
Rettungskräfte am Ort des Gondel-Unglücks in Stresa. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Seilbahn-Unglück überlebte als einziger der fünfjährige Eitan.
  • Dessen Tante bezeichnet die Verantwortlichen als gierige «Mörder».
  • Zudem gibt es einen neuen Verdacht zu der Bremsen-Manipulation.

Es ist eine Tragödie sondergleichen: Am Pfingstsonntag stürzte beim Lago Maggiore in Norditalien eine Gondel der Stresa-Mottarone-Seilbahn ab. Insgesamt starben dabei 14 Menschen.

Als einziger Überlebender der Seilbahn-Tragödie ist der 5-jährige Eitan bekannt. Er verlor bei dem Unglück seine Urgrosseltern, seine Eltern sowie sein Bruder. Eitan befindet sich noch immer auf der Intensivstation in einem Kinderspital in Turin.

Mottarone Seilbahn Unglück
Drei der vier Familienmitglieder kamen beim Seilbahn-Absturz in Mottarone (I) ums Leben. Nur der 5-jährige Eitan (unten rechts) überlebte. - Twitter

Krankenhaus-Direktor Giovanni La Valle erklärte am Donnerstag: «Eitan ist bei Bewusstsein, atmet selbstständig. Er hat die Augen aufgemacht und registriert, dass jemand in seiner Nähe ist.» Laut Medienberichten stehen ihm seine Tante und ein Psychologe bei.

«Es gibt eine allmähliche Wiederherstellung des Bewusstseins, die Zeit und psychologische Unterstützung erfordert. Es ist wichtig, dass er bekannte Gesichter neben sich gefunden hat», so La Valle. Seine klinische Situation sei aber aufgrund seiner Verletzungen an Brustkorb und Bauchraum sowie den Gliedmassenfrakturen immer noch kritisch.

Tante von Eitan: «Das war kein Unfall, das sind Mörder»

Schon seit Sonntagabend an der Seite von Eitan ist Aya (41), die Schwester von Eitans Vater Amit (†30). Sie sprach am Donnerstag mit der italienischen Zeitung «La Stampa» und fand klare Worte für die Verantwortlichen: «Das war kein Unfall, das sind Mörder, die nur ans Geld gedacht haben.»

Sie habe mit ihrem Bruder und ihrer Schwägerin noch kurz vor der Tragödie über den geplanten Ausflug gesprochen. Sie hätten ihr detailliert das Programm erklärt. «Sie haben mir vom Panorama des Lago Maggiore erzählt, das sie so sehr bewunderten.»

Seilbahnunglück Lago Maggiore
Das jüngste Opfer des Seilbahnunglücks in Norditalien war gerade einmal zwei Jahre alt.
Seilbahnunglück Norditatlien
Insgesamt starben 14 Menschen, nur der fünfjährige Eitan überlebte.
Seilbahnunglück
Die Ermittler haben drei Verantwortliche verhaftet, sie gaben zu, die Notbremse blockiert zu haben.

Die Tante meint, dass letztendlich nicht nur die Verstorbenen zu Opfern wurden. «Da sind auch noch wir. Da sind auch noch die Familien von denen, die ihr Leben auf diesem Berg verloren haben wegen jenen, die nur an ihr Geld dachten. Wegen jenen, die dachten, dass Menschenleben weniger wert seien als ein bisschen Geld.»

Wurde Bremse über Jahre mehrfach manipuliert?

Der Inhaber der Gesellschaft, die die Seilbahn führt, ein Ingenieur, der für die Technik der Anlage verantwortlich ist, sowie der Betriebsleiter wurden inzwischen verhaftet. Sie gaben zu, die Notbremse manipuliert zu haben, um ständige Betriebsstörungen zu vermeiden.

Die Ermittler gingen bisher davon aus, dass die Beschuldigten die Bremse erst seit Wiederaufnahme des Betriebes am 26. April blockiert hatten. In einem neuen Bericht der italienischen Zeitung «La Stampa» heisst es nun aber, dass sich bei dieser Theorie ein «grauenhafter» Zweifel eingeschlichen habe.

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Das gerissene Zugseil der Mottarone-Bahn.
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Die komplett zerstörte Gondel nach dem tragischen Unglück mit 14 Toten in Stresa (I).
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Hier ersichtlich ist die rote Gabel an der Unfallstelle, die die Notbremse daran gehindert hat, zu funktionieren.

Die Zeitung berichtet nämlich über den jüngsten Verdacht, dass die «Bremsen im Laufe der Jahre mehrfach deaktiviert» wurden. Bisher gibt es dazu aber keine öffentliche Bestätigung.

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