Reisende fliegen nun über Istanbul statt Dubai – Preise steigen
Mit Dubai und Doha fallen wichtige Drehkreuze für den Flugverkehr aus. Wer in die Ferien will, muss umplanen – und tief ins Portemonnaie greifen.

Das Wichtigste in Kürze
- Dubai und Doha sind wichtige Drehkreuze – ihre Schliessung zwingt Reisende zu Umwegen.
- Flüge über Istanbul sind stark ausgelastet. Folge: längere Wartezeiten und höhere Preise.
- Anzeichen für eine teilweise Normalisierung der Flugpreise zeigen sich ab Donnerstag.
Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Doha in Katar sind wichtige Drehkreuze für den internationalen Luftverkehr.
Hunderttausende Passagiere steigen hier täglich um. Darunter auch viele Schweizerinnen und Schweizer auf dem Weg nach Asien, auf die Malediven oder nach Australien.
Seit dem Wochenende sind die Flughäfen im Nahen Osten geschlossen. Grund sind iranische Vergeltungsschläge gegen die Golfstaaten, allesamt Verbündete der USA.
Am Montag und heute Dienstag konnten nur wenige Flieger mit gestrandeten Touris starten.
Flüge laufen nun über Europa
Für Reisende hat das Folgen – sie müssen auf andere Routen ausweichen.
Stephan Kurmann vom Reisegiganten Dertour Suisse (u.a. Kuoni, Hotelplan) sagt zu Nau.ch: «Flüge nach Asien erfolgen derzeit primär über europäische Drehkreuze wie Istanbul, Amsterdam, Frankfurt, Helsinki, Paris oder London.»
Doch er warnt: «Die Kapazitäten sind derzeit begrenzt. Auf verschiedenen Strecken ist die Nachfrage hoch, einzelne Flüge sind bereits stark ausgelastet oder ausgebucht.»
Hinzu komme: «Teilweise müssen bestimmte Lufträume umflogen werden, was zu längeren Flugzeiten führen kann.»
Durch angepasste Umsteigeverbindungen und neue Routen änderten sich zudem die Reiseabläufe.
Preise dürften steigen
Die Eskalation könnte sich auch auf die Ticketpreise auswirken.
«Die Preisentwicklung hängt grundsätzlich vom Verhältnis von Angebot und Nachfrage ab. Aufgrund der eingeschränkten Kapazitäten und der erhöhten Nachfrage ist mit Preisanpassungen zu rechnen», so Kurmann.
Auch Aviatik-Experte Andreas Wittmer von der Universität St. Gallen bestätigt gegenüber Nau.ch: Reisende weichen nun auf verschiedene Drehkreuze in Europa aus. «Das bedeutet für die meisten einen Umweg.»
Istanbul stark frequentiert
Wien und Istanbul lägen jedoch gut auf Kurs. «Die Flugroute über Istanbul und dann nördlich von Iran in Richtung Indien und China wird zurzeit stark frequentiert.»
Wittmer warnt aber: «Es dürfte bei Umbuchungen von Passagieren, die über einen Hub im Nahen Osten gebucht wurden, zu grösseren Verzögerungen kommen.»

Dazu komme: Die Flüge nach Asien seien in der Regel gut gebucht. «Es ist kaum möglich, die gesamte Nachfrage nach Asien, die über Nahost-Hubs gebucht waren, anderweitig kurzfristig zu transportieren.»
Entscheidend sei nun, wie lange Hubs wie Dubai und Doha geschlossen bleiben oder nur eingeschränkt operieren können. Erste Flüge wurden bereits wieder abgewickelt.
Swiss wartet noch
Ausländische Airlines sowie die Schweizer Fluggesellschaft Swiss wollen den Betrieb nach Dubai jedoch nicht vor Donnerstag wieder aufnehmen.
Selbst wenn die Strecken wieder starten: Die Lufträume von Israel und Iran blieben weiterhin zu unsicher, um durchflogen zu werden, so der Experte.
«Daher dürfte eine Route über Kairo in den Nahen Osten eine Alternative sein. Dadurch verlängert sich die Reisezeit zwischen der Schweiz und beispielsweise Dubai um rund 1,5 Stunden.»
Kurzfristig bleibt es teuer
Ob die Ticketpreise generell steigen, sei schwer abzuschätzen, sagt Wittmer. «Kurzfristig sind die Preise immer hoch. Damit sind kurzfristige Umbuchungen immer teuer.»
Der Ausfall der Flüge habe die Preise für Direktverbindungen nach Asien zusätzlich nach oben gedrückt.
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Gleichzeitig gebe es erste Anzeichen für Entspannung.
«Auf Buchungsportalen sieht man jedoch, dass bereits ab diesem Donnerstag die Flugpreise wieder bedeutend tiefer sind. Kurzfristige Buchungen sind wieder im normalen Bereich. Das deutet darauf hin, dass man wohl davon ausgeht, dass sich das Angebot zumindest teilweise normalisieren könnte.»
Wie es weitergeht, hängt jedoch stark von der Lage im Nahen Osten ab.
Leserin will kein Risiko eingehen
Doch: Für Nau.ch-Leserin Tatjana G.* ist selbst ein Flug über Istanbul zu riskant.
«Die Türkei grenzt unmittelbar an den Nahen Osten. Ich möchte lieber nichts riskieren. Lieber zahle ich ein paar hundert Franken mehr, damit auch sicher zurück in die Schweiz fliegen kann.»
Die Bernerin fliegt nun von den USA via Irland zurück in ihre Heimat.
*Name von der Redaktion geändert

















