Ramadan

Schülerin klagt über Ramadan-Lärm – und fliegt von Internat

Riccardo Schmidlin
Riccardo Schmidlin

Österreich,

In einem österreichischen Internat eskaliert ein Streit um den Ramadan. Eine 17-Jährige wird nach Kraftausdrücken für eine Woche suspendiert.

Ramadan
Eine Ösi-Internatsschülerin kann nachts nicht schlafen, weil sie der Lärm durch den Ramadan stört. Das hat Folgen. (Symbolbild) - pexels

Das Wichtigste in Kürze

  • Im einem österreichischen Internat gab es Streit ums Ramadan-Zmorge.
  • Eine 17-Jährige beschwerte sich, beleidigte die anderen und wurde suspendiert.
  • Ihre Mutter und ein Politiker sind fassungslos über das Drama.

Im Internat der Landesberufsschule St. Pölten (Ö) ist es zu einem handfesten Streit mitten im muslimischen Fastenmonat gekommen: Zwei muslimische Schülerinnen stellen sich während des Ramadans jeden Morgen um 3 Uhr den Wecker, um ihr Sahur-Zmorge einzunehmen.

Sehr zum Ärger ihrer beiden nicht-muslimischen Zimmerkolleginnen, die dadurch regelmässig geweckt werden und den Lärm als störend empfinden.

«Sie drehen sogar die Musik auf», berichtet die Mutter einer Jugendlichen gegenüber der «Kronen-Zeitung».

Muslime fasten von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang.

Die Tochter, 17 Jahre alt, beschwerte sich bei der Direktion. Doch die muslimischen Frühaufsteherinnen wollten auf einen Vorschlag hin das Zimmer nicht wechseln.

Daraufhin eskalierte die Situation: «Meine Tochter rief mich beim nächsten Mal wutentbrannt an und liess ihrem Frust freien Lauf», so die Mutter.

17-Jährige ohne Vorwarnung suspendiert

Dabei fielen am Gang «unschöne Worte», die auch die anderen Mädchen hörten. Welche Kraftausdrücke genau, wird nicht öffentlich gemacht.

Laut der Bildungsdirektion soll die Jugendliche ihre Mitbewohnerinnen zudem massiv persönlich beleidigt haben. Mit Folgen: Die 17-Jährige wurde daraufhin ohne Vorwarnung für eine Woche aus dem Heim suspendiert.

Fluchst du gerne mal?

Sie solle ihr Verhalten und ihre Kraftausdrücke überdenken, teilte die Direktion mit.

Nach dem Rauswurf aus dem Internat ist Schlaf für die 17-Jährige weiterhin Mangelware: Sie muss nun jeden Tag um 4.30 Uhr aufstehen, um rechtzeitig den Zug zur Schule zu erwischen.

Der Streit um den Ramadan wirkt sich auch auf den Unterricht aus, berichtet die Mutter. «Meine Tochter muss nun im Unterricht alleine sitzen. Zwar haben sich die Mädchen gegenseitig beleidigt, der Lehrer hat aber nur die Worte meines Kindes gehört oder verstanden.»

Rechter Politiker ist über Ramadan-Eklat entsetzt

Der Vorfall ruft auch die Politik auf den Plan.

Udo Landbauer von der rechtspopulistischen FPÖ zeigt sich gegenüber der «Kronen-Zeitung» entsetzt: «Unsere Kinder werden suspendiert, damit sich andere aufführen können? Integration heisst: sich anpassen, unsere Regeln akzeptieren und unsere heimische Kultur respektieren.»

Der Streit kann aber bald beigelegt werden. Die Bildungsdirektion teilt mit, dass die 17-Jährige bereits am Sonntag ins Internat zurückkehren darf. Dann aber in ein anderes Zimmer.

Nur Minderheit der Muslime praktiziert den Ramadan

Der Ramadan dauert dieses Jahr noch bis zum 19. März. Auch in der Schweiz wird der muslimische Fastenmonat praktiziert.

In der Schweiz haben Stand 2024 zirka sechs Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren einen islamischen Glauben.

Die Föderation islamischer Dachorganisationen der Schweiz schätzt, dass 20 bis 30 Prozent der muslimischen Bevölkerung den Ramadan praktizieren. Das wären also hochgerechnet zwischen 110'000 und 160'000 Menschen in der Schweiz, die einen Monat tagsüber fasten.

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