Bürgerrechtlerin: Unwille zum Zuhören gefährdet Demokratien
Mit Blick auf die Gefahren für die Demokratien hat die belarussische Bürgerrechtlerin Maria Kolesnikowa eindringlich für das gegenseitige Zuhören geworben. «Darin liegt für mich eine der grössten Herausforderungen unserer Zeit», sagte Kolesnikowa bei ihrer Festrede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele.

«Sprechen ist ein Recht, Zuhören ist Verantwortung», sagte die 44-Jährige. Demokratien gerieten nicht erst dann unter Druck, wenn die Menschen nicht mehr sprechen dürften, sie seien schon durch den Unwillen zum Zuhören gefährdet.
Die Flötistin, die in Belarus fünf Jahre in Haft sass, betonte auch die Bedeutung der Diplomatie. Sie habe ihre Freiheit dem Umstand zu verdanken, dass Menschen selbst unter schwierigen Umständen nicht aufgehört hätten, miteinander zu sprechen. Umso mehr sei sie überrascht, wie «Gereiztheit, Misstrauen und wachsende gegenseitige Entfremdung» inzwischen das politische und gesellschaftliche Leben prägten.
Die vergangenen 226 Tage seit ihrer Freilassung seien die kostbarsten ihres Lebens gewesen, sagte die Flötistin weiter. Sie sei dankbar für die vielen lang entbehrten Kontakte und Erlebnisse. Zugleich gebe es keinen einzigen Tag, den dem sie nicht an die Menschen denken würde, die noch im Gefängnis sässen.
Die 44-Jährige gehörte 2020 zu den Anführerinnen der Massenproteste nach der von Manipulationsvorwürfen überschatteten Präsidentenwahl in Belarus. Schliesslich kamen sie und weitere rund 120 politische Gefangene frei. Dadurch konnte sie vor wenigen Monaten auch den Internationalen Karlspreis entgegennehmen, der ihr bereits 2022 zuerkannt worden war.
Sie bleibe aber trotz aller Probleme Optimistin. Diese Einstellung habe auch damit zu tun, dass es immer Menschen geben werde, «die nach Lösungen suchen, nicht nach neuen Feinden», sagte Kolesnikowa.
Die Salzburger Festspiele dauern bis Ende August. Es stehen 208 Aufführungen auf dem Programm. Mehr als 200.000 Gäste werden erwartet.










