Attacke auf Zug: Wollte Putin Boris Johnson treffen?
Das russische Militär hat einen Personenzug in der ukrainischen Grenzregion zu Polen mit einer Kampfdrohne angegriffen. Sollte die Drohne Boris Johnson treffen?

Das Wichtigste in Kürze
- Am Sonntag hat eine russische Kampfdrohne einen Zug an der polnisch-ukrainischen Grenze getroffen.
- Die Bahn vermutet, ein Diplomatenzug könnte nur knapp entkommen sein.
- In diesem Zug sass unter anderem der britische Ex-Premierminister Boris Johnson.
An der ukrainischen Grenze zu Polen hat das russische Militär am Sonntag einen Personenzug mit einer Drohne angegriffen. Nach Angaben der ukrainischen Eisenbahn wurde die Lokomotive des regulären Passagierzugs von Kiew nach Warschau beim Grenzbahnhof Jahodyn angegriffen.
Die Passagiere wurden rechtzeitig evakuiert, niemand sei zu Schaden gekommen, hiess es. Die polnische Regierung warf Moskau eine Verschärfung des Konflikts vor, später sorgte die ukrainische Bahngesellschaft für Aufsehen.

Sie spekulierte, dass möglicherweise ein anderer, mit westlichen Diplomaten besetzter Zug, das Ziel des Angriffs war. Auch Grossbritanniens Ex-Premierminister Boris Johnson soll darin unterwegs gewesen sein.
«Es ist durchaus denkbar, dass das Ziel dieser russischen Drohne auch der Diplomatenzug gewesen sein könnte, der im Rahmen der Anpassung der Fahrpläne in Echtzeit aufgrund der ständigen Gefahr russischer Angriffe früher als ursprünglich vorgesehen vom Bahnhof abgefahren war», schrieb die zuständige Bahngesellschaft auf Telegram.
Offenbar wurde bereits befürchtet, dass sich ein Angriff ereignen könnte, weshalb der Zug mit den Diplomaten früher als geplant losfuhr.
Polens Regierungschef besorgt
«Die Eskalation von russischer Seite ist nun Realität geworden, und die Beispiele dafür rücken immer näher an unsere Grenze heran», sagte Polens Regierungschef Donald Tusk bei einer Sitzung des Krisenstabs.
Auch westliche Politiker sind bei ihren Reisen nach Kiew auf die Bahnverbindung von Polen in die Ukraine angewiesen – der Luftraum über dem Land ist gesperrt.
In einem anderen Zug, der zum Angriffszeitpunkt am Bahnhof stand, habe sich der frühere CIA-Chef David Petraeus aufgehalten.
Boris Johnson spricht von «sinnlosem Angriff»
Der britische Ex-Premier Johnson schrieb auf X: «Ich weiss nicht, welche krude Logik Putin dazu bewogen hat, heute Morgen an der polnischen Grenze eine stillstehende ukrainische Lokomotive in die Luft zu jagen.»
Es sei genau «die Art von willkürlichem und sinnlosem Angriff», dem die Menschen in der Ukraine täglich ausgesetzt seien. Dazu, dass er in einem weiteren Zug in der Nähe des Angriffs gesessen haben soll, äusserte er sich nicht.
Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte unter anderem Angriffe auf Objekte der Eisenbahninfrastruktur in der Westukraine. Diese würden den Transport von Militärgütern aus europäischen Ländern gewährleisten, hiess es. Die Angriffe seien im Tagesverlauf fortgesetzt worden.
Grenzübergänge stellen wegen Gefahr Betrieb ein
Wegen der Gefahr von Luftschlägen stellten zwei Grenzübergänge auf der polnischen Seite zeitweise den Betrieb ein. Mehrere hundert Menschen wurden vorübergehend evakuiert. Am Nachmittag normalisierte sich die Situation an der Grenze wieder.

Regierungschef Tusk verwies darauf, dass Russland in der Vergangenheit bereits versucht habe, Grenzübergänge in Moldawien lahmzulegen. Man habe von Verbündeten zuvor Hinweise bekommen, dass der russische Plan Versuche beinhalten würde, die ukrainischen Grenzübergänge zu desorganisieren und möglicherweise auch zu zerstören – dies könne auch Polen betreffen.
Man müsse mit verstärkten Aktionen Russlands in den kommenden Wochen und Monaten rechnen, sagte Tusk weiter.
Ukrainischer Aussenminister fordert härtere Konsequenzen
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb zuvor, Moskaus Angriffe hätten nahe der polnisch-ukrainischen Grenze in der Region Wolyn eine Lokomotive in Brand gesetzt und eine Tankstelle beschädigt.
Der ukrainische Aussenminister Andrij Sybiha forderte härtere Konsequenzen für Moskau. Russische Angriffe an der polnisch-ukrainischen Grenze seien nicht einfach eine Fortführung der Attacken auf die ukrainischen Staatsgrenzen, schrieb er auf der Plattform X. «Das ist Putins Terror, der direkt an die Türen der EU und der Nato «klopft».
Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Hilfe seit mehr als viereinhalb Jahren gegen eine russische Invasion. Bei russischen Angriffen gibt es immer wieder auch Tote und Schäden im Zugverkehr und an Bahnhöfen.












