In Italien beginnt am Donnerstag in Abwesenheit der Angeklagten der Prozess gegen vier ägyptische Sicherheitsbeamte wegen des Mordes an dem italienischen Doktoranden Giulio Regeni vor fast sechs Jahren.
Menschenrechtsgruppen fordern Gerechtigkeit für Giulio Regeni
Menschenrechtsgruppen fordern Gerechtigkeit für Giulio Regeni - AFP/Archiv

Aussenminister Luigi Di Maio begrüsste den Auftakt zu dem Verfahren in Rom als «ein Ergebnis, auf das niemand in den Wochen nach dem Fund seiner Leiche gehofft hatte». Das Verfahren könnte jedoch an formellen Hürden scheitern.

Den Ägyptern wird Entführung, Verschwörung zum Mord und schwere Körperverletzung vorgeworfen. Regeni, der an der britischen Universität Cambridge promovierte, war am 25. Januar 2016 in Kairo verschwunden. Neun Tage später wurde er am Rand einer Autobahn aufgefunden. Seine Leiche wies schwere Folterspuren auf. Regeni forschte in Kairo zu ägyptischen Gewerkschaften - in dem nordafrikanischen Land ein brisantes Thema.

Das Gericht muss jedoch zunächst darüber entscheiden, ob die vier Beschuldigten Kenntnis von dem gegen sie laufenden Gerichtsverfahren haben, wie es das Gesetz verlangt. Die Angeklagten befinden sich nicht in Italien und die ägyptische Regierung hatte sich geweigert, ihre Kontaktdaten mitzuteilen. Laut den Gerichtsunterlagen handelt es sich um General Tarik Sabir, die Oberstleutnants Athar Kamel und Uhsam Helmi sowie den Major Magdi Ibrahim Abdelal Scharif.

Im Mai hatte ein Richter in einer Voranhörung entschieden, dass die Berichterstattung über die Ermittlungen gegen die Beschuldigten diese erreicht haben müsste. Es ist offen, ob sich das Gericht am Donnerstag dieser Auffassung anschliesst.

Die ägyptische Seite hat die Verwicklung von Sicherheitsdiensten in die Ermordung des 28-Jährigen stets bestritten. Zunächst behauptete sie, Regeni sei bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Später hiess es, er sei das Opfer einer auf die Entführung von Ausländern spezialisierten Bande, die später zerschlagen worden sei.

Der Umgang mit den Ermittlungen hatte immer wieder zu heftigem Streit zwischen Rom und Kairo geführt. Italienische Medien und westliche Diplomaten hatten Mitglieder der ägyptischen Sicherheitkräfte hinter der Tat vermutet.

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