Der prominente Universitätsdozent und Kritiker der radikalislamischen Taliban, Faisullah Dschalal, ist nach seiner Festnahme wieder frei.
Professor Dschalal mit seiner Frau
Professor Dschalal mit seiner Frau - AFP/Archiv

Das Wichtigste in Kürze

  • Universitätsdozent Dschalal hatte Islamisten öffentlich kritisiert.

«Nach mehr als vier Tagen Haft aufgrund unbegründeter Anschuldigungen bestätige ich, dass Professor Dschalal nun endlich freigelassen wurde», schrieb seine Tochter Hasina am Dienstag auf Twitter. Dschalal war am Samstag festgenommen worden, nachdem er die Taliban und deren Regierung im Fernsehen offen kritisiert hatte.

Der Professor der Universität Kabul habe versucht, «die Menschen gegen das System aufzuhetzen, und mit der Würde des Volkes gespielt», hatte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid zur Begründung für die Festnahme gesagt. «Er wurde verhaftet, damit andere nicht ähnliche sinnlose Bemerkungen machen, die die Würde anderer verletzen.»

Dschalal hatte bei einem TV-Auftritt den Taliban-Sprecher Mohammed Naeem als «Kalb» bezeichnet, was in Afghanistan eine schwere Beleidigung darstellt. Ausschnitte der unverblümten Kritik des Professors verbreiteten sich rasant in den Online-Netzwerken.

Taliban-Sprecher Mudschahid veröffentlichte ausserdem Screenshots von mutmasslichen Twitter-Beiträgen des Professors, in denen dieser den Geheimdienstchef der Taliban als einen Handlanger Pakistans bezeichnete. Zudem hiess es, die neue Regierung betrachte die Afghanen als «Esel».

Dschalals Familie zufolge stammen die fraglichen Tweets von einem gefälschten Account. «Die Taliban benutzen diese Posts nur als Vorwand, um eine starke Stimme im Land zum Schweigen zu bringen», sagte Hasina Dschalal der Nachrichtenagentur AFP. Die Stipendiatin der Georgetown Universität in Washington hatte online eine Kampagne für die Freilassung ihres Vaters gestartet.

Der Professor für Rechts- und Politikwissenschaften ist seit langem als Kritiker der afghanischen Führung bekannt. Zu seiner Festnahme äusserte sich auch der Sondergesandte der Bundesregierung für Afghanistan und Pakistan, Jasper Wieck. Er sei «tief besorgt», schrieb er auf Twitter. «Die Afghanen im ganzen Land fordern zu Recht, dass ihr Recht auf freie Meinungsäusserung und ein ordnungsgemässes Verfahren respektiert wird.»

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