Österreich geht am Montag in den Lockdown. Für Samstag werden deshalb Tausende Massnahmen-Kritiker an einer Corona-Demo in der Hauptstadt Wien erwartet.
Coronavirus - Österreich
Eine Fussgängerin geht an abgesperrten Bereichen vor Cafés in Wien vorbei. Wegen des Coronavirus ist die Gastronomie noch immer geschlossen. - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Österreichs Regierung verkündete am Freitag den Lockdown-Hammer ab Montag.
  • Die rechte FPÖ ruft deshalb für heute Samstag zu einer Protestkundgebung in Wien auf.
  • Es werden tausende Menschen erwartet, die Polizei steht mit 1300 Beamten im Einsatz.

Einen Tag nach der Ankündigung eines neuerlichen Lockdowns in Österreich kommt es am Samstag zu Protestkundgebungen. In Wien werden mehrere Tausend Kritiker der Anti-Corona-Massnahmen erwartet. Zu den Demonstrationen rief die rechte FPÖ auf.

Deren Parteichef Herbert Kickl, derzeit selbst an Corona erkrankt, sieht Österreich auf dem Weg in eine «Diktatur». Die Polizei ist nach eigenen Angaben mit 1300 Beamten im Einsatz, unter anderem um die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske zu überwachen

Kein Enddatum für Ungeimpften-Lockdown

In Österreich gilt ab Montag ein Lockdown, der für Geimpfte und Genesene spätestens am 13. Dezember vorbei sein soll. Für Ungeimpfte gelten die Ausgangsbeschränkungen auch darüber hinaus.

Kanzler Alexander Schallenberg (ÖV) nannte am Freitagabend keine Frist für die Aufhebung der Ausgangsbeschränkungen für diese Gruppe. «Wir haben da kein Enddatum», sagte Schallenberg in der ORF-Nachrichtensendung «ZiB2» auf eine entsprechende Frage.

Schallenberg
Alexander Schallenberg, Bundeskanzler von Österreich. - Keystone

Es müsse jetzt endlich gelingen, die Impfquote so weit nach oben zu treiben, dass die Pandemie eingedämmt und künftig kein Lockdown mehr nötig sein werde, sagte der Regierungschef. Er forderte die Ungeimpften auf, von dem Impfangebot nun Gebrauch zu machen.

Van der Bellen warnt vor Spaltung

Zugleich entschuldige er sich bei den Geimpften für den einschneidenden Schritt der ab Montag geltenden Ausgangsbeschränkungen. Er finde es sehr schwer erträglich, dass man von denen, die alles richtig gemacht hätten, jetzt diesen Akt der Solidarität einfordern müsse, sagte Schallenberg.

Die Details der von der Regierung ebenfalls beschlossenen Impfpflicht ab Februar 2022 würden nun von den Experten ausgearbeitet. Welche Ausnahmen es gebe und wie hoch die Strafen bei Verstössen sein sollen, das werde nun erst festgelegt, sagte der Regierungschef.

alexander van der bellen
Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen. - dpa

Unterdessen hat Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen angesichts der Debatten über den neuen Lockdown vor einem Riss in der Gesellschaft gewarnt. «Lassen wir uns nicht auseinander dividieren.» Dies sagte Van der Bellen in einer Fernsehansprache am Freitagabend.

Die Reaktionen sollten nicht von Wut, Schmerz und Ärger beherrscht sein. Sondern von der Einsicht, dass nur Ausgangsbeschränkungen die massive vierte Corona-Welle brechen könnten.

Inzidenz über 1000

Das Staatsoberhaupt verteidigte ausdrücklich auch die von der Regierung angekündigte Impfpflicht. Die Bürger hätten Rechte, aber auch Pflichten. Dazu gehöre die Pflicht, die Gemeinschaft zu schützen, sagte Van der Bellen.

Österreich hat durch die täglichen Rekordzahlen an Corona-Neuinfektionen inzwischen eine Sieben-Tage-Inzidenz pro 100'000 Einwohner von 1050.

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