Mega-Inflation: Russen beginnen zu stehlen
In Teilen Russlands sind Lebensmittel so teuer, dass Menschen erwägen, zu stehlen. Über soziale Medien übt die Bevölkerung Druck auf Putin aus.

Das Wichtigste in Kürze
- Seit den letzten Wahlen sind die Lebensmittelpreise in Sotschi (R) gestiegen.
- Eine Bloggerin beklagte sich darüber in den sozialen Medien und ging viral.
- In der Kommentarspalte wird heftige Kritik an Putin und der Regierung geäussert.
Die steigenden Lebensmittelpreise bringen in Russland immer mehr Menschen in finanzielle Schwierigkeiten. Für manche reicht das Einkommen kaum noch aus, um die täglichen Einkäufe zu bezahlen.
In den sozialen Netzwerken wächst deshalb die Wut über die wirtschaftliche Lage und die politische Führung des Landes.
Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt ein Video der 36-jährigen Bloggerin Swetlana Ischilenko aus Sotschi. Sie arbeitet in einer russischen Supermarktkette und zeigte Aufnahmen, auf denen Mitarbeiterinnen zahlreiche Preisschilder austauschen.

Ihren Angaben zufolge wurden die Preise nach den Wahlen deutlich erhöht. Auf den neuen Schildern waren Steigerungen zwischen 18 und 33 Prozent zu erkennen. Das Video verbreitete sich rasch im Internet und wurde millionenfach angesehen.
Einkaufen wird für viele zum Luxus
Unter dem Beitrag schilderten zahlreiche Nutzer ihre schwierige finanzielle Situation. Viele berichteten, dass sie sich immer weniger Lebensmittel leisten könnten und beim Einkauf zunehmend auf Produkte verzichten müssten.
Ein Nutzer beschrieb die Situation mit den Worten: «Wir gehen mittlerweile einkaufen wie in einem Museum.» Manche Menschen können sich die Waren zwar ansehen, aber kaum noch leisten.
Eine Person erklärte, dass sie sich von Lebensmitteln aus dem eigenen Garten ernähre, weil das Geld für zusätzliche Produkte fehle.
Verzweiflung und Kritik an Putin wächst
Neben den hohen Preisen richtet sich der Unmut vieler Nutzer gegen die russische Regierung und Präsident Wladimir Putin. In den sozialen Netzwerken machen sie ihrem Ärger über die wirtschaftliche Entwicklung Luft.
Dabei wird auch der Name der Regierungspartei «Einiges Russland» aufgegriffen und ironisch in «Hungriges Russland» umgewandelt.
Besonders drastisch fällt der Kommentar eines Nutzers aus, der angesichts seiner finanziellen Schwierigkeiten schreibt: «Ich beginne zu stehlen.» Die Aussage verdeutlicht, wie verzweifelt sich manche Menschen angesichts ihrer Lage fühlen.
Kritik am Arbeitsplatz hat Folgen
Für Swetlana Ischilenko und eine Kollegin blieb die Veröffentlichung des Videos offenbar nicht ohne Konsequenzen. In einem weiteren Clip berichtete die Bloggerin, dass beide Frauen entlassen worden seien.
Nach ihrer Darstellung habe das Unternehmen befürchtet, dass die Aufnahmen dem Ruf der Supermarktkette schaden könnten.
Ischilenko kritisierte diese Entscheidung und betonte, dass sie die Preiserhöhungen nicht selbst verursacht habe. Sie habe lediglich auf die Veränderungen aufmerksam gemacht.




















