Medizin-Influencerin gibt Tipps zu erfundener Krankheit
Eine Arzt-Influencerin klärt über eine angebliche Krankheit auf – und beruft sich dabei sogar auf ihr Medizinstudium. Doch die Erkrankung wurde frei erfunden.

Das Wichtigste in Kürze
- Für ein Experiment erfand der Youtuber Marvin Wildhage die Krankheit «Post Viral Nose Hypersensitivity».
- Eine Medizin-Influencerin fällt auf den Schwindel herein und spricht öffentlich über die angeblichen Symptome.
- Nun hat sich die Universität, an der die 27-Jährige tätig war, von ihr distanziert.
Eine unbekannte Krankheit taucht plötzlich im Internet auf. Sie trägt einen komplizierten Namen, soll typische Symptome auslösen – und wirkt auf den ersten Blick erstaunlich glaubwürdig.
Sogar eine Medizin-Influencerin spricht öffentlich darüber. Das Problem: Die Krankheit existiert gar nicht.
Genau darauf setzte YouTuber Marvin Wildhage. Für sein neustes Experiment erfand der 30-Jährige die «Post Viral Nose Hypersensitivity» (PVNH). Er wollte herausfinden, ob Medizin-Influencer gegen Bezahlung Werbung für die Kampagne eines fiktiven Pharmaunternehmens machen würden.
Um den Schwindel möglichst überzeugend wirken zu lassen, gründete Wildhage eine erfundene Pharmafirma. Er liess eine vermeintliche Expertin auftreten und baute eine professionell gestaltete Website auf.
Arztkollegin nach Pinocchios Vater benannt
Offenbar mit Erfolg: Medizin-Influencerin Alina Walbrun griff das Thema auf und erklärte ihren Followern die vermeintliche Erkrankung inklusive der Symptome. Das Krankheitsbild sei ihr bereits aus dem Medizinstudium bekannt, sagte die 27-Jährige.
Dass sich im Internet keinerlei Informationen dazu finden liessen, machte sie offenbar nicht stutzig. Ebenso wenig der Name der angeblichen Ärztin, die das Projekt gemäss Wildhages Briefing leitete.
«Dr. Beatrice Gepetto» sollte die Frau heissen, wie «Bild» berichtete. Eine Anspielung auf Geppetto, den Vater der Holzfigur Pinocchio, dessen Nase beim Lügen wächst. Die Kampagne sollte gezielt ängstliche Menschen ansprechen.
Universität distanziert sich
Erst später machte Wildhage in seinem YouTube-Video öffentlich, dass hinter PVNH nichts weiter als ein inszenierter Test steckt. Nach seinen Angaben habe es mehrere Hinweise gegeben, die Zweifel an der Echtheit der Kampagne hätten wecken können. Trotzdem kam die Zusammenarbeit zustande.
Auch die Ludwig-Maximilians-Universität München, an der Walbrun damals tätig war, äusserte sich. Die 27-Jährige sei inzwischen nicht mehr am LMU-Klinikum beschäftigt, teilte die Universität mit.
Zugleich distanzierte sie sich von «unwissenschaftlichen Aussagen, die den Grundsätzen einer evidenzbasierten Medizin widersprechen».
Walbrun: «War falsch und irreführend»
Walbrun selbst räumte ihren Fehler gegenüber der «Bild» ein. Sie habe den Krankheitsbegriff nicht ausreichend überprüft und später so darüber gesprochen, als kenne sie ihn aus dem Studium.
«Das war falsch und irreführend», sagte sie. Gerade aufgrund ihrer medizinischen Ausbildung hätte ihr dieser Fehler nicht passieren dürfen. Eine Rechtfertigung dafür gebe es nicht.
Die 3800 Euro, die sie für den Beitrag erhalten habe, wolle sie nun spenden. Einen entsprechenden Nachweis veröffentlichte sie am Samstag auf Instagram.



















