Betreutes Wohnen: Sind 10'000 Schritte pro Tag für Senioren gut?
Neue Forschung zeigt, ob 10'000 Schritte pro Tag im Alter wirklich nötig sind. So können sich Seniorinnen und Senioren im Betreuten Wohnen fit halten.

Das Wichtigste in Kürze
- 10'000 Schritte pro Tag gelten als Richtwert, auch für ältere Menschen.
- Wichtig für die Gesundheit ist, sich überhaupt zu bewegen.
- Im Betreuten Wohnen kann die Bewegung älterer Menschen gezielt gefördert werden.
Kaum ein Gesundheitsziel ist so bekannt wie die tägliche Marke von 10'000 Schritten. Fitnessuhren zeigen sie an, Apps melden das Erreichen mit einem kleinen Signal. Für ältere Menschen stellt sich die Frage, ob 10'000 Schritte überhaupt machbar sind.
Wer mit 85 Jahren am Rollator unterwegs ist, erreicht diese Zahl im Alltag oft kaum. Im Betreuten Wohnen kommt das Thema deshalb regelmässig zur Sprache. Hier kann mit viel Training und Hilfe der Angestellten das Laufen neu erlernt werden.
Die Zahl stammt nicht aus der Medizin
Die 10'000 Schritte haben keinen wissenschaftlichen Ursprung. Sie gehen auf eine japanische Werbekampagne aus den 1960er-Jahren zurück. Der damalige Schrittzähler hiess «Manpo-kei», übersetzt etwa 10'000-Schritte-Messer.

Die runde Zahl war eingängig und blieb hängen. Eine medizinische Herleitung fehlte von Anfang an. Erst in den vergangenen Jahren haben grössere Auswertungen untersucht, ab welcher Schrittzahl ein messbarer Nutzen entsteht. Auch für ältere Menschen sind die Ergebnisse interessant.
Sieben statt zehn
Wie die Universität Sydney in einer Studie von 2025 zeigt, liegt der entscheidende Bereich tiefer als angenommen. Das Team wertete 57 Untersuchungen aus mehr als zehn Ländern aus. Wer täglich rund 7000 Schritte ging, hatte gegenüber 2000 Schritten ein um 47 Prozent geringeres Sterberisiko.

Bei 10'000 Schritten war der zusätzliche Nutzen nur noch gering. Ähnlich sah es beim Demenzrisiko aus. Es war bei 7000 Schritten um 38 Prozent geringer, die zusätzlichen 3000 Schritte brachten nur noch wenig dazu.
Wie sich die Schweiz bewegt
Wie das Bundesamt für Gesundheit anhand der Schweizerischen Gesundheitsbefragung festhält, erfüllten 2022 rund 76 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz die Bewegungsempfehlungen. Der Anteil ist seit 2002 deutlich gestiegen und lag 2017 bereits auf einem ähnlich hohen Niveau.

Empfohlen werden mindestens zweieinhalb Stunden Bewegung pro Woche bei mittlerer Intensität. Dazu kommen an mindestens zwei Tagen muskelkräftigende Übungen.
Für ältere Menschen werden zusätzlich Aktivitäten empfohlen, die Gleichgewicht und Koordination fördern. Eine feste Schrittzahl ist hier jedoch nicht verankert.
Was das für betreutes Wohnen bedeutet
Im Betreuten Wohnen leben Menschen mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen. Manche gehen täglich einkaufen, andere brauchen für kurze Strecken Unterstützung. Eine starre Vorgabe von 10'000 Schritten ist deshalb wenig sinnvoll.
Sie kann sogar entmutigen, wenn sie unerreichbar bleibt. Sinnvoller ist ein persönlicher Ausgangswert. Wer aktuell 1500 Schritte schafft, kann sich beispielsweise schrittweise auf 2000 oder 2500 steigern.

Die Forschung zeigt, dass bereits eine Erhöhung der täglichen Schrittzahl gesundheitliche Vorteile bringen kann. Entscheidend ist die Regelmässigkeit, nicht das Erreichen einer bestimmten runden Zahl.
Spaziergänge als einfachste Grundlage
Der Spaziergang bleibt die beliebteste Form der Bewegung. Viele betreute Wohnen Anlagen liegen bewusst in der Nähe von Parks, Seeufern oder ruhigen Quartierstrassen. Bewohnerinnen und Bewohner gehen allein, in Gruppen oder gemeinsam mit dem Betreuungspersonal. Begleitete Spaziergänge haben einen doppelten Nutzen.

Sie geben Sicherheit bei unsicherem Gang und schaffen gleichzeitig Gespräche. Bei schlechtem Wetter weichen viele auf die Gänge im Haus aus. Auch mehrere kurze Runden über den Tag verteilt summieren sich.
Angebote innerhalb der Anlage
Über den Spaziergang hinaus bieten viele Häuser eigene Programme an. Verbreitet sind Sitzgymnastik, Wassergymnastik im nahen Hallenbad und Kurse für Gleichgewicht.

Dazu kommen Angebote, die kaum nach Sport aussehen. Tanznachmittage, Gartenarbeit im Hochbeet oder andere gemeinsame Aktivitäten bringen ebenfalls Bewegung. Wer den Alltag aktiv gestaltet, sammelt Schritte ganz nebenbei.
Kraft und Gleichgewicht zählen mit
Gehen allein deckt nicht alles ab. Mit den Jahren nehmen Muskelmasse und Gleichgewichtsfähigkeit ab, was Stürze begünstigen kann. Deshalb empfehlen Fachstellen ergänzend ein Training für Kraft, Gleichgewicht und Koordination.

Aufstehen vom Stuhl ohne Hände, Zehenstände am Geländer oder Gehen auf einer Linie eignen sich als einfache Übungen. Solche Übungen lassen sich mehrmals pro Woche in wenigen Minuten erledigen.













