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    Italien-Botschafter: Werft Crans-Montana-Rechnungen «in Kübel»

    Luna Gerber
    Luna Gerber

    Italien,

    Bei den Opferfamilien der Brandkatastrophe trudeln Spital-Rechnungen ein. Zahlen müssen sie sie nicht selbst. Der italienische Botschafter übt trotzdem Kritik.

    crans-montana
    Die Angehörigen von Opfern der Brandkatastrophe in Crans-Montana haben Spitalrechnungen erhalten, die sie zwar nicht selbst zahlen müssen – die aber trotzdem für Unmut sorgen. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Nach der Crans-Montana-Tragödie bittet die Schweiz den südlichen Nachbarn zur Kasse.
    • Italiens Botschafter übt Kritik und fordert dazu auf, die Rechnungen zu ignorieren.
    • Die Schweiz verteidigte ihr Vorgehen erst. Nun räumt sie Fehler ein.

    Nach dem Silvesterbrand in Crans-Montana VS macht der italienische Botschafter in der Schweiz, Gian Lorenzo Cornado, eine klare Ansage: «Die Rechnungen, die bereits eingegangen sind, und diejenigen, die noch kommen sollten, werft sie in den Abfallkübel, klar?»

    Diese unmissverständliche Nachricht richtet der Botschafter an die Angehörigen der Betroffenen.

    Gian Lorenzo Cornado
    Der italienische Botschafter der Schweiz, Gian Lorenzo Cornado, ruft dazu auf, die Spitalrechnungen «in den Müll» zu werfen. Die Schweiz solle zahlen. - keystone

    Die Schweiz beharrt nämlich auf die Behandlungskosten der Opfer von Crans-Montana – ganz zur Unfreude der südlichen Nachbarn.

    «Die Sache ist erledigt, Italien wird nicht zahlen», sagt er dem italienischen «Corriere della Sera».

    Neue Videoaufnahmen belasten die Schweizer Behörden

    Cornado erwähnt auch die Überwachungskamera-Aufnahmen vom Ort des Geschehens, der Bar «Le Constellation». Kürzlich wurde bekannt, dass die Angehörigen der Opfer sich die Bilder anschauen dürfen.

    Der Botschafter ist überzeugt, dass diese Bilder «die Position der Schweiz noch unhaltbarer machen».

    Cornado vermutet einen Reputationsschaden für die Schweiz, denn: Die Aufnahmen würden Versäumnisse der Lokalbetreiber, der Gemeinde Crans-Montana und des Kantons Wallis belegen.

    Cornado bezeichnete das Lokal als «brennende Höhle», die zur «Todesfalle» wurde.

    Stand jetzt sind bereits bei etwa der Hälfte der italienischen Betroffenen die Rechnungen für die Spitalkosten angekommen.

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    Auch bei Italiens Aussenminister Antonio Tajani machte sich zuletzt Empörung breit, wie SRF berichtet: «Natürlich zahlen wir nicht. Was hat Italien damit zu tun?»

    Die Verantwortung liege «allein bei dem Betreiber des Lokals und bei denjenigen, die für die Kontrollen zuständig waren».

    Bund: Nicht Opfer müssen zahlen, sondern italienische Versicherungen

    Die Direktorin des Bundesamtes für Sozialversicherungen, Doris Bianchi, verteidigte die Rechnungsausstellungen gegenüber SRF: «Die Kosten müssen vom italienischen Sozialversicherungssystem übernommen werden, nicht von den Opfern, nicht von den Familien.»

    Sollte Italien die Spitalrechnungen der italienischen Brandopfer zahlen?

    Seitens der Schweizer Behörden wurde das Verschicken der Rechnungen an die Familien mittlerweile als Fehler eingesehen. Das scheint Cornado jedoch wenig zu kümmern.

    Er sieht ein grundsätzliches Problem im Umgang mit dem Unglück.

    Botschafter kritisiert Schweizer Behörden – lobt aber Ermittlungen

    In der Aufarbeitung der Brandtragödie habe Italien einen «ethischen Ansatz» gewählt. Was man – so der Botschafter – von der Schweiz nicht behaupten könne.

    Die südlichen Nachbarn hätten etwa «in Crans mit dem Zivilschutz zusammengearbeitet, ohne danach irgendjemanden um etwas zu bitten».

    Die Schweizer hingegen hätten, kritisiert Cornado, den «bürokratischen Ansatz gegenüber dieser Tragödie: Als hätten wir es mit einem Unfall, einem Zwischenfall zu tun.»

    Dennoch: Mit dem Stand der Ermittlungen ist Cornado gemäss «Corriere» sehr zufrieden: «Von einem Anwalt der Familien habe ich erfahren, dass die Ermittlungen zügig voranschreiten, und das tröstet mich.»

    Auch Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hatte sich bereits kritisch geäussert zu den Rechnungen aus der Schweiz.

    Kommentare

    User #6209 (nicht angemeldet)

    Ich frage mich, was hat die Schweiz als Land damit zu tun? Es ist eine zivilrechtliche Sache, das betrifft Versicherungen, Betreiber und die Gemeinde. Niente Swizzera!... 😉 😂

    User #6209 (nicht angemeldet)

    Es ist ja nur eine Kopie, zu Kontrolle, nichts weiter. Kann selbst das Botschaftspersonal nicht mal mehr lesen? Manoman... 😉 😂

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