Italienische Politiker verärgert über «kalte Schweizer Bürokratie»
Der Umgang der Schweiz mit den Opfern der Brandkatastrophe von Crans-Montana hat auch am Wochenende in Italien für empörte Reaktionen gesorgt. Laut italienischen Nachrichtenagenturen lautet der Tenor: die Schweiz stelle bürokratische Prinzipien über nachbarschaftliche Hilfe.

So zitierte die italienische Nachrichtenagentur Ansa den Parlamentarier Andrea Pellicini mit den Worten, die Schweiz habe immer noch nicht begriffen, dass es um keinen lokalen Vorfall gehe, sondern um eine europäische Katastrophe. Die nach Italien geschickten Rechnungskopien seien «kalte Bürokratie ohne Würde».
Pellicini von der Partei Fratelli d'Italia ist laut Ansa Mitglied der interparlamentarischen Freundschaftsgruppe Italien-Schweiz.
Eine weitere italienische Nachrichtenagentur, askanews, sprach mit dem Direktor der Fachschule für Hygiene und Präventivmedizin an der staatlichen Mailänder Universität. Fabrizio Pregliasco sagte laut einer Meldung, Rechnungen für die Behandlung von italienischen Brandopfern nach Italien zu schicken, sei zutiefst unangemessen und ethisch inakzeptabel.
Schon am Freitagabend hatte sich Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni in einer Kurznachricht auf der Plattform X zu den neusten Entwicklungen geäussert, wie das Schweizer Fernsehen SRF am Samstag berichtete. Wenn die Presseberichte über Kostenforderungen aus der Schweiz richtig seien, sei das eine «schändliche Forderung», so Meloni.
Und der italienische Botschafter in der Schweiz sagte im Fernsehen SRF, die Mentalitäten und Sensibilitäten in Italien seien halt eher ethisch geprägt, jene in der Schweiz eher bürokratisch.
Dabei hatte der Walliser Staatsratspräsident Mathias Reynard Botschafter Gian Lorenzo Cornado am Freitag an einem Treffen im Wallis erläutert, am Spital von Sitten behandelte italienische Brandopfer müssten für die Behandlung nichts bezahlen. Die italienischen Familien seien bereits Ende Februar bis Anfang März schriftlich über das Vorgehen informiert worden, falls sie entsprechende, für sie nicht zahlungspflichtige Rechnungen erhielten.
Auch das Bundesamt für Sozialversicherungen meldete sich am Samstag. Es teilte mit, wenn Ausländerinnen oder Ausländer in einem Schweizer Spital behandelt würden, erhalte deren ausländischer Krankenversicherer die Rechnung, nicht die betroffene Person. Diese erhielten lediglich eine Rechnungskopie zur Kontrolle.
Die Kosten für die medizinische Versorgung der Betroffenen sei unabhängig vom Ausgang der laufenden Haftungsabklärungen vollumfänglich sichergestellt.






