Am Jahrestag des antisemitischen Terroranschlags in Halle (D) gedenkt die Stadt den Todesopfern. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm ebenfalls teil.
Halle
Kundgebung der Initiativen «Migrant Voices Halle» und «Niemand wird vergessen» am Abend in Halle. - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Vor zwei Jahren verübte ein Antisemit in Halle (D) einen Anschlag.
  • Hunderte Menschen in Halle gedachten am Jahrestag den Todesopfern.
  • Die deutsche Bundeskanzlerin rief bei ihrer Gedenkanrede gegen Antisemitismus auf.

Zwei Jahre nach dem Terroranschlag auf die Synagoge in Halle haben Hunderte Menschen der Opfer und Hinterbliebenen gedacht. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) warnte vor der Verharmlosung von Antisemitismus, Rechtsextremismus und Rassismus.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sicherte bei einem Besuch in Israel zu, dass auch jede künftige Bundesregierung Antisemitismus entschieden bekämpfen werde. In Berlin sorgte eine Attacke auf einen ehemaligen israelischen Soldaten für Bestürzung.

Haseloff betonte beim Gedenken an den Anschlag von Halle am 9. Oktober 2019, dass die Erinnerung an den Holocaust wachgehalten und von Generation zu Generation weitergetragen werden müsse. Hierfür hätten nicht nur die Schulen Sorge zu tragen, sondern auch Familien, Freundeskreise, Vereine, Verbände und Parteien.

Glocken läuteten zum Gedenken

Am Samstagmittag hielten Hunderte Menschen auf dem Marktplatz in Halle minutenlang inne, um der Opfer des Attentats zu gedenken. Ab 12.04 Uhr läuteten dazu die Glocken der Marktkirche und des Roten Turms.

Zu dieser Uhrzeit hatte der Attentäter versucht, in der voll besetzten Synagoge der Jüdischen Gemeinde zu Halle ein Blutbad anzurichten. An diesem Tag feierte die Gemeinde den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur.

Als ihm dies nicht gelang, erschoss er auf der Strasse Jana L. und wenig später in einem Döner-Imbiss Kevin S.. Auf seiner Flucht verletzte er mehrere Menschen schwer. Das Oberlandesgericht Naumburg verurteilte Stephan Balliet 2020 zu lebenslanger Haft mit Sicherungsverwahrung.

Aussenminister Heiko Maas (SPD) twitterte am Samstag: «Antisemitismus & rechter Terror sind bittere Realität in Deutschland. Es ist die Aufgabe des Staates, das Leben aller zu schützen. Und die Aufgabe aller, sich jeglichem Rassismus & Antisemitismus entgegenzustellen.»

Merkel ruft gegen Antisemitismus auf

Angriffe auf Jüdinnen und Juden seien «Angriffe auf unsere Demokratie, unsere Freiheit und unsere Werte. Wir werden Antisemitismus mit der vollen Härte des Rechtsstaates bekämpfen.» Das sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte der Deutschen Presse-Agentur.

Merkel sagte bei ihrem Abschiedsbesuch in Jerusalem: «Wir wissen, dass auch heute Antisemitismus in Deutschland vorkommt, dass er sogar verstärkt vorkommt.» Sie habe für die derzeitige und jede künftige Bundesregierung deutlich gemacht. «Wir werden uns gegen alle Erscheinungsformen des Antisemitismus entschieden wehren.»

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