Der Klima-Kurs stimmt nicht, da sind sich die Redner bei der UN-Generaldebatte fast alle einig. Vor der Klimakonferenz versuchen es der UN-Chef und der britische Premier mit Druck - und Witz.
Antonio Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen. Foto: John Minchillo/POOL AP/dpa
Antonio Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen. Foto: John Minchillo/POOL AP/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Wenige Wochen vor der mit Spannung erwarteten und zu scheitern drohenden Klimakonferenz von Glasgow wird der Druck auf stärkere Anstrengungen grösser.

«Ich fordere alle Mitgliedstaaten auf, in ihren nationalen Beiträgen für Cop 26 mehr Ehrgeiz zu zeigen und ihre Verpflichtungen in konkrete und sofortige Massnahmen umzusetzen», appellierte UN-Generalsekretär António Guterres bei einer hochrangig besetzten Sitzung des UN-Sicherheitsrats zum Thema Klima und Sicherheit. Konkret heisse das, dass bis 2030 die globalen Emissionen um 45 Prozent gesenkt werden müssen. Sonst würden die «verheerenden Auswirkungen» der Klimakrise unkontrollierbar.

Bei der zeitgleich laufenden Generaldebatte der UN-Vollversammlung versuchte der britische Premier Boris Johnson - bei der Konferenz in Glasgow im November Gastgeber - mit Witz: «Als Kermit der Frosch "Es ist nicht leicht, grün zu sein" sang - Erinnern Sie sich dran? - Ich möchte, dass Sie wissen, dass er falsch lag. Er lag falsch. Es ist nicht nur einfach, es ist lukrativ und es ist richtig, grün zu sein!», so Johnson über die bekannte Froschfigur aus der «Muppet Show». Er fügte hinzu: «Mal ganz davon abgesehen, dass er auch zu Miss Piggy unnötig grob war, wie ich finde.»

Dabei betonte Johnson ausserdem, dass die Menschheit ihr Schicksal selbst in der Hand habe: «Wir haben eine grossartige Macht, Dinge zu ändern oder zum Besseren zu verändern, und eine grossartige Macht, uns selbst zu retten». In seiner Rede dankte der britische Ministerpräsident, der für seine albernen Auftritte bekannt ist, Chinas Staatspräsident Xi Jinping für seine Ankündigung, keine Kohlekraftwerke mehr zu exportieren. Auch lobte er US-Präsident Joe Biden für dessen Versprechen von Milliarden zusätzlichen Dollar an Klimahilfen.

Der Premier machte dabei auch klar, dass der weltweite Kurs im Kampf gegen die Erderwärmung mit einem prognostizierten Temperaturanstieg von 2,7 Grad bis 2100 fatal ist. «Ich hoffe, dass Cop 26 wie ein 16. Geburtstag für die Menschheit wird, bei der es nicht viel Elend gibt, sondern eine Party, bei der wir uns dazu entscheiden, erwachsen zu werden», sagte Johnson. Deswegen müssten bei der Klimakonferenz «die Kerzen einer brennenden Welt» ausgepustet werden.

Bereits Anfang der Woche hatten Guterres und Johnson eine Schalte von Staats- und Regierungschefs einberufen, bei der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnahm. Sitzungsteilnehmern zufolge wurde der Ton hinter verschlossenen Türen direkt - unter anderem in Bezug auf die jährlichen Klimahilfen für Entwicklungsländer, die 2021 die anvisierte Marke von 100 Milliarden Dollar vermutlich erneut nicht erreichen wird.

Guterres warnt vor Konflikten

Auch mit Blick auf die internationale Sicherheit warnte Guterres vor den Auswirkungen der Klimakrise. Diese könne auch regionale Konflikte weiter eskalieren: «Es ist klar, dass Klimawandel und Umweltmisswirtschaft Risikomultiplikatoren sind, wo die Bewältigungskapazitäten begrenzt sind», sagte der UN-Chef. Die Abhängigkeit von schrumpfenden Ressourcen wie Wasser oder fruchtbaren Böden könnten ohnehin schon bestehende Spannungen vor Ort noch verstärken.

Guterres forderte zudem eine klimafreundlichere Produktion und gerechtere Verteilung von Nahrungsmitteln weltweit. «Wir müssen eine Welt bauen, in der gesundes und nahrhaftes Essen jederzeit für alle vorhanden und bezahlbar ist», sagte er am Donnerstag bei einem Gipfel zum Kampf gegen den Hunger am Rande der UN-Vollversammlung in New York. Guterres erinnerte daran, dass drei Milliarden Menschen weltweit sich keine gesunde Ernährung leisten könnten und 462 Millionen Menschen untergewichtig seien - während gleichzeitig zwei Milliarden Menschen übergewichtig seien und fast ein Drittel aller Nahrungsmittel verloren gingen oder weggeworfen würden.

Unterdessen hat der New-York-Besuch des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro nach mehreren positiven Corona-Tests in seiner Delegation ein Nachspiel. Berichten zufolge ging der Corona-Verharmloser nach seiner Rückkehr aus New York in eine zunächst fünftägige Quarantäne. Auch der Rest seiner Delegation soll nach Angaben der UN zwei Wochen in Isolation.

Hintergrund ist die Corona-Infektion von Gesundheitsminister Marcelo Queiroga. Dieser hatte am Dienstag mit Bolsonaro an der Generaldebatte der Vereinten Nationen teilgenommen und sich dabei auch im UN-Hauptquartier am East River aufgehalten. Zuvor war ein weiteres Mitglied der Delegation positiv getestet worden.

Bundesaussenminister Heiko Maas sagte am Rande seiner Termine in New York mit Blick auf die Wahlen in Deutschland, dass er künftig nicht von einem Kurswechsel in der deutschen Aussenpolitik ausgeht. «Auf die Verlässlichkeit der deutschen Aussenpolitik wird man auch in Zukunft setzen können», sagte der SPD-Politiker am Donnerstag wenige Tage vor der Bundestagswahl. Maas wird nach einigen Treffen vor allem zu Libyen und Afghanistan New York am Donnerstag verlassen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier soll am Freitag die deutsche Rede vor der Generalversammlung halten.

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