Schweizer Apotheken verkauften trotz Gefahr Baby-Milchpulver
Der Säuglingsnahrungs-Skandal um den Giftstoff Cereulid schien unter Kontrolle. Doch die gefährlichen Produkte wurden offenbar weiterhin verkauft.

Das Wichtigste in Kürze
- Im Februar wurde zahlreiche mit Cereulid verunreinigte Babynahrung zurückgerufen.
- Der Bund beruhigte daraufhin, die Lage sei «stabilisiert».
- Neue Recherchen zeichnen nun jedoch ein anderes Bild.
Der Skandal um mit Cereulid verunreinigtes Milchpulver hat weltweit für Aufsehen gesorgt. Auch die Schweiz ist betroffen.
Wie das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit (BLV) Anfang Februar mitteilte, waren zwei von insgesamt 33 untersuchten Proben belastet. Betroffen waren einzelne Produkte der Marken Beba, Alfamino, Bimbosan, Aptamil und Babybio.
Das BLV liess sie umgehend vom Markt entfernen, wie es in einer Mitteilung heisst. Kurz darauf versuchte der Bund zu beruhigen: Die Lage sei «stabilisiert», hiess es. Man gehe nicht davon aus, dass weitere grössere Rückrufe notwendig würden.
Neue Recherchen der Sendung «Bon Entendeur» – quasi das RTS-Pendant zum Kassensturz von SRF – stellen diese Einschätzung jedoch infrage.
Verunreinigte Produkte weiterhin im Umlauf?
So sollen zwischen dem 12. und 13. Februar in 16 Apotheken der Westschweiz zwei potenziell gefährliche Milchpulver-Produkte entdeckt worden sein. Es handelt sich um Säuglingsnahrung der Marke Aptamil des Herstellers Danone.
Brisant daran: Laut Angaben des BLV hätten diese Produkte zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr verkauft werden dürfen. Das legt nahe, dass verunreinigtes Milchpulver weiterhin im Umlauf gewesen sein könnte.
Das BLV weist diesen Vorwurf zurück. Zwei Tage nach dem Fund betonte eine Sprecherin in einem Interview: «Für Eltern ist es wichtig zu wissen, dass sie sich keine Sorgen machen müssen.» Alle gefährlichen Produkte seien vom Markt genommen worden.
Auf die Funde angesprochen, erklärt das Amt, man habe sich «auf offizielle Unterlagen von Unternehmen und Behörden gestützt». Grundsätzlich seien die betroffenen Unternehmen verpflichtet, verunreinigte Produkte eigenständig zurückzurufen.
Ursprung des Skandals liegt im Ausland
Seinen Anfang nahm der Fall bereits am 29. November 2025 in den Niederlanden. Dort wurde der Giftstoff Cereulid zufällig in einem Milchpulver von Nestlé entdeckt.
Nachdem die niederländischen Behörden am 12. Dezember zahlreiche Produkte zurückrufen liessen, erklärte Nestlé zunächst, dass die Schweiz nicht betroffen sei. Das entsprechende Milchpulver werde hierzulande nicht vertrieben.
Doch Anfang Februar folgte die Kehrtwende: Am 5. Februar wurden auch in der Schweiz erste Nestlé-Produkte zurückgerufen. Kurz darauf betrafen die Massnahmen auch Produkte der Marken Hochdorf und Danone.
Alle Unternehmen arbeiten mit demselben Lieferanten zusammen, Der seinen Sitz in China hat.












