Die Lokführergewerkschaft GDL ruft zum längsten Streik im Personenverkehr auf: Ab Donnerstag soll der Personenverkehr der Deutschen Bahn still stehen.
Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ruft zu einer dritten Streikwelle auf. Foto: Oliver Berg/dpa
Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ruft zu einer dritten Streikwelle auf. Foto: Oliver Berg/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Erneut droht ein tagelanger Streik der Lokführer in Deutschland.
  • Die Gewerkschaft ruft zur längsten Arbeitsniederlegung der Deutschen Bahn auf.

Nach Monaten bleibt der Tarifkonflikt bei der Bahn ungelöst, die GDL will den Abschluss erzwingen. Nun ist die nächste Welle angekündigt - mit fünf Tagen im Personenverkehr ist es die bisher längste.

Dritter und bisher längster Streik für Bahnkunden: Die Lokführergewerkschaft GDL ruft von diesem Donnerstag ab 2.00 Uhr bis Dienstagfrüh in der kommenden Woche zu einem fünftägigen Ausstand im Personenverkehr der Deutschen Bahn auf.

Streik im Güterverkehr ab Mittwoch

Im Güterverkehr soll der Streik bereits an diesem Mittwoch beginnen. «Es ist eine der längsten Arbeitskampfmassnahmen, die wir durchführen und zwar absichtlich», sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Claus Weselsky am Montag in Frankfurt am Main. «Wir sehen uns angesichts der Blockadehaltung der DB-Manager nicht bereit und nicht gewillt, hier kürzere Arbeitskampfmassnahmen durchzuführen.» Unbefristete Streiks stünden derzeit aber nicht zur Debatte, betonte Weselsky.

Güterzug auf dem Hauptbahnhof Augsburg
Güterzug auf dem Hauptbahnhof Augsburg - dpa/AFP

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) setzt sich für eine höhere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten ein. Dabei will die GDL auch im Konkurrenzkampf mit der grösseren der beiden Bahn-Gewerkschaft punkten, der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).

Pendler und Urlaubsreisende betroffen

Der Arbeitskampf wird neben hunderttausenden Pendler wieder auch zahlreiche Reisende treffen. Die Urlaubssaison läuft, in mehreren Bundesländern sind noch Schulferien.

Der jüngste Streik war in der Nacht zu Mittwoch vergangener Woche zu Ende gegangen. Der Bahn reagierte mit Notfahrplänen. Im Fernverkehr konnten bis zu 30 Prozent des Angebots aufrechterhalten werden, im Regionalverkehr einschliesslich der S-Bahnen waren es im Schnitt 40 Prozent. Am Tag nach den bisherigen Streiks lief der Verkehr wieder weitgehend normal.

Deutsche Bahn
Pendler vor einem Zug der deutschen Bahn. - Dpa

Im Tarifkonflikt gab es seither keine Annäherung mit dem Management. In Interviews der vergangenen Tage hatte Bahnchef Richard Lutz die Gewerkschaft aufgerufen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Dem GDL-Vorsitzenden Claus Weselsky warf er zugleich vor, mit Falschbehauptungen die Belegschaft zu spalten.

Streit um Zeitpunkt der Tariferhöhungen

Die Bahn will zwar die Löhne und Gehälter wie von der GDL gefordert um 3,2 Prozent erhöhen. Umstritten ist jedoch, zu welchen Zeitpunkten die einzelnen Stufen greifen sollen und wie lange der neue Tarifvertrag gelten soll.

Auch eine Corona-Prämie für dieses Jahr hat die Bahn angeboten, ohne sie jedoch zu beziffern. Die GDL fordert 600 Euro. Gerungen wird auch um die Betriebsrenten; hier haben sich beide Seiten noch nicht aufeinander zubewegt.

Die Gewerkschaft will ihren Einfluss im Bahnkonzern ausweiten. Vor dieser Tarifrunde hatte sie zuletzt 2014 und 2015 bei der Bahn gestreikt. So gelang es ihr, auch für Zugbegleiter einen Rahmentarif auszuhandeln. Nun will sie auch die Fahrzeuginstandhaltung, den Netzbetrieb und die Fahrweginstandhaltung sowie die Rahmenbedingungen für die Auszubildenden tarifieren.

Diese vertritt jedoch in der Regel die EVG, deshalb lehnt die Bahn das ab. Denn nach dem Tarifeinheitsgesetz gilt der Vertrag der Gewerkschaft, die im jeweiligen Betrieb die meisten Mitglieder hat.

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