Patrick Hässig: «Stärke der Demokratie zeigt sich nach Abstimmung»
Die Stimmbeteiligung von 58,9 Prozent ist eine der zehn höchsten seit Einführung des Frauenstimmrechts. «Die direkte Demokratie lebt», schreibt Patrick Hässig.

Das Wichtigste in Kürze
- GLP-Nationalrat Patrick Hässig schreibt auf Nau.ch regelmässig Kolumnen.
- Heute schreibt er über den Abstimmungssonntag.
Ich bin froh über die gestrige Ablehnung der SVP-Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!». Dieses Resultat ist wichtig.
Die Schweiz war immer dann erfolgreich, wenn sie offen, vernetzt und bereit war, Menschen zu integrieren. Unsere Geschichte ist geprägt von Anpassungsfähigkeit, Innovationskraft und einer grossen Integrationsleistung.
Das bedeutet nicht, die Herausforderungen der Zuwanderung zu ignorieren.
Es gibt Probleme, die wir lösen müssen: Bei der Infrastruktur, auf dem Wohnungsmarkt oder bei der Integration. Hier müssen wir handeln. Aber ein fixer Deckel auf die Bevölkerungszahl ist nicht die schweizerische Antwort.
Unser Weg war immer differenzierter: Probleme anpacken, Lösungen suchen und Verantwortung übernehmen.
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Dazu gehört auch, das inländische Fachkräftepotenzial endlich konsequenter zu nutzen. Wir sollten zuerst auf die Menschen setzen, die bereits in der Schweiz leben, bevor wir auf zusätzliche Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen sind.
Deshalb setze ich mich dafür ein, ältere Mitarbeitende länger im Erwerbsleben zu halten und ihre Erfahrung besser zu nutzen.
Die hohen Pensionskassen-Beitragssätze für ältere Arbeitnehmende müssen daher runter. Im Gesundheitswesen müssen wir viel mehr Menschen selbst ausbilden.
Wir müssen auch den Numerus Clausus kritisch hinterfragen und endlich die Pflegeinitiative konsequent umsetzen. All das stärkt unsere Eigenständigkeit und hilft, die Herausforderungen des Fachkräftemangels aktiv anzugehen. Nicht später. Sondern jetzt.
Zivildienstgesetzvorlage bereitet mir weniger Freude
Weniger Freude bereitet mir die Annahme der Zivildienstgesetzvorlage. Ich hätte mir gewünscht, dass die Bevölkerung diese aus meiner Sicht unnötige Reform ablehnt. Nun gilt es abzuwarten, welche Auswirkungen sie tatsächlich haben wird.
Für mich bleibt klar: Ich werde mich weiterhin mit Überzeugung für alle Dienste einsetzen – für die Armee, den Zivilschutz und den Zivildienst. Sie alle leisten einen wichtigen Beitrag für unser Land und unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt.
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Stärke der Demokratie zeigt sich nach der Abstimmung
Gewinnen und Verlieren gehören zur direkten Demokratie. Richtige Demokratinnen und Demokraten halten beides aus. Im Abstimmungskampf darf hart um die Sache gerungen werden. Danach aber geht es darum, gemeinsam das Beste aus den Entscheiden zu machen.
Genau darin liegt die Stärke der Schweiz. Wir sind gezwungen, über Parteigrenzen hinweg Lösungen zu finden. Menschen mit unterschiedlichen Ansichten an einen Tisch zu bringen. Kompromisse einzugehen, ohne die eigenen Werte aufzugeben. Seit 1848 (wahrscheinlich schon länger) gelingt uns das erstaunlich gut.
Es lohnt sich, sich das immer wieder bewusst zu machen: Wir leben in einem der erfolgreichsten, sichersten und lebenswertesten Länder der Welt. Nicht zufällig. Sondern weil Generationen vor uns Verantwortung übernommen haben.
Diese Verantwortung tragen nun wir. Die Schweiz bleibt erfolgreich, wenn wir ihre Stärken bewahren. Und gleichzeitig den Mut haben, Herausforderungen aktiv anzupacken. Nicht später. Sondern jetzt.

Zur Person
Patrick Hässig (46) sitzt seit 2023 für die GLP im Nationalrat. Er ist Mitglied der Kommission für Soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK) des Nationalrates. Er ist wohnhaft in der Stadt Zürich und arbeitet als diplomierter Pflegefachmann HF auf einem Kindernotfall. Für Nau.ch schreibt er regelmässig Kolumnen.












