Nach der herben Wahlschlappe für Präsident Emmanuel Macron sind in Frankreich am Montag die Sondierungen für eine künftige Regierung angelaufen. Erstmals seit 30 Jahren kann der Präsident sich nicht mehr auf eine absolute sondern nur noch auf eine einfache Mehrheit im Parlament stützen.
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Emmanuel Macron (Archiv). - dpa

Macrons Mitte-Lager muss im Parlament nun die Unterstützung anderer Bündnisse suchen, was in Frankreich unüblich ist. Befürchtet wird eine politische Blockade, denn die anderen Blöcke haben sich bislang auf einen harten Oppositionskurs gegen Macron und seine Politik eingeschworen.

Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis kam das Macron-Lager am Sonntag auf 245 der 577 Sitze und verfehlte damit die absolute Mehrheit. Das neue linke Bündnis angeführt von Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon erzielte 131 Sitze. Die rechtsnationale Partei Rassemblement National von Marine Le Pen legte massiv zu auf 89 Sitze. Die traditionelle Volkspartei der Republikaner kam samt Verbündeten auf 74 Sitze, ein kräftiger Verlust.

«Wir sind in der Opposition, und wir bleiben in der Opposition gegen Emmanuel Macron», twitterte am Montagmittag der Vorsitzende der französischen Konservativen, Christian Jacob. Seine Républicains wurden schon am Wahlabend als Favorit für eine Kooperation genannt - doch der Generalsekretär der Partei, Aurélien Pradié, dämpfte die Erwartungen. «Es steht ausser Frage einen wie auch immer gearteten Pakt mit Emmanuel Macron zu schliessen, um ihm das politische Überleben zu retten», sagte er der Zeitung «Le Parisien». Ob sich an der Position der Partei, die selber starke Einbussen hinnehmen musste, noch etwas ändert, muss sich zeigen.

Unmittelbare Folgen des Wahldebakels gab es bereits für einige Regierungsmitglieder. Zwei Ministerinnen des gerade erst formierten Kabinetts werden ihre Posten räumen müssen, da sie die Mehrheit in ihren Wahlkreisen verfehlten. Macron hatte diese Regel vor der Wahl aufgestellt. Betroffen sind Umweltministerin Amélie de Montchalin und Gesundheitsministerin Brigitte Bourguignon. Ausserdem muss die Staatssekretärin für Meeresangelegenheiten, Justine Benin, gehen.

Spekuliert wird auch, ob Macron an der erst im Mai ernannten neuen Premierministerin Élisabeth Borne wird festhalten können, sie müsse wegen des schlechten Ergebnisses des Regierungslagers zurücktreten, forderte die Opposition bereits. Wie Regierungssprecherin Olivia Grégoire dem Sender France Inter sagte, habe sich diese Frage noch nicht gestellt, man werde in den kommenden Stunden weitersehen.

Marine Le Pen kündigte unterdessen an, nicht mehr an die Parteispitze des Rassemblement National zurückkehren zu wollen, sie hatte den Posten für ihren Präsidentschaftswahlkampf vorübergehend geräumt. Sie wolle künftig als Fraktionsvorsitzende die auf das Elffache ihrer vorherigen Grösse angewachsene rechtsnationale Gruppe im Parlament anführen.

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