Frankreich schaltet Atomreaktoren wegen Hitze ab
Frankreich erlebt die dritte Hitzewelle in zwei Monaten – und muss erneut Atomreaktoren zum Schutz der Flüsse drosseln.

Am Sonntag hat der Energiekonzern EDF mehrere Atomreaktoren vorübergehend vom Netz genommen, wie der «ORF» berichtet.
Betroffen sind Standorte in Golfech an der Garonne, in Bugey an der Rhône sowie in Chooz an der Meuse.
Der Grund liegt im Kühlsystem der Kraftwerke. Alle 57 französischen Atomreaktoren liegen an Flüssen oder am Meer und nutzen das Wasser zur Kühlung.
Flüsse als Grenze für Atomreaktoren
Die Abschaltungen erfolgten «aufgrund der Wetterbedingungen und zur Einhaltung der Vorschriften für die Ableitung von Kühlwasser», teilte EDF mit. Erwärmtes Kühlwasser in ohnehin aufgeheizte Flüsse einzuleiten würde die dortigen Ökosysteme gefährden.
Die Atomaufsichtsbehörde ASNR legt für jedes Kraftwerk Höchstwerte für die Wassertemperatur fest. EDF ist als Betreiber verpflichtet, die Leistung seiner Atomreaktoren unter bestimmten Umständen zu reduzieren, so die «Berliner Zeitung».
Für das Kraftwerk Bugey erteilte das Wirtschaftsministerium zudem eine bis zum 20. Juli befristete Ausnahmegenehmigung. Diese soll die Sicherheit des Stromnetzes gewährleisten.
Dritte Hitzewelle in zwei Monaten
Frankreich produziert rund 70 Prozent seines Stroms über Atomreaktoren – ein hitzebedingt schwieriges Fundament. Bereits im Juni musste EDF während einer ersten Rekord-Hitzewelle Reaktoren herunterfahren, wie die «Berliner Zeitung» berichtet.
Derzeit erlebt das Land bereits die dritte Hitzewelle seit Mai. Für mehr als ein Drittel der Bevölkerung galt am Sonntag die höchste Hitzewarnstufe, berichtet der «ORF».
Fast überall herrschten Temperaturen von weit über 30 Grad, teils um die 40 Grad. In Paris schlossen der Eiffelturm und das Louvre-Museum bereits am Nachmittag.
Hitzebedingte Einschränkungen könnten zunehmen
Hitzebedingte Drosselungen von Atomreaktoren seien ein «bekanntes und grundsätzlich erwartbares Phänomen», sagt Energieexperte Leonhard Gandhi vom Fraunhofer-Institut. Die Leistung wurde zeitweise um 4,1 Gigawatt reduziert, was sieben Prozent der gesamten Stromnachfrage entspreche.

«Die hitzebedingten Einschränkungen dürften mit zunehmenden Hitzewellen künftig häufiger auftreten», erklärt Gandhi laut «ZDFheute».
Die Hitzewelle soll noch bis Mitte der Woche anhalten. Wegen erhöhter Brandgefahr fiel in zahlreichen Städten das Feuerwerk zum Nationalfeiertag aus, so der «ORF».
















