EU-Experten fordern: Kein Social Media für Kids unter 13!
Experten haben im Auftrag der EU-Kommission geprüft, ob es strengere Altersschranken für Social Media braucht. Was raten sie und wie geht es jetzt weiter?

Das Wichtigste in Kürze
- EU-Experten empfehlen Social-Media-Grenzen für Kinder unter 13 Jahren.
- Jüngere sollen digitale Dienste nur betreut und zeitlich begrenzt nutzen.
- Von der Leyen kündigt nach dem Sommer einen Vorschlag der Kommission an.
Von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beauftragte Experten empfehlen, den Zugang zu Social Media für Kinder unter 13 Jahren in allen Mitgliedsländern zu beschränken.
Die Nutzung sozialer Medien und anderer digitaler Dienste sollte bis zu dieser Altersgrenze nur unter Aufsicht der Eltern oder in einem pädagogischen Kontext sowie zeitlich begrenzt erfolgen. Das heisst es in einem in Brüssel vorgestellten Bericht.
Die Experten sprechen sich dafür aus, dass Mitgliedsländer über die EU-weite Basisregelung hinaus auch höhere Altersgrenzen festlegen können.
Ab 13 Jahren sollten Jugendliche zunehmend selbstständig Zugang zu altersentsprechenden Social-Media-Angeboten haben. Das sagte der Co-Autor des Berichts, Jörg Fegert, ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Ulm.
Solche Zugänge müssten aber standardmässige Sicherheitsvorkehrungen haben, fügte der deutsche Forscher hinzu. Für Kleinkinder raten die Fachleute bis zu einem Alter von zwei Jahren gänzlich von der Nutzung ab.
Von der Leyen: Vorschlag nach dem Sommer
Von der Leyen sagte, man müsse einen schrittweisen Zugang für verschiedene Altersgruppen in Betracht ziehen.
Die deutsche Politikerin kündigte bei der Vorstellung des Berichts einen Vorschlag der Brüsseler Behörde nach dem Sommer an. Details nannte von der Leyen zunächst nicht. Man werde den Bericht nun sorgfältig lesen.
Die Kommissionspräsidentin gilt als Verfechterin strengerer Regeln für die Nutzung von sozialen Medien durch Minderjährige. Der Bericht gibt ihr nun weitere Argumente dafür. Sie sagte, es werde immer deutlicher, dass die Einführung strengerer Vorgaben nötig sei.
Experten: Bestehende Regeln durchsetzen
Ganz neu wären Altersgrenzen und Massnahmen zum Kinder- und Jugendschutz nicht. Beliebte Plattformen wie YouTube, Instagram, Tiktok, Snapchat und Co. fallen unter das europäische Gesetz über digitale Dienste.
Artikel 28 zum «Online-Schutz Minderjähriger» des DSA verpflichtet die Online-Riesen, «geeignete und verhältnismässige Massnahmen» zu ergreifen, um Minderjährige zu schützen.
Zudem verlangt die EU-Kommission von den Online-Diensten, dass sie ihre eigenen Nutzungsbedingungen einhalten. Die sehen aus Datenschutzgründen oft erst einen Zugang zu den Plattformen ab 13 Jahren vor.
Zwar läuft deshalb bereits ein Verfahren der Brüsseler Behörde gegen den Facebook- und Instagram-Konzern Meta. Die Experten sprechen sich in ihrem Bericht aber dafür aus, die bestehenden Regeln konsequenter durchzusetzen.
Skepsis in der Schweiz
In der Schweiz hat der Ständerat Mitte März 2025 ein Postulat von Ständerätin Maya Graf (Grüne/BL) an den Bundesrat überwiesen. Dieses verlangt eine Prüfung eines Mindestalters.
Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider äusserte sich in der damaligen Debatte allerdings zurückhaltend. Der Bundesrat sei sich der aufgeworfenen Fragen bewusst. Er sei von der Notwendigkeit überzeugt, die Frage der Nutzung sozialer Netzwerke zu analysieren, sagte sie.

Die vom Bundesrat eingesetzte ausserparlamentarische Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ) sprach sich in einem Positionspapier gegen ein Verbot aus.
Sie plädierte «für partizipativ erarbeitete Regeln statt pauschale Verbote. Sowie für die Förderung von Medienkompetenz und eine gesetzliche Regelung der grossen Online-Plattformen».
Die Schweizer Bevölkerung denkt aber offensichtlich anders: In einer im Januar veröffentlichten repräsentativen Umfrage des Forschungsinstituts Marketagent befürworteten 83 Prozent der Befragten ein gesetzliches Mindestalter für die Nutzung von Social Media.



















