Fall Lyhanna: Jetzt hinterfragen Franzosen auch Macron-Beziehung
Nach dem Tod der elfjährigen Lyhanna erhebt eine französische Autorin schwere Vorwürfe – und sorgt mit Aussagen über Emmanuel Macron für Aufsehen.

Das Wichtigste in Kürze
- Franzosen kritisieren die Behörden im Fall Lyhanna (†11).
- Eine Debatte über Versagen von Justiz und Politik entbrannte.
- Jetzt gibt es auch scharfe Worte gehen Macrons Beziehung mit Brigitte.
Der Tod der elfjährigen Lyhanna sorgt in Frankreich weiter für Entsetzen. Und löst eine Debatte über das Versagen von Justiz und Politik im Kampf gegen sexualisierte Gewalt und Kindesmissbrauch aus.
In einem Sonderprogramm des Nachrichtensenders «BFMTV» erhebt die Journalistin und Autorin Laurence Beneux schwere Vorwürfe gegen die politischen Verantwortlichen.

«Es gibt eine politische Verantwortung, die absolut erdrückend ist. Es gibt seit Jahrzehnten einen Mangel an politischem Willen», sagt sie.
Besonders scharf greift sie Präsident Emmanuel Macron und Justizminister Gérald Darmanin an.
«Wenn ich Gérald Darmanin und Emmanuel Macron sehe, die sich über Fehlfunktionen empören, als würden sie plötzlich entdecken, dass der Mond existiert, dann glaube ich zu träumen», erklärt Beneux.
Brigitte war 39 Jahre, Emmanuel war 15 Jahre
Dann doppelt sie nach: «Übrigens, wenn wir von Fehlfunktionen sprechen: Emmanuel Macron hat das bei seiner Frau nicht besonders gestört», sagte sie.
Die Moderatorin versucht daraufhin umgehend einzugreifen und entgegnet: «Gut, das ist ein anderes Thema.»
Beneux bleibt jedoch bei ihrer Kritik. «Das sendet eine Botschaft der Straflosigkeit aus! Und das ist verboten», sagt sie.
Worauf die Autorin anspielt: Emmanuel Macron lernte seine spätere Ehefrau Brigitte 1993 als 15-Jähriger an seiner Schule in Amiens kennen. Sie war damals 39 Jahre alt und unterrichtete dort als Lehrerin.
Elfjährige in Frankreich tot aufgefunden
Der Hintergrund der Debatte ist der Fall der elfjährigen Lyhanna. Das Mädchen war vor einer Woche verschwunden. Ihre Leiche wurde später in einem Getreidesilo nahe Toulouse gefunden.
Ein 41-jähriger Mann, der Vater einer Schulkameradin, sitzt in Untersuchungshaft. Er soll Lyhanna am Tag ihres Verschwindens in seinem Auto mitgenommen haben.

Besonders brisant: Gegen den Mann hatte es bereits mehrere Anzeigen und Ermittlungen wegen der Vergewaltigung Minderjähriger gegeben.
Französische Medien berichten, dass Verfahren teilweise eingestellt oder nicht konsequent weiterverfolgt worden seien.
Eine Mutter meldete ihn zudem vor Jahren, weil er mit Anfang 30 ihre 17-jährige Tochter datete. Auch das hatte keine Konsequenzen, da es in Frankreich gesetzlich erlaubt ist.
Emmanuel Macron spricht bei Fall Lyhanna von «Versagen»
Auch die Regierung spricht inzwischen von schweren Behördenfehlern. Präsident Macron bezeichnete den Fall als «Versagen».
Justizminister Darmanin nannte den Umgang der Behörden mit den Hinweisen auf den Verdächtigen «völlig inakzeptabel».
Frankreich führte 2021 nach mehreren Pädophilie-Skandalen ein Schutzalter von 15 Jahren ein. Mit einer «Romeo-und-Julia-Klausel» bleiben Beziehungen mit unter 15-Jährigen straffrei, wenn der Altersunterschied weniger als fünf Jahre beträgt.
In der Schweiz liegt das Schutzalter bei 16 Jahren. Eine Ausnahme besteht für Beziehungen unter Jugendlichen, wenn der Altersunterschied weniger als drei Jahre beträgt.
Hier findest du Hilfe bei Fällen von Pädokriminalität
Bei Verdacht auf Pädokriminalität in der Schweiz ist der Polizeinotruf 117 die erste Anlaufstelle im Notfall.
Für anonyme Meldungen im Internet ist clickandstop.ch zuständig, die auch Beratung für Betroffene und Fachpersonen bietet.
Weitere Unterstützung bieten kantonale Polizeien sowie Opferhilfe- und Kinderschutzorganisationen wie kinderschutz.ch. Diese Stellen gewährleisten schnelle Hilfe, Meldemöglichkeiten und Präventionsangebote. So können Betroffene und Angehörige gezielt unterstützt werden.















