Büezer warten noch immer auf Geld: Schulden-Wirbel um Hof zu Wil
Kurz nach der Eröffnung des Hofs zu Wil nun der Dämpfer: Einige Handwerkerunternehmen warten nach Abschluss der Sanierungsarbeiten noch immer auf ihr Geld.

«Kann die Stiftung ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen?» – diese Frage stellt der SVP-Stadtparlamentarier Pascal Stieger in seiner jüngsten Anfrage an den Stadtrat betreffend die finanziellen Umstände der Stiftung Hof zu Wil.
Das Wiler Wahrzeichen wurde Anfang Juli nach einer mehrjährigen Sanierungsphase feierlich wiedereröffnet. Die Freude über den neuen Glanz des Hofs wird allerdings überschattet: Einige Handwerkerunternehmen warten noch immer auf ihr Geld.
Bereits im Frühling war die Stiftung mit ihren Zahlungen im Verzug, sodass einige Handwerker über kurze Zeit sogar die Arbeit niederlegten. Der Stiftungsratspräsident Hans Mäder informierte Anfang Mai, dass über vier Millionen Franken für die Finanzierung der letzten Sanierungsetappe fehlen.
Über zwei Monate später hat sich augenscheinlich nichts an der prekären Finanzlage der Stiftung geändert: Rückmeldungen des regionalen Gewerbes zufolge gibt es noch immer Unternehmen, die auf ausstehende Zahlungen warten.
Dies, obwohl sich der Stiftungs- und Stadtpräsident zum Ziel gesetzt habe, dass die Finanzierungsfrage vor seinem Amtsabtritt am 16. August gelöst werde, moniert Pascal Stieger.
Verschiedene Quellen bestätigen nun, dass die Stiftung Hof zu Wil die betroffenen Handwerksunternehmen in einem schriftlichen Gesuch um die vorübergehende Verschiebung der Zahlungsfrist gebeten hat. Ein solches Schreiben liegt der Redaktion vor.
4,9 Millionen Franken offen
Aus dem sogenannten Antrag auf Stundung geht hervor: Die Stiftung Hof zu Wil hat offene Rechnungen von insgesamt 4,9 Millionen Franken. Sie bittet um eine Aufschiebung der Zahlungsfrist bis Ende Januar 2027. Einzig Forderungen unter einer Grenze von 2000 Franken könnten umgehend beglichen werden.
Der Grund für das fehlende Geld ist gemäss dem Stiftungsrat, dass die vollständigen Detailkosten erst nach der Volksabstimmung vom September 2021 über die städtische Finanzierung der dritten Bauetappe beziffert werden konnten.

Zum Zeitpunkt der Abstimmung wurde für das Projekt mit einem Gesamtkostenrahmen von 25,45 Millionen Franken gerechnet. Notwendige Projektanpassungen, wie die komplette Erneuerung der Hauptfassade, führten dazu, dass der Bau nun mit den 29,8 Millionen Franken abschliesse.
Dazu kommen ungedeckte Betriebskosten, da die Arbeiten nicht innerhalb der ursprünglich geplanten Zeit fertiggestellt werden konnten. Da eine Finanzierung durch Banken oder Dritte nicht möglich sei, habe der Stiftungsrat bei der Stadt Wil einen Antrag für einen Nachtragskredit gestellt.
Der entsprechende politische Entscheid wird bis spätestens im Januar 2027 erwartet.
Kritik an Ausgaben für die Eröffnungsfeier
«Die beteiligten Unternehmen haben mit ihrem Einsatz wesentlich zum Gelingen dieses Projekts beigetragen. Gerade für kleine und mittlere Betriebe sind offene Forderungen eine Belastung und binden Liquidität. Es hinterlässt einen unglücklichen Eindruck, wenn ein Projekt feierlich eröffnet wird, während diejenigen, welche die Arbeiten ausgeführt haben, teilweise noch auf ihr Geld warten», kritisiert Pascal Stieger.

Besonders irritierend erscheine dem SVP-Politiker in diesem Zusammenhang, dass zur Eröffnungsfeier sehr grosszügig eingeladen worden sei: Zahlreiche Gäste hätten neben einem kostenlosen Apérohäppchen auch einen eindrücklichen Verpflegungsgutschein erhalten.
«Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie eine derart grosszügige Finanzierung der Eröffnungsfeier damit vereinbar ist, dass gleichzeitig offenbar noch berechtigte Forderungen von Handwerksbetrieben offen sind», fragt der Stadtparlamentarier.
SVP verlangt Aufklärung
Dass bei grösseren Bauprojekten Schlussabrechnungen und Nachträge sorgfältig geprüft werden müssen, so Stieger, sei nachvollziehbar. Wo Leistungen jedoch unbestritten erbracht worden seien, sollten berechtigte Forderungen ohne unnötige Verzögerung beglichen werden.
Er verlangt vom Wiler Stadtrat Auskunft zu den offenen Zahlungen, den ausstehenden Schlussabrechnungen und zur finanziellen Situation der Stiftung.

Der SVP-Politiker will wissen, wie viele Unternehmen betroffen sind, warum Zahlungen noch ausstehen und wann diese abgeschlossen werden. Er hinterfragt ausserdem die Finanzierung der Eröffnungsfeier sowie mögliche finanzielle Risiken für die Stadt durch weitere Darlehen oder eine allfällige Unterstützung der Stiftung.
«Die öffentliche Hand und eine öffentlich getragene Stiftung tragen gegenüber dem regionalen Gewerbe eine besondere Verantwortung und sollten mit gutem Beispiel vorangehen», betont der Parlamentarier.
Eine Stellungnahme der Stiftung folgt.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Wiler Nachrichten» erschienen.








