Am Sonntag sagte die Schweiz klar Ja zur «Ehe für alle». Verglichen mit Westeuropa ist sie ein Schlusslicht, gegenüber Osteuropa ein Vorreiter.
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Die «Ehe für alle» wurde angenommen. - AFP

Das Wichtigste in Kürze

  • Ab Sommer 2022 können gleichgeschlechtliche Paare in der Schweiz heiraten.
  • In Westeuropa gehört die Schweiz damit zu den Schlusslichtern.
  • In Osteuropa hingegen ist die gleichgeschlechtliche Ehe in keinem Land erlaubt.

Am Sonntag sagte die Schweizer Bevölkerung mit 64,1 Prozent Ja zur «Ehe für alle». Im Westeuropa-Vergleich gehört die Schweiz damit zu den Schlusslichtern. In Osteuropa hingegen sieht die Lage anders aus.

Noch immer gibt es europäische Länder, in denen LGBT+-Menschen um ihre Rechte kämpfen müssen. In den osteuropäischen Ländern ist die gleichgeschlechtliche Ehe derzeit nicht erlaubt.

Gesetz gegen «Homosexuellen-Propaganda» in Ungarn

Ungarn geht dabei sogar einen Schritt weiter. Die Regierung führte kürzlich ein Gesetz ein, das sogenannte «Homosexuellen-Propaganda» unterbinden soll. Konkret: Informationen über Homo- oder Transsexualität sollen nicht mehr zugänglich sein.

Rosenwasser Ehe für alle
Anna Rosenwasser und ihre Partnerin hören sich die ersten Zwischenergebnisse zur «Ehe für alle» an, auf der Grossen Schanze in Bern.
Ehe für alle Operation
Die Operation Libero feiert das Ja zur «Ehe für alle» mit einem Riesenherz vor dem Progr in Bern.
Operation Libero
Laura Zimmermann, Co-Präsidentin der Operation Libero verfolgt den Abstimmungssonntag auf der Grossen Schanze.
Operation Libero
Der Rest der Operation Libero verbringt den Abstimmungssonntag im Progr in Bern. Die Liberos haben für die «Ehe für alle» Kampagne gemacht.
Glättli Ehe für alle
Grünen-Präsident Balthasar Glättli (ZH) auf der Grossen Schanze in Bern.

Die Alternative zur Ehe ist die eingetragene Partnerschaft. In der Schweiz konnten sich gleichgeschlechtliche Paare seit 2007 eintragen lassen. In Osteuropa haben lediglich sechs Staaten dieses System. Beispielsweise können in Tschechien und Kroatien gleichgeschlechtliche Paare zwar nicht heiraten, aber zumindest ihre Partnerschaft eintragen lassen.

Keine «Ehe für alle» in Italien

Der Unterschied zwischen der eingetragenen Partnerschaft und der Ehe: Grundsätzlich haben die Partner die gleichen Rechte und Pflichten wie Ehegatten. Nur die Adoption ist bei der eingetragenen Partnerschaft ausgenommen.

In Westeuropa hingegen sieht die Situation für homosexuelle Paare besser aus. Nur in Italien dürfen sie nicht heiraten. Auch dort wurde bisher nur die eingetragene Partnerschaft eingeführt.

Freuen Sie sich über die Annahme der Ehe für alle?

Das erste Land, das eine gleichgeschlechtliche Ehe erlaubte – europa- wie auch weltweit – waren die Niederlande. Gleichgeschlechtliche Paare können sich dort bereits seit 2001 das Jawort geben. Zuvor führten die Niederlande 1998 die eingetragene Partnerschaft für homosexuelle Paare ein.

Gleichgeschlechtliche Ehe ausserhalb Europas

Auch ausserhalb Europas konnte sich die «Ehe für alle» bereits in einigen Ländern durchsetzen. In zwölf Staaten können sich homosexuelle Paare zivil trauen lassen.

Als erstes nicht-europäisches Land hat Kanada 2005 die Homo-Ehe erlaubt. In den USA wurde die gleichgeschlechtliche Ehe 2015 durch ein Urteil des Supreme Courts erlaubt.

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«Ehe für alle»: Menschen jubeln in Sydney, nachdem die Ergebnisse einer Volksbefragung zur gleichgeschlechtlichen Ehe verkündet wurden. - David Moir/AAP/dpa

In der Schweiz können gleichgeschlechtliche Paare nun wohl ab Juli 2022 zivil heiraten. Damit sind sie anderen Ehepaaren institutionell und rechtlich gleichgestellt. Zudem sollen homosexuelle Paare nun auch Kinder adoptieren können.

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