Diesen Anteil hat Kanzler Merz am AfD-Sieg
CDU-Kanzler Friedrich Merz, der beste Wahl-Kämpfer für die AfD? Die provokante Aussage von Ulrich Siegmund hat einen wahren Kern, sagen Experten.
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Das Wichtigste in Kürze
- Ulrich Siegmund sagt, dass Kanzler Merz der AfD zum Sieg verholfen habe.
- «Sein Satz ‹Unser bester Wahlhelfer war Friedrich Merz› trifft einen wahren Kern», sagt Politologe Roger Stöcker.
- Politologe Wolfgang Schroeder erklärt, warum es für die CDU gleich doppelten Gegenwind gab.
- Dass zwei Union-Politiker den Regierungsanspruch in Frage stellten, sei der «Todesstoss» gewesen.
Erdrutsch-Sieg für die AfD. Die Rechtsaussen-Partei bekommt in Sachsen-Anhalt fast 44 Prozent der Stimmen, knapp ohne absolute Mehrheit.
Heute sprechen die Partei-Chefs erstmals über den Triumph. Chefin Alice Weidel bläst unter anderem zur Attacke auf Friedrich Merz, nennt ihn «eine Belastung für Deutschland».

Bereits gestern schoss auch der AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, scharf. Im Wahlstudio in «Das Erste» sagt der Sieger der Landtagswahl: «Es ist auch ein Zeichen Richtung Berlin. Ein sehr guter Wahlkämpfer für uns war Friedrich Merz.»
Hat AfD-Siegmund Recht? Ja, sagt Politologe Roger Stöcker von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.
«Wahrer Kern»
«Er drückt es sarkastisch aus. Sein Satz ‹Unser bester Wahlhelfer war Friedrich Merz› trifft aber einen wahren Kern. Die derzeitige Unpopularität von Friedrich Merz dürfte für viele Wähler eine ideale Projektionsfläche für ihre AfD-Stimme gewesen sein.»
Grosse Reformdiskussionen über Rente und Gesundheit seien aus ostdeutscher Perspektive «zu einem maximal ungünstigen Zeitpunkt» gekommen.
«Kurz vor den Wahlen über die Abschaffung privilegierter Rentenfrüheintritte oder Kürzungen im Gesundheitssystem zu diskutieren, dürfte vor allem der CDU zusätzlich geschadet haben. Die Menschen entfremden sich dadurch zunehmend von der Berliner Politik», so Stöcker.
Friedrich Merz: Aus heisser Liebe wird heisser Hass
Politologe Wolfgang Schroeder von der Universität Kassel unterstreicht dagegen: «Die Einflüsse der Bundesebene auf die Länderebene lassen sich nie ganz eindeutig bewerten.»
Es lasse sich aber nicht verheimlichen, dass sich die Bundesebene negativ entwickelt hat. Schroeder spricht von einem «doppelten Gegenwind», in dem sich die Union befindet.

«Einerseits durch den unbeliebten Kanzler Friedrich Merz.» Dazu gibt es eine Vorgeschichte. Bis 2025 war Merz der Liebling der Ost-CDU. Diese versprach sich von ihm einen Politik-Wechsel.
«Wie das so häufig ist, kann die heisse Liebe sehr schnell in einen heissen Hass übersetzt werden. Das hat sich hier sehr exemplarisch in Deutschland abgespielt. Nach der Liebes-Phase ist die Hass-Phase gekommen.»
Das bedeutet etwa: «Im sachsen-anhaltinischen Wahlkampf wurde Merz versteckt. Er durfte nur in Hinterzimmern und geschlossenen Räumen auftreten.»
Die Union ist tief zerrissen – «das war der Todesstoss»
Die krachende Union-Niederlage ist aber nicht Merz alleine zuzuschreiben. «Die Union ist gespalten in der Frage, wer denn nun eigentlich der Partner und Unterstützer der Union sein sollte. Ist es die AfD oder ist es die Links-Partei? Zu beiden gibt es einen Unvereinbarkeits-Beschluss.»

Drei Tage vor der Wahl ist dann ein Flügel aus der sachsen-anhaltinischen CDU ausgebrochen. Dieser hat für eine Regierungs-Übernahme durch die AfD geworben. «Und damit die Links-Partei als das eigentliche, grosse Übel skandalisiert. Das hat zu einer enormen Demobilisierung beigetragen.»
Aufgrund von Umfragen ging man davon aus, dass die Union zwischen 22 und 25 Prozent der Stimmen bekommen kann. «Diese Intervention war der Todesstoss – damit war klar, dass die Union zerrissen ist. Man wählt also lieber direkt die AfD oder eine andere Partei, auf keinen Fall die Union. So eine zerrissene Partei braucht niemand.»
«Einmalig»: Diese beiden CDU-Politiker halfen der AfD
Insofern war der zentrale Wahlkampf-Helfer in der letzten Phase also nicht Friedrich Merz. Sondern Sepp Müller und Alexander Reuscher. Es sind die beiden Politiker, die die Kampagne organisiert haben.
«Dass die eigene Partei-Spitze und ihre Wahlkampf-Strategie aus der Partei-Mitte zwei Tage vor der eigentlichen Stimm-Abgabe öffentlich blossgestellt wird, ist ziemlich einmalig im deutschen Wahlkampf», sagt Schroeder.
AfD profitierte auch von…
Stöcker unterstreicht, dass Friedrich Merz nur ein Teil des Puzzles war, das der AfD zur Beinahe-Mehrheit verholfen hat. Hinzu kämen wirtschaftliche Probleme im Land, ein Gefühl der schwindenden inneren Sicherheit und eine jahrelange Abwanderung. Diese führen zu teils entvölkerten Landstrichen.
«Letzteres sieht man auch an den AfD-Wahlergebnissen im ländlichen Raum. Hier schnitt die Partei deutlich besser ab als beispielsweise in den drei grösseren Städten.»
















