Energiewende setzt Schweizer Gewässer unter Druck

Keystone-SDA
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Bern,

Die Energiewende in der Schweiz setzt die Gewässer unter Druck. Forschende der Eidgenössischen Wasserforschungsanstalt Eawag zeigen, welche Folgen der Ausbau der Wasserkraft für Gewässer und Biodiversität hat – und wo sich Energiegewinnung und Ökologie besser verbinden lassen.

Aare
Ein Mann springt in die Aare an einem Hitzetag. - keystone

«Unsere Oberflächengewässer sind durch die Energienutzung bereits sehr stark beeinträchtigt», sagt der stellvertretende Eawag-Direktor Christian Stamm im am Montag veröffentlichten Magazin zum Eawag-Infotag «Die Rolle des Wassers in der Energiewende».

Laut Stamm ist das Ausbaupotenzial der heimischen Wasserkraft bereits weitgehend ausgeschöpft. Mit der politisch angestrebten Abkehr von fossilen Energieträgern und dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien – insbesondere der Wasserkraft – verschärft sich ein grundlegender Zielkonflikt.

Ein Problem für die Biodiversität stellt laut Eawag-Forschenden der sogenannte Schwall-Sunk-Betrieb der grossen Speicherkraftwerke dar. Um Schwankungen von Wind- und Sonnenenergie auszugleichen, wird die Stromproduktion der Wasserkraftwerke mehrmals täglich hoch- und heruntergefahren. Die künstlichen und häufigen Abflussschwankungen seien für viele Lebewesen wie ein mehrmals täglich wiederkehrender Tsunami, erklärte der Forscher Nico Bätz. Bisher seien die Auswirkungen der hohen Frequenz dieser abrupten Schwankungen unterschätzt worden.

Auch Staudämme und Kraftwerke verändern die Gewässer: Sie unterbrechen Fischwanderungen, halten Sedimente zurück und verwandeln fliessende Gewässer teilweise in seeähnliche Lebensräume.

Um den Zielkonflikt zwischen Energieversorgung und Gewässerschutz zu entschärfen, braucht es laut Stamm faktenbasierte Kompromisse und ein Umdenken beim Stromverbrauch.

Ein Beispiel für einen solchen faktenbasierten Kompromiss ist dem Infotag-Magazin zufolge die Debatte um die gesetzlichen Restwassermengen. So habe eine Untersuchung der Eawag gemeinsam mit der WSL und der Universität Bern gezeigt, dass die Einbussen bei der Stromproduktion durch diese Vorgaben zweieinhalb- bis dreimal geringer ausfallen als zuvor angenommen.

Entscheidend sei eine übergeordnete Betrachtung der Einzugsgebiete: Wo ist Wasserkraft besonders wichtig, wo sind Gewässer ökologisch besonders wertvoll? Ein anderes, von Eawag-Forschenden entwickeltes Modell zeigt beispielsweise, dass sich Kraftwerksstandorte so wählen lassen, dass bei gleicher Stromproduktion deutlich geringere Schäden für Fischpopulationen entstehen.

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